Steaks aus dem 3D-Drucker vielleicht schon nächstes Jahr auf dem Markt

Lieselotte Hasselhoff

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Für die Erzeugung von Laborfleisch werden tierische Stammzellen in einer Nährlösung im Labor vermehrt. - © picture alliance/dpa
Für die Erzeugung von Laborfleisch werden tierische Stammzellen in einer Nährlösung im Labor vermehrt. (© picture alliance/dpa)

Bielefeld. Spätestens seit dem Corona-Ausbruch bei Tönnies ist die deutsche Fleischindustrie wieder im Fokus der Kritik. Ein neuer Markt besteht schon seit einigen Jahren im Verkauf von Fleischersatzprodukten, wie Veggie-Burgerpatties oder veganen Würstchen. Häufig sind sogar traditionell fleischverarbeitende Unternehmer die Hersteller. Doch es gibt auch Unternehmen, die sich speziell auf pflanzliche Fleisch-Imitate oder gar die Erzeugung von echtem Fleisch im Labor verlegt haben.

"Redefine Meat" ist eine dieser Firmen, wie die österreichische Zeitung Der Standard berichtet. Das Startup aus Israel hat dafür ein eigenes 3D-Druckverfahren entwickelt. Dabei werden schichtweise Fleisch-Ersatz und Fettadern aufgetragen, mit dem Ziel, die Struktur eines Rindersteaks nachzuempfinden. Die Zutaten: Erbsen- und Sojaeiweiß, Fett aus Kokosnüssen und Sonnenblumen sowie eine Reihe weiterer nicht näher genannter pflanzlicher Zutaten.

Zwischen drei und sechs Kilo an Fake-Fleisch pro Stunde könne der 3D-Drucker erzeugen, berichtet der Standard. Ziel sei es, dass sich Kaugefühl und Geschmack von realem Fleisch kaum unterscheiden lassen. Noch in diesem Jahr will Redefine Meat seine ersten pflanzlichen Steaks an vegane Restaurants in Israel vermarkten. 2021 soll das Produkt dann in Europa landen.

Fortschritte auch bei Laborfleisch

Laut dem Unternehmen ist der ökologische Fußabdruck seiner pflanzlichen Steaks um 95 Prozent geringer als der tierischen Fleischs. "Es enhält kein Cholesterin und ist günstiger", heißt es zudem auf der offiziellen Website des Unternehmens. Eine Vision: Die Steaks könnten vielleicht zukünftig direkt im Supermarkt gedruckt werden.

Doch auch beim "richtigen" Fleisch gibt es neue Ansätze. Die Erzeugung von "Clean Meat" - also eine ethisch und ökologisch vertretbare Erzeugung von Fleischprodukten - macht angeblich große Fortschritte.

Ein Burger-Patty für 250.000 Euro

Im Labor werden beispielsweise Muskelzellen von Tieren in einer Nährlösung vermehrt. Bereits im Jahr 2013 gelang es Forschern der Universität Maastricht in den Niederlanden einen Hamburger mit einem Patty aus In-Vitro-Fleisch (im Labor kultiviertes Fleisch) zu erzeugen. Kostenpunkt: 250.000 Euro.

Ausgehend von diesem ersten Erfolg gründete sich die Firma "Mosa Meat" - mit dem langfristigen Ziel Laborfleisch zu vermarkten und für jedermann erschwinglich zu machen. Laut der Internetseite des Unternehmens gelang es bereits in den vergangenen Jahren, den Endpreis für das Laborfleisch deutlich zu senken.

Im vergangenen Jahr soll laut Standard eine Unternehmenssprecherin angekündigt haben, noch im Jahr 2021 Labor-Fleisch-Hamburger zu einem Preis von neun Euro anbieten zu wollen. Auf der Website von Mosa Meat heißt es: "Wir konzentrieren uns jetzt darauf, den Produktionsprozess zu vergrößern und unsere ersten Produkte in den nächsten drei bis vier Jahren auf den Markt zu bringen."

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