Kreis Lippe. Neue Saison, neue Knipser. Nach sechs Spieltagen in den Fußball-Bezirksligen tauchen an der Spitze der Torjägerliste frische Namen auf. Wie Tjark Thore Höftmann vom TBV Lemgo, der beim 8:1 über Suryoye Paderborn fünf Treffer erzielte. Herausragend ist auch die Ausbeute des neuen Sturm-Duos Lehbrink/Wennemann, das zusammen 16 von 19 Toren für den TuS Ahmsen erzielte. Blickpunkt TBV Lemgo Auch wenn er in den ersten Partien noch einige Chancen liegenließ, war früh zu erkennen, dass Tjark Thore Höftmann ein echter Unterschiedsspieler ist. Nach sechs Einsätzen steht er bei zwölf Toren, wobei er seine vier Treffer vom 6:3 in Jerxen-Orbke am vergangenen Sonntag sogar noch um ein Tor toppte. Mit der Verpflichtung des 21-jährigen Top-Stürmers ist den TBV-Offiziellen ein echter Coup gelungen. Nachdem Louis Hagemann im vergangenen Winter frühzeitig seinen Wechsel zu Eintracht Lemgo angekündigt hatte, sah sich der TBV zum Handeln gezwungen. „Wir wollen unseren eigenen Leuten die Chance geben, gemeinsam zu wachsen und etwas aufzubauen. Deshalb war klar, dass wir nur jemanden holen, wenn einer geht“, berichtet Marko König, der in die Personalien am Bruchweg involviert ist. Beim Scouting stieß man schnell auf den Namen Höftmann, der in den vergangenen drei Jahren an der Poststraße beim SC Verl spielte. Unter Trainer Przemek Czapp feierte er die Meisterschaft in der Westfalenliga und schaffte in seiner dritten Saison beim SC Verl II auch den Klassenerhalt in der Oberliga. Ein Werdegang, der nicht nach TBV Lemgo klingt. „Unser Glück war, dass ihm in Verl geraten wurde, statt voll auf Fußball zu setzen, doch erstmal im Leben anzukommen“, spricht König von einem „glücklichen Zufall“. Bei der Sparkasse Lemgo ergab sich die Möglichkeit einer Ausbildung zum Bankkaufmann, die Höftmann flugs annahm. Unter seinen Trainern Andreas Wiens und Yusuf Tumani kann sich der vor der Saison auch vom Post-TSV Detmold umworbene Angreifer nun voll entfalten. Schließlich kennt er zahlreiche Mitspieler noch aus gemeinsamen Zeiten im Jugendförderverein (JFV). Aus der A-Jugend verabschiedete er sich im Mai 2022 mit 35 Saisontoren Richtung Verl. „Die Eingewöhnung für Tjark ist jetzt kurz“, sagt Marko König und verweist auf Jasper Süllwold, Selim Blagajcevic, Leon Kienast, Lasse Siekmeier oder Pascal Neifer, die ihn bereits in den JFV-A- und B-Jugendteams zugearbeitet haben. Apropos Torjägerliste: In der Staffel 3 steht Tjark Thore Höftmann mitnichten auf Rang eins. Der bislang beste Bomber spielt beim SV Dringenberg. Pascal Knoke war in den vergangenen Jahren die eingebaute Torgarantie beim FC Peckelsheim-Eissen-Löwen und wechselte im Sommer ins Burgstadion nach Bad Driburg. Aktuell steht der 29-jährige Knoke bei 14 Treffern. Blickpunkt TuS Ahmsen Mit einem nahezu komplett runderneuertem Team ist der TuS Ahmsen als einzige lippische Mannschaft in der Staffel 1 unterwegs. Wo in den vergangenen Jahren die Seifert-Zwillinge sowie der nach Lohe gewechselte Peywan Yüsün sich nun ein gänzliches neue Duo in der Spitze herauskristallisiert. Der nach zwei Jahren vom Post-TSV Detmold zurückgekehrte Niclas Lehbrink (9 Treffer) und der vom TuS Asemissen gekommene Stephan-Maurice Wennemann (7 Tore) harmonieren bislang prächtig. „Im Angriff haben wir richtige Volltreffer gelandet“, freut sich Fußball-Obmann Lothar Köhnemann, der die Spielanlage von Trainer Sebastian Klaßes als „sehr gut“ empfindet. Mit einer Einschränkung: „Hinten sind wir aktuell die Schießbude der Liga. Teilweise brechen wir innerhalb von 10 bis 15 Minuten auseinander. Den Schlendrian in der Abwehr müssen wir schnell abstellen“, fordert Köhnemann. Dabei ist den Ahmsern mit Hannes Stegen noch ein weiterer Glücksgriff gelungen. Durch den Rückzug des SC Vlotho war plötzlich deren Spielertrainer frei – und wechselte in die Werrekampfbahn. Das Zusammenspiel zwischen Klaßes und Stegen passe perfekt. „Da gibts keinerlei Stress“, sagt Köhnemann. Durch die neue Ausrichtung ist Jörn Seifert aus der vordersten Linie auf die Zehner-Position gerückt. Auch der beruflich stark eingebundene Sören Seifert ist weiter an Bord. Sebastian Klaßes, der zwar noch immer an der Linie im Trikot coacht, musste im Gegensatz zur Vorsaison jedenfalls noch kein einziges Mal die Schuhe schnüren. Und wie schätzen die Ahmser die neue Staffel ein? „Sehr ausgeglichen“, sagt Köhnemann. „In der 1 gibts nicht so ein Gefälle wie in Bielefeld, wo die unteren acht Mannschaften eher Kanonenfutter sind. Jedes Spiel ist eng auf knapp.“ Blickpunkt FC Fortuna Schlangen Torjägerambitionen haben für Amaru Murrell Franz und Henri Künsting aktuell nicht die größte Priorität. Die beiden Nachwuchsspieler der Fortuna schafften in diesem Sommer den Sprung an renommierte US-College-Programme und erfüllen sich damit einen Fußballtraum. Amaru Murrell Franz hat in den vergangenen fünf Jahren als Leistungsträger in den Schlänger Nachwuchsteams Spuren hinterlassen. Er war maßgeblich an den Pokalsiegen in der C-, B- und A-Jugend beteiligt und spielte eine entscheidende Rolle bei den Aufstiegen in die Bezirksliga. Dank der Unterstützung seines Trainers Eugen Schlej (inzwischen Trainer der Stammelf von Fortuna), der seine Kontakte einbrachte, konnte Franz nun ein College in Colorado von sich überzeugen. Auf ganz eigenem Weg hat auch Henri Künsting seinen Traum verwirklicht. Über eine Agentur durchlief er ein einjähriges Bewerbungsverfahren, das in einem Training in Düsseldorf seinen Höhepunkt fand. Dort präsentierte er sich beim Vorspielen, das über eine Live-Schaltung mehr als 20 College-Trainer in den USA verfolgten. Mit Erfolg: Künsting erhielt ein Vollstipendium am College in Maryland. Henri Künstig trug seit 2011 das Fortuna-Trikot, gemeinsam mit seinem besten Freund Mika Schlüter, mit dem er die Jugendmannschaften des Vereins durchlaufen hat. Bereits in der D-Jugend wagte er für zwei Jahre den Sprung zum SC Paderborn, bevor er nach Schlangen zurückkehrte und sich daheim weiterentwickelte.