Heidi Klum hat es geschafft. Das Mädchen aus Bergisch Gladbach gewann Anfang der 90er Jahre einen Modelwettbewerb im Fernsehen. Danach startete sie international durch, modelte unter anderem für Victorias Secret. Seit 2006 haben junge Mädchen in Deutschland die Chance, das Fundament für eine solche Karriere zu legen – bei Germanys Next Topmodel (GNTM).
Die Show beim Privatsender ProSieben baut auf Erniedrigung und Bloßstellung der Teilnehmerinnen auf, die einen großen Traum haben. Nach 18 Staffeln ist aus der Sendung immer noch kein wirkliches Topmodel hervorgegangen. Dennoch läuft sie weiter und geht scheinbar mit der Zeit. Zirkusdompteurin Klum hat sich seit einigen Jahren das Thema Diversität auf die Fahne geschrieben.
Egal welche Figur, welches Alter und in welchem Körper man geboren wurde – bei GNTM sind inzwischen alle willkommen. In der neuen Staffel ist auch das Geschlecht egal. In Österreich ist das bereits seit Jahren der Fall. Beim Privatsender Puls4 sind auch Männer Teil von Austrians Next Topmodel. Es spiele keine Rolle, „welchem Geschlecht sich die Bewerber:innen zugehörig fühlen“, kündigte ProSieben jetzt an. Die einzige Voraussetzung sei, dass man mindestens 18 Jahre alt ist.
Es gilt: Sex sells
Hinter der erwartbaren Entscheidung dürften Kalkül und die Verzweiflung der Produzenten stecken. Einfacher "Zickenkrieg" unter den Models reicht dem durchschnittlichen Zuschauer anscheinend nicht mehr aus: Die Quoten sanken zuletzt deutlich. Wenn nun Frauen und Männer über Tage auf engstem Raum zusammen in einer Modelvilla hocken, birgt das ganz neue Möglichkeiten – Sex sells. Die zahlreichen Dating-Shows machen vor, wie es geht.
Unter dem Deckmantel der Diversität und Offenheit ist und bleibt die Castingshow allerdings vor allem ein menschenverachtendes Format. Hauptsache, es knallt – in der neuen Staffel vielleicht auch zweideutig zu verstehen – und der Zuschauer wird auf Privatfernseher-Niveau unterhalten. Die Teilnehmenden werden niemals eine Karriere wie die von Heidi Klum hinlegen. Hauptsache die Quote stimmt, der Rest ist egal.