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„Dragon’s Dogma II“ im Test: Ein Rollenspiel zwischen Genie und Wahnsinn

„Diablo IV“, „Jagged Alliance 3“, „Baldur’s Gate III“, „Counter-Strike 2“ – Fortsetzungen von Videospielen erfreuen sich derzeit großer Beliebtheit. Freilich, möchte man meinen, denn die Fortführung einer bereits etablierten Marke bringt einige Vorteile mit sich. Ein erprobtes Konzept, eine gewachsene Zielgruppe und bereits bekannte Protagonistinnen und Protagonisten, um nur einige Punkte zu nennen.

„Dragon’s Dogma II“ reiht sich nun in die lange Liste der Fortsetzungen ein. Nach mehr als zehn Jahren veröffentlichte der japanische Entwickler Capcom einen Nachfolger des 2012 erschienenen Action-Rollenspiels. Wie sich der Nachfolger schlägt, haben wir ausführlich getestet.

Ein Drache hat mein Herz gefressen – ehrlich!

Der Drache spielt eine wichtige Rolle – passend zum Titel des Spiels. - © Capcom
Der Drache spielt eine wichtige Rolle – passend zum Titel des Spiels. (© Capcom)

Es könnte so schön sein: Wir wurden von einem Drachen als Feind auserkoren und sind damit der rechtmäßige Herrscher. Doch just während unserer Inthronisierung, nämlich als wir den Drachenthron besteigen sollen, läuft gehörig etwas schief und wir verlieren das Bewusstsein. Wieder bei Sinnen finden wir uns in einem Bergwerk wieder – als Arbeitssklave. Dabei sind wir doch der Erweckte. DER Erweckte, dessen Schicksal eng mit einem Drachen verbunden ist, weil dieser unser Herz gefressen hat.

Als der Aufseher zu uns kommt, um uns abzuholen, wechselt das Spiel in einen ausführlichen Charaktereditor, in dem wir unsere Spielfigur nach Gutdünken erstellen. Hier entscheiden wir uns für eine von vier Laufbahnen. Zur Auswahl stehen Kämpfer, Bogenschütze, Schurke und Magier. Danach beginnt das Abenteuer.

Fortan durchstreifen wir die riesige Open-World, finden Gegenstände, legen uns mit fiesen Gesellen an und versuchen, den Drachenthron wieder zu besteigen, der rechtmäßig unser ist. Immer dabei: unser Vasall. Den erstellen wir mit unserem Hauptcharakter. Der Vasall ist ein computergesteuerter Gefährte, der uns im Kampf unterstützt, wichtige Hinweise gibt und Sachen für uns trägt.

Disziplin zahlt sich aus

Bis zu drei Vasallen können wir mitnehmen. Neben unserem eigenen Hauptvasall rekrutieren wir weitere Gefährten an sogenannten Riftsteinen, die auf der gesamten Karte zu finden sind. Dabei handelt es sich um Hauptvasallen, die andere menschliche Spieler erschaffen haben. Der Clou dabei: Hat ein Vasall eine Quest in „seiner“ Welt schon abgeschlossen und nehmen wir diese Aufgabe in „unserer“ Welt in Angriff, gibt uns der Begleiter wichtige Tipps. Oder er zeigt uns eine Truhe in der Wildnis, deren Standort er bereits kennt. Das System hat uns gut gefallen. Endlich sind wir in einem Spiel nicht alleine unterwegs und erhalten Rückendeckung bei den zum Teil anspruchsvollen Bosskämpfen.

Denn wilde Minotauren, riesige Greife sowie grobschlächtige Zyklopen begegnen uns immer wieder in der Welt von „Dragon’s Dogma II“, und die sind uns ganz und gar nicht freundlich gesinnt. Treffen wir eines dieser Ungeheuer in der Wildnis, greift es uns sofort an.

Die großen Kreaturen können dabei so einiges einstecken, weshalb wir zum einen einen langen Atem brauchen. Zum anderen müssen wir alle Register ziehen, die unsere Laufbahn so hergibt. Wir können den Bösewicht aus der Ferne mit unseren Pfeilen beschießen, mit unserem Schwert in den Nahkampf gehen oder kurzerhand an ihm hinauf klettern und dann mit unserem Dolch auf Schwachstellen einhacken.

Bosskämpfe nicht nur spielerisch eine Wucht

Die grafische Opulenz bei „Dragon’s Dogma II“ verblüfft uns nach wie vor immer wieder. - © Capcom
Die grafische Opulenz bei „Dragon’s Dogma II“ verblüfft uns nach wie vor immer wieder. (© Capcom)

Die Bosskämpfe sind nicht nur spielerisch eine Wucht, auch grafisch können sich die Monster sehen lassen. Generell ist „Dragon’s Dogma II“ ein Augenschmaus. Oft genug standen wir nun schon auf unserer Heldenreise durch das Land einfach nur da und haben den Anblick genossen. Etwa, wenn wir von einem Hügel auf ein bewaldetes Tal geblickt oder in der Ferne Vernworth, die vom Meer umgebene Hauptstadt des Menschenkönigreichs Vermund, erblickt haben. Klasse!

Gut gefallen hat uns auch das Laufbahn-System. Zwar entscheiden wir uns zu Beginn für eine Klasse, etwa den Bogenschützen, können aber jederzeit und beliebig oft den Pfad des Kämpfers, des Magiers oder des Schurken einschlagen. Dafür müssen wir uns lediglich zu einem Gasthaus begeben und dort den Laufbahnwechsel anwählen. Im Gasthaus können wir auch neue Fertigkeiten unserer Laufbahn erlernen und ausrüsten. Dafür sammeln wir auf unseren Streifzügen durch die Wildnis sogenannte Disziplinpunkte, die wir dann beim Gastwirt in stärkere Angriffe oder spezielle Attacken investieren können.

Mit den Disziplinpunkten werten wir auch die Fertigkeiten unseres Hauptvasallen auf. Allerdings kann der lediglich die vier klassischen Laufbahnen einschlagen, zwei weitere, Erzmagier und Krieger, können im Laufe des Spiels noch freigeschaltet werden. Menschlichen Spielerinnen und Spielern stehen darüber hinaus noch vier weitere Laufbahnen offen, die die Eigenschaften von mehreren Klassen vereinen und besonders mächtig sind. Als wir einige Monate vor dem Release das Spiel schon einmal anspielen durften, haben wir bereits die neuen Laufbahnen ausprobiert, die sich bisweilen elementar von den Standardlaufbahnen unterscheiden.

Sieh zu, wie du zurechtkommst!

Während dieser Previews waren wir noch skeptisch, ob das Gameplay in eine nachvollziehbare Story eingebettet ist. Was das angeht, hat Capcom aber ganze Arbeit geleistet. Die Story ist spannend, ist voller adeliger Intrigen und Zwietracht und holt auch jene Spieler ab, die womöglich den ersten Teil nicht gespielt haben.

Während sich die Hauptstory aber wie ein roter Faden durch das Spiel zieht, müssen wir uns die Nebenquests hart erarbeiten. Während wir in vergleichbaren Spielen beim Erreichen eines neuen Dorfes etwa angezeigt bekommen, wer alles unsere Hilfe benötigt, verzichtet „Dragon’s Dogma II“ gänzlich auf solche Hinweise. Wenn wir helfen wollen, dann müssen wir uns durch das Dorf fragen, die Bewohner gezielt ansprechen und herausfinden, wo der Schuh drückt. Erst dadurch bekommen wir die Aufgaben.

Und auch wenn wir diese angenommen haben, hält das Spiel keine großartigen Hilfestellungen oder Tutorials parat. Es gibt zwar eine grobe Markierung auf der Karte, aber das war es auch schon. Weitere Informationen müssen wir in weiteren Gesprächen herausfinden oder besonders aufmerksam unsere Umgebung beobachten oder erkunden. Das Spiel will damit eine möglichst realistische Simulation entwerfen, und das gefällt uns grundsätzlich.

Blinkende Truhen ersetzen nicht das Navigationssystem

Wir haben den Zyklopen vor uns in Brand gesetzt und bringen ihn bald zu Fall – hoffentlich. Denn dieser Koloss ist ein gefährlicher Gegner. - © Capcom
Wir haben den Zyklopen vor uns in Brand gesetzt und bringen ihn bald zu Fall – hoffentlich. Denn dieser Koloss ist ein gefährlicher Gegner. (© Capcom)

Das alles wird aber konterkariert von kleinen Details, die aus unserer Sicht aus der Spielwelt eine unglaubwürdige machen. Haben wir etwa Gegner getötet, dann schimmern diese immerzu, solange sie noch Beute bei sich tragen, die wir plündern können. Ebenso verhält es sich mit Truhen, die wir hier und dort finden.

Hinzu kommt eine in Teilen lausige Wegfindung. In den ersten Spielstunden etwa soll uns eine Eskorte zur Hauptstadt des Menschenkönigreiches geleiten. Auf dem Weg kommen wir an einen Fluss und werden dort von Goblins, die in der deutschen Übersetzung als Kobolde bezeichnet werden, angegriffen. Wir kämpfen mit den Unholden, entdecken dabei eine Leiter, steigen diese hinab und kämpfen weiter. Nach dem Scharmützel wäre es nun ein Leichtes gewesen, die Leiter wieder hinauf zu klettern und unseren Weg fortzusetzen. Stattdessen läuft die Eskorte mit uns im Schlepptau in einem großen Bogen wieder zurück zu unserem Ausgangspunkt, um danach erneut am Fluss vorbei und dann zur Hauptstadt weiterzulaufen.

Und so reizvoll das Vasallensystem auch ist: nach wenigen Spielstunden nerven die immer gleichen Kommentare der virtuellen Begleiter nur noch. Weil sie immer wieder darauf hinweisen, dass etwa die Partie nur aus weiblichen Charakteren besteht oder dass man sich nach einem Kampf in Demut üben solle. Ganz abgesehen davon, dass uns die Vasallen zumindest in der Hauptstadt nun schon mehrfach auf dieselben Leitern hinweisen, die mittlerweile zu bereits geplünderten Truhen führen, offenbart das Hinweisen einen großen Widerspruch im Spiel.

Denn „Dragon’s Dogma II“ ist offenbar so konzipiert, dass wir alles auf eigene Faust erkunden sollen. Es nimmt uns nicht an die Hand, sondern verlangt von uns, kreativ und geistreich auf Probleme zu reagieren und Herausforderungen anzugehen. Gleichzeitig blockiert es eine eigenständige Erkundung unserer Umgebung, weil wir alle paar Meter von unseren Vasallen auf Truhen oder Leitern hingewiesen werden. Oder die virtuellen Gefährten kennen einen wichtigen NPC, der uns bei einer Nebenquest weiterhelfen kann. Winkend stehen die computergesteuerten Mitstreiter dann da und buhlen um unsere Aufmerksamkeit. Das führt zum einen zu Frust, und zum anderen bekommen wir den Eindruck, dass das Spiel bei aller vermeintlichen Freiheit dann doch einen gewissen Weg vorgeben möchte.

Harte Tür beim Maskenball

Etwa bei einer Hauptquest, die wir absolvieren müssen, um die Story voranzutreiben. Wir sollen an einem Maskenball teilnehmen, der in der herrschaftlichen Burg stattfindet, um wichtige Informationen zu sammeln. Dafür benötigen wir zunächst eine standesgemäße Garderobe, um unter den versammelten Adeligen nicht aufzufallen. Wie wir uns diesen feinen Zwirn beschaffen, bleibt uns überlassen. Hier gibt das Spiel, wie so oft, keinen Weg vor.

Nachdem wir uns die prächtigen Gewänder besorgt hatten, machten wir uns auf den Weg zur Burg – waren allerdings zu früh da. Also liefen wir auf dem Gelände herum und haben die Zeit totgeschlagen. Als es langsam dämmerte und der Abend anbrach, begaben wir uns zum Festsaal und freuten uns auf eine zünftige Maskerade. Doch statt auf wohlstandsverwahrloste Adelige zu treffen, fanden wir den Saal leer vor. Auf dem Weg nach draußen teilte uns eine Wache so nebenbei mit, dass heute kein Maskenball stattfinde.

Wir zogen unverrichteter Dinge ab. Die Lösung des Problems: Wir müssen in unserem Haus eine Rast bis zum nächsten Abend einlegen. Diesen expliziten Zwischenschritt braucht das Spiel, um den Maskenball vorzubereiten. Als wir uns danach wieder zur Burg begaben, war das Fest in vollem Gange und es konnte weitergehen mit der Hauptquest. „Dragon’s Dogma II“ suggeriert eine Freiheit, die sich bei näherer Betrachtung dann doch bisweilen als enges Korsett entpuppt.

Wer braucht schon mehrere Spielstände?

In der Laufbahngilde eines Gasthauses investieren wir Disziplinpunkte (oben rechts) in neue Fertigkeiten und rüsten diese aus. - © Capcom
In der Laufbahngilde eines Gasthauses investieren wir Disziplinpunkte (oben rechts) in neue Fertigkeiten und rüsten diese aus. (© Capcom)

In diese Kategorie fällt wohl auch die Entscheidung des Entwicklerteams, nur einen Spielstand zuzulassen. Wir können bei „Dragon’s Dogma II“ nur einen Charakter ins Feld führen. Und für diesen einen Charakter gibt es nur einen Spielstand – den jeweils aktuellen. Merken wir also, dass wir vor einer Stunde einen, aus unserer Sicht, fatalen Fehler begangen haben, so können wir diesen nicht wieder „gut“ machen. Würden wir gerne sehen, wie sich eine Entscheidung auf den weiteren Verlauf des Spiels auswirkt, dann haben wir dazu keine Möglichkeit. Das fühlt sich ganz anders an als in vergleichbaren Titeln und führt dazu, dass wir jede Entscheidung gut überlegen.

Gleichzeitig kann dieser eine Spielstand zu sehr viel Frust führen. Das Spiel speichert von Zeit zu Zeit automatisch, etwa, kurz vor einem Kampf. Es kann allerdings passieren, dass gespeichert wird, wenn der Kampf bereits begonnen hat. Uns ist das einmal passiert, allerdings hatten wir uns da schon mit einem Gegner angelegt, der für uns schlichtweg zu stark war. Nach der vierten Wiederbelebung konnten wir uns dieser Todesspirale nur entziehen, weil wir geflüchtet sind – ein höchst unbefriedigendes Gefühl.

Verwunderliche Mikrotransaktionen

Wirklich verwundert waren wir aber darüber, wie Entwickler Capcom noch mehr Geld aus einem Vollpreistitel für gut 65 Euro herausschlagen will: mithilfe von Mikrotransaktionen. Das alleine ist leider natürlich nicht mehr neu. Vielmehr verwundert uns, für was die Spielerinnen und Spieler Geld ausgeben können. Etwa für Kristalle, mit denen an den Riftsteinen besonders mächtige Vasallen beschworen werden können. Oder für Lazarussteine, mit denen wir uns wiederbeleben können. Beide Ressourcen gibt es wohlgemerkt auch so im Spiel – allerdings deutlich seltener. Für gut zwei Euro lässt sich zudem ein Item kaufen, mit dem wir unseren Charakter verändern können. Ein Feature, das es im Spiel eigentlich nicht gibt.

Das wirft durchaus Fragen nach dem Balancing des Spiels auf. Zumal Capcom eigentlich hätte wissen müssen, dass solche Mikrotransaktionen Teile der Community verärgern werden. Doch für den börsennotierten Spieleentwickler zählen erst einmal Zahlen. Und die sehen bei bislang 2,5 Millionen verkauften Einheiten des Spiels sicherlich nicht schlecht aus. Dieser stolzen Summe steht jedoch ein Review-Bombing auf Steam entgegen. Auf Valves Spieleplattform sind von den mehr als 57.000 Bewertungen gerade einmal 59 Prozent positiv. Am Releasetag überwogen gar die negativen Bewertungen. Das wird dem eigentlichen Spiel nicht gerecht.

Unser Fazit zu „Dragon’s Dogma II“

Ganz ehrlich: Wir hadern insgesamt mit „Dragon’s Dogma II“. Die weite, offene Spielwelt lädt zum Erkunden ein, das Vasallensystem funktioniert gut, das Kampfsystem läuft flüssig und die Handlung ist spannend.

Demgegenüber steht eine bisweilen lausige Wegfindung, wenige Gegnertypen, eine in Teilen unglaubwürdige Welt und ein bisweilen verdammt hoher Frustfaktor. Zudem stellt sich Capcom mit den völlig unnötigen Mikrotransaktionen selbst ein Bein. Genie und Wahnsinn liegen bei diesem Action-Rollenspiel nah beieinander.

Fans der Serie werden sicherlich Gefallen an dem neuen Teil finden. Alle anderen brauchen viel Geduld und eine hohe Frustrationstoleranz, um dem Spiel etwas abzugewinnen. Vielleicht.

„Dragon’s Dogma II“ ist erhältlich für PC, PlayStation 5 sowie die Xbox Series S/X und kostet rund 65 Euro. Wir haben die PC-Version auf Steam getestet.

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