Zwei Triathlon-Stars des TV Lemgo besuchen die Hansestadt

Engländerin Sian Rainsley und Australierin Natalie van Coevorden weilen seit Montag in Lemgo

Sebastian Lucas

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Starkes Team hinter den Athletinnen: Sian Rainsley und Natalie van Coevorden (vorne, von links) mit TV-Geschäftsführer Patrick Busse, Christoph Vieregge von der Sparkasse, TV-Teammanager Bernd Wollbrink und Klaus Rübesamen (Brasseler, von links). - © Sebastian Lucas
Starkes Team hinter den Athletinnen: Sian Rainsley und Natalie van Coevorden (vorne, von links) mit TV-Geschäftsführer Patrick Busse, Christoph Vieregge von der Sparkasse, TV-Teammanager Bernd Wollbrink und Klaus Rübesamen (Brasseler, von links). (© Sebastian Lucas)

Lemgo. Wenn Sportlerinnen sich messen, wirken sie schon mal verbissen. Ihre Haare sind dann zusammengebunden. So ist es auch bei der Engländerin Sian Rainsley (19) und der Australierin Natalie van Coevorden (23), die seit Montag in Lemgo weilen und für die TV-Triathlon-Bundesliga-Mannschaft starten. Eine andere Seite zeigten sie gestern.

Bei einem Pressegespräch im Fitnessstudio TeVita trugen sie die Haare offen und gaben sich auch so. Natalie van Coevorden, die zu den Besten der Welt gehört, bestellt sich einen Cappuccino, ihre Sonnenbrille ist auf ihren Kopf gesteckt. Immer wieder strahlt die aus Campbelltown, einer 150.000 Einwohner großen Stadt am Rande Sydneys, stammende Athletin. "Lemgo ist eine tolle Stadt, zudem perfekt zum trainieren", schildert Natalie van Coevorden in gut verständlichem Englisch ihren ersten Eindruck. Deutsch spricht sie trotz eines Vaters aus der Bundesrepublik nicht: "Bis zehn kann ich zählen, das ist von der Schule hängen geblieben."

Information
Emma Pallant war 2014 da

Zum zweiten Mal nach 2014 haben internationale Top-Triathletinnen "ihren" TV Lemgo besucht. Im November 2014 gewann Emma Pallant (heute 27) einen Eindruck von der Hansestadt. Mit eigenen Einheiten, Training mit dem Nachwuchs und Sponsoren-Mitarbeitern sowie Gesprächen mit Partnern und Vereinsverantwortlichen ist das Programm an den zwei Tagen für die Engländerin straff gewesen. Im Oktober 2015 wurde Pallant in Adelaide (Australien) Duathlon-Weltmeisterin, im Juni 2016 verteidigte sie in Spanien den Titel erfolgreich. Die Britin startet weiter für Lemgo.

Der Sport bestimmt ihr Leben. "30 bis 35 Stunden" trainiert die Profisportlerin in der Woche: "Ich betreibe Triathlon mit Leidenschaft, wollte nie etwas anderes machen." Über das Schwimmen kam die Australierin zum Dreikampf, auch im Laufen war sie "nicht schlecht". Nach dem siebten WM-Lauf der Welt-Serie am Wochenende in Hamburg, an der die stärksten 60 des Kontinents teilnehmen, war van Coevorden auf eigenen Wunsch ins Lipperland gekommen: "Ich will Lemgo und die Leute kennen lernen."

Bernd Wollbrink, Teammanager des TV Lemgo, freut sich riesig über den Besuch: "Die Chance, Athletinnen in Lemgo zu präsentieren, besteht leider nicht so oft. Die Mädels sind mit ihren Trainingsgruppen und zu nationalen und internationalen Rennen sehr viel unterwegs. Es fehlt die Zeit." Finanziell sind die Sportlerinnen nicht auf Rosen gebettet. "Es gibt schon mal schwierige Zeiten, aber die gibt es doch auch in anderen Bereichen", sagt van Coevorden. Wollbrink kleidet es in andere Worte: "Viele Athleten leben von der Hand in den Mund. Sie lieben ihren Sport eben." Beim TV Lemgo sei "ein Taschengeld" zu verdienen. Der Saisonetat der Lemgoer liegt laut des Teammanagers knapp über 10.000 Euro.

Ein großes Ziel sind stets die Olympischen Spiele. Wollbrink hatte Natalie van Coevorden im Januar sogar den Sprung nach Rio zugetraut: "Da befand sie sich in Topform. Eine Verletzung warf sie dann wieder zurück." Die Sportlerin nimmt es locker: "Erfahrung spielt eine wichtige Rolle, in vier Jahren bin ich wieder weiter." Van Coe?vorden, die bei Top-Coach Jamie Turner trainiert, gehört laut eigener Aussage zu den besten Sechs von Australien, drei dürfen in Kürze nach Brasilien.

Ausschlaggebend sind oft Kleinigkeiten. Während van Coevorden vor drei Wochen im selben Feld in Stockholm noch auf Rang 15 gelandet war, musste sie sich in Hamburg nun mit Platz 48 begnügen. Neben dem harten Training - Teamkollegen bereiten sich auf Olympia vor - hatte ein verlorenes Fahrrad auf dem Weg von Bilbao nach Hamburg die Vorbereitung gestört.

Als Nachwuchshoffnung gilt Sian Rainsley, die im britischen Triathlon in Leeds trainiert und parallel studiert. "Das ist manchmal schon hart", gesteht die 19-Jährige, die auf 20 Stunden Training in der Woche kommt: "Das Studium stoppt dich davor, zu viel zu machen." Während des Gesprächs nippt sie an ihrem selbst mitgebrachten Wasser.

In den Neckar springen beide am Sonntag gemeinsam beim Saisonfinale. "Die Deutsche Meisterschaft wäre cool", sagen sie unisono. Die Lockerheit vom Pressegespräch könnte ihnen helfen.

Titelchance für Lemgo: Träumen vor dem Finale ist erlaubt

Seit 2011 startet der TV Lemgo mit dem Frauen᠆team in der Triathlon-Bundesliga. Sechster, Dritter, Erster waren die Platzierungen in der Zweitklassigkeit, Dritter und Zweiter dann zuletzt in der Eliteliga. Und 2016? Vor dem letzten Wettkampf am Sonntag liegt das Komet-Team an Position zwei. Träumen vom ersten Titelgewinn ist erlaubt.

Vor dem Sprung in den Neckar in Tübingen führt das Team Buschhütten mit nur einem Punkt Vorsprung die Liga an. „Buschhütten ist der FC Bayern München im Triathlon – bei den Frauen und den Männern", sagt TV-Teammanager Bernd Wollbrink. Die Lemgoer rangieren direkt hinter dem Dauer-Champion und liegen vor dem TV Erlangen. Im „Ländle" haben die Lemgoer Damen aber „eine minimale Chance", so Wollbrink, die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft erstmals nach Lippe zu holen: „Die Truppe aus dem Siegerland bleibt klarer Titelfavorit.

Die Triathlon-Stars aus der Welt-Triathlon-Serie, Jodie Stimpson (Großbritannien, Weltranglisten-Dritte), Hanna Philippin, Rebecca Robisch (beide deutsche Nationalmannschaft) und die Französin Julie Nivoix, werden sich Tabellenplatz eins nicht nehmen lassen." Zum Titelgewinn benötigt das junge Lemgoer Team den Tagessieg. Dieser scheint aufgrund der starken Konkurrenz kaum realistisch.

Die Australierinnen Natalie van Coevorden und Emma Jeffcoat, Anna Schmidt und Sian Rainsley aus England sollen dem TV Lemgo in Tübingen deshalb vorrangig den Podiumplatz sichern, denn auch von hinten droht Gefahr. Erlangen hat Deutschlands einzige Olympiastarterin Anne Haug gemeldet. Mit der deutschen Vizemeisterin Anabell Knoll und Sophia Saller aus der Nationalmannschaft greift der TV Erlangen in den Kampf um die Vize-Meisterschaft ein.

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