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Olympische Winterspiele

Rodler Loch greift noch mal an: «Stand jetzt geht alles auf»

Rodler Felix Loch holt in Oberhof seinen vierten Saisonsieg. © Robert Michael/dpa

Auf die Frage, welche Schlagzeile er nach den olympischen Einzelrennen über sich selbst lesen möchte, antwortet Felix Loch sofort: «Dass ich mit einer Medaille da stehe, das ist einfach ganz klar das Ziel. Ich habe viel investiert, nicht nur was das Training angeht, sondern alles, damit ich erfolgreich sein kann.»

Das Gesamtpaket beim dreimaligen Rodel-Olympiasieger stimmt. «Stand jetzt geht alles auf. Trainingstechnisch, fahrerisch und materialtechnisch passt es auch, auch wenn wir abwarten müssen, wie die Bahn jetzt in Cortina stehen wird», sagte der gebürtige Thüringer aus Sonneberg, der als Kind mit Papa Norbert und Familie 1992 ins Berchtesgadener Land umzog, der Deutschen Presse-Agentur.

Gefühl auf dem Schlitten ist zurück

Rodler Felix Loch holt in Oberhof seinen vierten Saisonsieg. - © Robert Michael/dpa
Rodler Felix Loch holt in Oberhof seinen vierten Saisonsieg. (© Robert Michael/dpa)

Besonders beängstigend für die Konkurrenz ist, dass der 36-Jährige sein Gefühl auf dem Schlitten zurück hat. «Ich bin schon lange nicht mehr so gut gefahren wie jetzt in diesem Moment. Ein gutes Gefühl hatte ich auch zuletzt, es geht aber immer noch besser. So ist es jetzt gerade», sagte der Polizeihauptmeister in Oberhof, wo seine einzigartige Karriere 2008 mit seinem ersten WM-Titel begann.

Rodler Felix Loch holt in Oberhof seinen vierten Saisonsieg. - © Robert Michael/dpa
Rodler Felix Loch holt in Oberhof seinen vierten Saisonsieg. (© Robert Michael/dpa)

Da war er gerade mal 18 Jahre alt. Und 18 Jahre später ist er immer noch absolute Weltklasse. Der 1,91 Meter große Athlet wirkt mit seinen 95 Kilogramm komplett austrainiert. Sein Händedruck ist fest, Loch weiß genau, was er will.

«Es ist ein Wahnsinn, er ist ein Phänomen. Er hat nie aufgegeben, hat alle Facetten des Sports mit Höhen und Niederlagen durch», sagte Cheftrainer Patric Leitner.

Im Gesamtweltcup nun vor Kumpel Müller

Am Freitag holte Loch in Oberhof seinen vierten Saisonsieg, mit seinem insgesamt 56. Weltcup-Sieg übernahm er zudem die Führung im Gesamtweltcup von Jonas Müller, der in der Vorwoche gewann. Es ist auch ein Duell unter Kumpeln. «Wir sind sehr, sehr gut befreundet. Wir verstehen uns super, gönnen es uns gegenseitig. Der Jonas ist ein Supertyp. Ihn musst du bei Olympia voll auf der Rechnung haben», sagte Loch.

Aber auch der Italiener Dominik Fischnaller «werde ein gewaltiges Wörtchen mitreden, auch wenn er den meisten Druck mit haben wird». Zudem hat Loch den Letten Kristers Aparjods und Weltmeister Max Langenhan auf dem Zettel. «Wir können am Ende nur beide profitieren, denn wir können uns im Training vergleichen. Du brauchst da keine Quervergleiche mit anderen herziehen», sagte Loch über Langenhan.

Loch kennt sein Schlitten-Set-up für Cortina schon

Während die Konkurrenz testet und tüftelt, weiß Routinier Loch schon, wie sein Schlitten-Set-up auf der Olympia-Bahn in Cortina d'Ampezzo funktioniert. «Ich bin mir sehr, sehr sicher, was ich dort fahren will. Es ist wichtig, dass du das alles im Kopf schon sortiert hast. Natürlich immer mit Plan B oder C», sagte der sechsmalige Einzel-Weltmeister.

Bei Olympia wird es ein Familientreffen geben. «Es freut mich, dass meine Frau Lisa und die Jungs dabei sind, da sie in einem coolen Alter sind, wo sie das Erlebnis auch voll mitnehmen können», sagte Loch über seine Söhne Lorenz (9 Jahre) und Ludwig (7). Auch Papa Norbert ist nach seinem Abschied als Cheftrainer wieder dabei. Nur in neuer Rolle.

«Es war so, dass die Mannschaft für dieses Jahr jemand an der Bahn brauchte, der weiß, wies es läuft. Es war die einzige Option, auch für das ganze Team», sagte Felix Loch. Für ihn selbst bringe es nur Vorteile: «Er weiß genau, wann es mir gut geht, was ich brauche, um schnell runterzufahren. Es tut mir gut, aber auch für die ganze Mannschaft ist es sehr wichtig.» Bei den Spielen 2018 in Pyeongchang, als Felix Loch nach dem Patzer in Kurve neun von Rang eins auf Rang fünf zurückfiel, musste sein Vater ihn als damaliger Cheftrainer trösten.

Verhältnis zu Hackl-Schorsch mittlerweile wieder normal

Zu seinem Vorbild Georg «Schorsch» Hackl ist das Verhältnis wieder normal. «Man sieht sich im Winter fast täglich an den verschiedensten Bahnen der Welt», meinte Loch und gab ein wenig Einblick ins Seelenleben, als Hackl 2022 zu den Österreichern wechselte. «Die ersten zwei Jahre waren ein bisschen, eisig ist verkehrt, ein bisschen weniger, ist ja verständlich», sagte Loch und rang um Worte.

Mittlerweile trinkt man zusammen ein Bier, wenn man im selben Hotel ist. «Wir waren zu lange erfolgreich unterwegs, der Schorsch kennt mich, da war ich vier oder fünf Jahre, ein Leben lang, es ist anders wie vorher, denn am Ende ist es doch die Konkurrenz, zumindest bis Ende dieser Saison.» Hackl (59) hat angekündigt, sein Amt als Trainer dann niederzulegen.

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