Zwischen Lemgo und Detmold kracht es

Keine Zusammenarbeit mehr im B-Juniorinnen-Bereich

Oliver König

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Traurig über die Lemgoer Entscheidung: Detmolds Kreisvorsitzender Gottfried Dennebier, B-Juniorinnen-Pokalspielleiter Lutz Hergt, Detmolds Vorsitzender des Kreisjugendausschusses, Udo Wille, und das Mitglied des Paderborner Kreisjugendausschusses Christian Kröker (von links). - © Oliver König
Traurig über die Lemgoer Entscheidung: Detmolds Kreisvorsitzender Gottfried Dennebier, B-Juniorinnen-Pokalspielleiter Lutz Hergt, Detmolds Vorsitzender des Kreisjugendausschusses, Udo Wille, und das Mitglied des Paderborner Kreisjugendausschusses Christian Kröker (von links). (© Oliver König)
Lemgo hilft sich selbst: Agnes Soormann, Staffelleiterin der bisherigen, gemeinsamen B-Juniorinnen-Staffel. - © Oliver König
Lemgo hilft sich selbst: Agnes Soormann, Staffelleiterin der bisherigen, gemeinsamen B-Juniorinnen-Staffel. (© Oliver König)

Kreis Lippe. Zwischen den Jugendausschüssen der Fußball- und Leichtathletikkreise Detmold und Lemgo rumort es. So heftig, dass die Lemgoer ihrem Nachbarn die Zusammenarbeit im B-Juniorinnen-Bereich aufgekündigt haben.

Im vergangenen Spieljahr staute sich bei Staffelleiterin Agnes Soormann und ihren Mitstreitern im Lemgoer Kreisjugendausschuss (KJA) nach eigener Aussage einiges auf. Zwar hatte nach Information von Lemgos Fußball-Chef Werner Fritzensmeier bereits im vergangenen Jahr vor dem Staffeltag der B-Juniorinnen ein „Krisengespräch“ stattgefunden, doch geändert habe sich nichts. Zankapfel ist eine mangelnde oder gar fehlende Kommunikation.

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Paderborn statt Lemgo

Drei Jahre haben die beiden FuL-Kreise eine gemeinsame B-Juniorinnen-Staffel organisiert. Damit ist jetzt Schluss. Die Lemgoer gehen wieder ihren eigenen Weg und planen für die neue Saison mit zwölf Mannschaften. Zum Vergleich: Im vergangenen Spieljahr waren es insgesamt 18 Teams (zehn "Lemgoer", acht "Detmolder"). Der Detmolder Kreis hat sich mit dem Kreis Paderborn auf eine Zusammenarbeit verständigt.

Den Ausschlag für die Lemgoer Verantwortlichen, nun die Reißleine zu ziehen, habe die Terminierung des B9-Juniorinnen-Endspiels durch Pokalspielleiter Lutz Hergt (Detmold) für den 30. Mai in Heiligenkirchen gegeben. „Das“, so Soormann, „ist ohne Rücksprache geschehen“. Denn für diesen Tag – das sei sehr lange bekannt gewesen – war auch der C-Juniorinnen-Spieltag angesetzt, der in Turnierform in Alverdissen ausgetragen wurde. Eine Parallelveranstaltung habe man verhindern wollen.

„Ich habe keinen vernünftigen Grund gefunden, das Finale zu verlegen. Das ist eine andere Altersklasse. Außerdem war der Termin lange festgelegt und im Rahmenspielplan aufgenommen worden. Die C-Juniorinnen-Runde dagegen fehlte im Netz“, rechtfertigt Lutz Hergt die Terminierung. Dem stimmt sein KJA-Vorsitzender Udo Wille zu. Er meinte: „Keiner versteht, warum C- und B-Juniorinnen nicht parallel spielen können.“

Bereits Mitte Mai hatten Rolf Hollensteiner (Vorsitzender des KJA Lemgo) und Herbert Wallenstein (Koordinator Spielbetrieb Lemgo) den Detmolder KJA-Vorsitzenden jedoch darüber informiert, „die gemeinsame B-Juniorinnen-Staffel und die entsprechenden Pokalspiele mit Ablauf der Serie 2014/2015 nicht weiter fortführen“ zu wollen. In diesem Brief bemängeln die Lemgoer Funktionäre unter anderem die Zusammenarbeit sowie die mangelnde und teilweise nicht mehr zu akzeptierende Kommunikation mit dem Pokalspielleiter. „Mit mir nicht mehr“, fügt Agnes Soormann hinzu. Und Rolf Hollensteiner bestätigt: „Es gab Unstimmigkeiten. Meine Leute hätten das nicht mehr mitgemacht.“

Udo Wille hingegen schüttelt mit dem Kopf. Er sagt: „Als ich die Mail gelesen habe, dass die Zusammenarbeit beendet wird, war ich geschockt. Ich treffe mich quasi alle drei Monate mit Rolf Hollensteiner, und wir tauschen uns aus. Einen Hinweis auf einen derartigen Schritt hat es nicht gegeben.“ Mit einem „stimmt nicht“ reagierte Rolf Hollensteiner auf diese Aussage.

Wille berichtet hingegen, dass sein KJA im Juni 2014 selbst davon überrascht worden sei, dass in der Saison 2014/2015 drei Staffeln eingeteilt worden waren, obwohl es anders besprochen war. Gegen den Vorwurf aus dem „Lemgoer Lager“, Mails würden nicht beantwortet, wehrt sich Lutz Hergt: „Mails sind vermutlich an eine falsche Adresse verschickt worden. Übers offizielle Postfach wäre das kein Problem gewesen.“ Und in Sachen Pokalterminierung seien sehr wohl E-Mails „hin und her geschickt“ worden.

Der FuL-Kreis Detmold hätte die Zusammenarbeit gerne fortgeführt. Lutz Hergt meint denn auch: „Das war gewünscht, und wir hätten sie auch nie aufgekündigt.“ Aus Sicht von Rolf Hollensteiner habe sein KJA alles versucht, doch „wir sind zu keiner Einigung gekommen“. Er machte zudem deutlich: „Mit Udo Wille hat das nichts zu tun.“

Lemgos Kreisvorsitzender Werner Fritzensmeier machte klar, dass man „miteinander“ und nicht „übereinander“ sprechen müsse. Dabei stellte er die gute Zusammenerarbeit in der Frauen-Kreisliga heraus. Dem stimmten Udo Wille und Detmolds Kreisvorsitzender Gottfried Dennebier uneingeschränkt zu, dieser ergänzte: „Ich bin ganz traurig über diese Entscheidung, denn eigentlich sprechen wir gemeinsam über Vieles.“

Kommentar: Lippisches Armutszeugnis

von Oliver König
Was für ein Dilemma! Da sollen Funktionäre Vorbild sein und sind nicht in der Lage eine annehmbare Kommunikation an den Tag zu legen. Zumindest zwei Jahre hat die Zusammenarbeit im B-Juniorinnen-Bereich doch funktioniert - und die Vereine sind damit doch auch gut klar gekommen. Und nun?

Die Lemgoer scheren aus und machen wieder ihre eigene Sache, und die Detmolder tun sich mit Paderborn zusammen. Ich bin weit davon entfernt und es steht mir auch gar nicht zu, in diesem Fall einen Schuldigen an den Pranger zu stellen. Doch für beide Fußballkreise ist es ein Armutszeugnis, das eine Zusammenarbeit im unteren Mädchenfußballbereich auf einmal nicht mehr funktioniert.

Nein, ich möchte mir gar nicht ausmalen, wenn an irgendeiner Stelle das Thema "Lippischer Fußballkreis" auf den Tisch kommt. Die Stimmen und Meinungen aus beiden Lagern, klingeln mir schon jetzt in den Ohren. Aber: Die Zeit wird kommen, in der darüber - auch laut - nachgedacht werden muss. Spätestens dann müssen sich die lippischen Funktionäre aus Lemgo und Detmold zusammenraufen.

Deshalb: Machen Sie reinen Tisch. Diese Entscheidung muss eine Ausnahme bleiben. Und denken Sie daran: Sie betreuen fußballspielende Kinder- und Jugendliche, denen es egal ist, ob sie für TuS Asemissen beim TuS Eichholz-Remmighausen oder umgekehrt auflaufen.

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