Lemgo. Wo lässt sich am besten eine Arbeitstagung mit mehr als 36 Vereinsvertretern abhalten? In der Werkstatt der Stiftung Eben-Ezer feilte der Fußballausschuss des FLVW-Kreises Lemgo fleißig an neuen Modalitäten und hobelte am Unterbau. Aus der A-B-B-C-C-„Stotter-Struktur“ wird zur Saison 2026/2027 ein A-B-C-C-Ligentableau. Am Donnerstagnachmittag kam im Nachgang dann noch ein Hammer zum Einsatz. Der SV Wüsten und TBV Lemgo II, die vergangenen Sonntag bereits den Klassenerhalt feierten, sind vor dem letzten Spieltag plötzlich wieder in der Abstiegsverlosung. Die Hintergründe: Bernhard Brandt, Vorsitzender des Kreis-Fußballausschusses und Staffelleiter der A-Liga, prüfte am Donnerstag eine Eingabe des TSV Kirchheide, der bei der 1:5-Niederlage gegen TBV Lemgo II die Spielberechtigung von Niklas Haupt anzweifelte (die LZ berichtete). Brandt: „Der Einsatz von Haupt war okay. Doch zwei andere Lemgoer Spieler waren nicht einsatzberechtigt. Pro Spieltag dürfen vier Spieler von der Ersten in die Reserve runtergezogen werden. Doch Lemgo hatte nicht beachtet, dass von diesen vier Spielern zwei Akteure zwingend U23 sein müssen.“ Durch diesen Regelverstoß erhält Kirchheide die drei Punkte – und der finale A-Liga-Spieltag am kommenden Sonntag eine große Brisanz. Mit SV Wüsten, TBV Lemgo II, TSV Kirchheide, TuS Helpup und TSV Schötmar spielen gleich fünf Teams den dritten Absteiger hinter TSG Holzhausen/Sylbach und SG Lüerdissen/Entrup I (zogen vorm ersten Spieltag zurück) aus. Bei Punktgleichheit würde am kommenden Montag, 16 Juni, um 19 Uhr über eine Entscheidungsrunde beraten. Der Status Quo in den anderen Ligen: Die meisten Entscheidungen sind bereits gefallen. Während der TuS Asemissen und der SV Werl-Aspe aus dem Bezirk zurückkommen, ist dem TuS Leopoldshöhe A-Liga-Meisterschaft und Aufstieg nicht mehr zu nehmen. Aus den B-Ligen rücken Eintracht Lemgo und die SG Lüerdissen/Entrup II hoch. Bei den Ilse-Kickern sei „offen, ob sie das Aufstiegsrecht wahrnehmen“, so Emmerich. In der B-Liga, Gruppe 1, gehen TuS Almena und SG Sonneborn/Alverdissen II runter. „Eine Sondersituation gibt es in der Gruppe 2, wo Leopoldshöhe II eigentlich in die Relegation müsste“, lenkte Bernhard Brandt über auf die Situation beim SV Wüsten III, wo sich alle Spieler abmelden und einen eigenen, neuen Verein aufmachen. Dieser FC Bad Salzuflen, mit dem Wunsch-Spielort Lohfeld, muss in der C-Liga neu starten. Sofern der SV Wüsten, wie Rainer Sturhahn ankündigte, seine Dritte nach dem letzten Spiel am Sonntag, bis 23.59 Uhr, abmeldet, wäre ein Entscheidungsspiel obsolet und Leopoldshöhe II hielte die Klasse. Ansonsten erlebten Staffelleiter und Spruchkammer eine ruhige und faire Saison mit wenigen Spielausfällen. Friedel Schafmeister berichtete von 24 Sportgerichtsverfahren, aber nur einer öffentlichen Verhandlung. So läuft die B-Liga-Reform: Das spannendste Thema war die bereits seit Jahren diskutierte Verschlankung der Kreisliga B. Neun Jahre nach dem FLVW-Kreis Detmold zieht Lemgo nun nach und reduziert ab der übernächsten Saison auf eine B-Liga-Staffel. Um die konkreten Modalitäten kümmerte sich eine Arbeitsgruppe, in die sich Vertreter aus Bexterhagen, Asemissen, Werl-Aspe und Lipperreihe einbrachten. Drei Varianten wurden diskutiert. Die Entscheidung fiel auf ein Modell mit einem vermehrten Abstieg in der Saison 2025/2026. Von den 25 Teams, aufgeteilt in eine 12er- und eine 13er-Staffel, steigen insgesamt acht Mannschaften in die C-Liga ab. In der Folgesaison 2026/2027 wird dann in einer eingleisigen Staffel übergangsweise mit 18 Teams gespielt. Die ersten beiden steigen ins Kreisoberhaus auf und vier Mannschaften in die C-Liga ab. In der Saison 2027/2028 wird dann die künftige Standardgröße von 16 B-Ligisten (zwei Aufsteiger, zwei Absteiger) erreicht. Frank Schwier brachte zudem Überlegungen zu einer D-Liga, ähnlich wie in Minden, auf. Durch die vermehrten Abstiege würde die Zahl der „Klatschen“ in den C-Ligen steigen. Schwier: „Ich bin sicher, dass einige C-Ligisten das Level nicht mitgehen werden und die Lust verlieren könnten.“ Thomas Emmerich gab zu, dass die Umstrukturierung „keine Hurra-Schreie hervorbringt“, versprach aber, die Situation im Auge zu behalten. Tendenziell sei die Zahl der C-Ligisten rückläufig. Die Eckdaten der neuen Saison: Kritik an vorgeschobenen Pokalrunden hat sich Bernhard Brandt zu Herzen genommen. Am 7. August wird nur die Quali-Runde im Kreispokal vor der Saisoneröffnung am 9. August ausgetragen. Nach dem 16. November geht es in die Winterpause und als letzter Spieltag ist der 7. Juni 2026 terminiert. Das Kreispokalfinale soll vor Himmelfahrt, am 13. Mai, vermutlich auf neutralem Platz stattfinden.