Papst Franziskus warnt vor Populisten

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Papst Franziskus - © Foto: Andreas Solaro/AFP POOL/AP/dpa
Papst Franziskus während seines Besuchs in Athen. (© Foto: Andreas Solaro/AFP POOL/AP/dpa)

Athen - Am Geburtsort der Demokratie hat Papst Franziskus vor Populisten und diktatorischen Tendenzen gewarnt und die Menschen zu mehr Teilhabe an der Politik ermuntert.

Am dritten Tag seiner Reise im östlichen Mittelmeer landete das Oberhaupt der katholischen Kirche am Samstag in Athen. Dort erinnerte Franziskus an die zentrale Rolle der Griechen in der Geschichte: «Hier wurde die Demokratie geboren.»

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Kirchenoberhaupt in Sorge

Doch diese sei rund zweieinhalb Jahrtausende später einmal mehr in Gefahr. Man könne «nur mit Sorge feststellen, dass nicht nur auf dem europäischen Kontinent ein Rückschritt an Demokratie zu verzeichnen ist». Demokratie gebe es aber nicht umsonst, sie verlange Anstrengung und Geduld, sagte der Argentinier. «Sie ist komplex, wohingegen der Autoritarismus vorschnell handelt und die einfachen Beschwichtigungen des Populismus verlockend erscheinen.»

Eine technologisierte und immer enger vernetzte Welt sei gefordert, aktiv nach guter Politik zu streben. Es sei «ein Wechsel der Gangart notwendig», meinte Franziskus, denn «verstärkt durch die virtuelle Kommunikation» würden Ängste verbreitet und Theorien gestreut, durch die Menschen nicht mit- sondern gegeneinander aufträten. Es gehe nicht darum, auf sich zu schauen, sondern das Gemeinwohl vorzuziehen. «Von der Parteinahme zur Partizipation», nannte dies der Papst.

Die Griechen hätten es vorgemacht. «Aus der Wiege wurde Jahrtausende später ein Haus, ein großes Haus demokratischer Völker: Ich beziehe mich auf die Europäische Union und auf den Traum von Frieden und Geschwisterlichkeit, den sie für viele Völker darstellt.»

Franziskus unterstrich in seiner Rede, die gespickt war mit Verweisen auf die klassischen Autoren, Denker und Gelehrten der Antike wie Homer, Aristoteles oder Hippokrates: «Ohne Athen und Griechenland wären Europa und die Welt nicht das, was sie sind. Sie wären weniger weise und weniger glücklich.»

Der Papst war am Morgen aus Zypern angereist, wo er am Vorabend eine bemerkenswerte und intensive Rede über die Folgen und Auswüchse der Migrationskrisen gehalten hatte. Auch in Griechenland wird das Flüchtlingsthema wieder im Fokus stehen, wenn der Papst am Sonntag für einen Kurzbesuch nach Lesbos fliegt. Dort wird er Migranten treffen; für eine Stunde Aufenthalt in dem vorläufigen Lager nimmt der 84-Jährige eine reine Reisezeit von viereinhalb Stunden auf sich. Das berüchtigte Lager Moria, wo Franziskus 2016 war, brannte 2020 ab.

Auch bei einem Treffen mit dem orthodoxen Erzbischof von Athen, Hieronymos II., war die Migrationskrise am Samstagabend ein Thema. Der Papst ermutigte Katholiken und Orthodoxe, sich künftig noch weiter anzunähern und gemeinsam für den Frieden zu arbeiten.

Zugleich erneuerte er die Bitte um Entschuldigung für die Verbrechen der Katholiken an den Orthodoxen in der Vergangenheit. «Die Geschichte hat ihr eigenes Gewicht, und ich habe heute das Bedürfnis, Gott und meine Brüder und Schwestern erneut um Vergebung zu bitten für die Fehler, die so viele Katholiken begangen haben.»

Darunter verstehen die Orthodoxen den vierten Kreuzzug 1204, bei dem Katholiken gen Jerusalem zogen und dabei das byzantinische Reich schwächten. Dieses wurde zurückgedrängt und erlangte nie wieder seine alte Stärke. Vor 20 Jahren hatte erstmals Johannes Paul II. beim Erzbischof von Athen unter Verweis auf 1204 um Vergebung gebeten.

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