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Kommentar

Wir brauchen Medienkompetenz gegen KI?Manipulation

Das Jahr 2024 ist weltweit ein Superwahljahr: Die USA wählen einen neuen alten Präsidenten, die EU ihr gemeinsames Parlament, in zahlreichen weiteren Ländern finden nationale Wahlen statt und in Deutschland werden im September drei Landtage gewählt. Wir müssen deshalb auf eine Desinformationsschwemme gefasst sein, wie wir sie vorher noch nie gesehen haben.

Schon bei vergangenen Wahlen in den USA und der EU haben russische Trollfabriken, heimische Populistinnen und Populisten und Rechtsextreme versucht, Wahlen mit Falschbehauptungen und vergifteten Narrativen zu beeinflussen. Doch in diesem Jahr dürfte dabei mehr als je zuvor auch Künstliche Intelligenz zum Einsatz kommen.

Generative KI?Modelle, die wie ChatGPT sinnvolle und überzeugende Texte, oder wie Dall?E und Midjourney täuschend echte Bilder erstellen können, sind kein böser Fluch. Sie können hilfreich sein und viele Jobs erleichtern. Die Schattenseite dieser beeindruckenden technologischen Entwicklungen ist jedoch, dass sie auch von Kriminellen und Feinden offener demokratischer Gesellschaften genutzt werden.

Es braucht eine Grundskepsis beim Medienkonsum

Die Entwicklungen werden sich nicht mehr zurückdrehen lassen – das wäre auch nicht erstrebenswert. Demokratische Gesellschaften müssen deshalb einen Umgang mit ihnen finden.

Es ist gut, dass die EU sich auf eine umfassende KI?Regulierung verständigt hat. Dadurch werden sich Akteure, die ohnehin bewusst Gesetze brechen, aber nicht abhalten lassen. Wichtig ist, dass möglichst viele, ob jung oder alt, lernen, was mit Künstlicher Intelligenz möglich ist und wie sie manipulierte Bilder und Videos erkennen.

Das dafür nötige Wissen und die nötige Grundskepsis beim Konsum digitaler Medien lässt sich nicht gesetzlich verordnen. Die generationenübergreifende Förderung digitaler Medienkompetenz sollte dem Staat – und allen demokratischen Parteien – aber ein großes Anliegen sein.

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