„Man muss sich immer genau überlegen, mit wem man sich anlegt“, schimpfte Donald Trump dieser Tage mal wieder mit Blick auf Wolodymyr Selenskyj. Eine verquere Weltsicht hat Einzug gehalten im Weißen Haus. Früher war das ein Ort, von dem aus Leute wie John F. Kennedy oder Ronald Reagan sich eingesetzt haben für eine freie Welt. Heute sitzt dort ein amerikanischer Präsident, der dem ukrainischen übel nimmt, dass dieser nicht einfach aufgibt, sondern sich noch immer gegen den völkerrechtswidrigen Angriff Russlands zur Wehr setzt.
Richtig bleibt natürlich die abstrakte Mahnung, stets zu prüfen, mit wem man sich anlegt. Genau diese Worte allerdings fallen Trump in diesen Tagen selbst auf den Fuß: Hat er sich genau überlegt, was er gerade tut im Verhältnis zu China?
Als Europäer, der die Freiheit liebt, spricht man es ungern aus. Aber was die USA gerade tun, sieht nicht gut aus auf der Weltbühne, es wirkt aggressiv, aufgeregt und sprunghaft.
China meldet Wirtschaftswachstum – Rezession in den USA
Mit gereckter Faust und grimmigem Blick hat Trump seinen amerikanischen Wahlkampf gewonnen. Doch diese Pose einzunehmen wird zu wenig sein in der Auseinandersetzung mit einem intelligent agierenden Land, das erstens viermal mehr Menschen hat als die USA und zweitens auch mehr Wirtschaftswachstum: Stolze 5,4 Prozent meldete China fürs erste Quartal 2025. In den Vereinigten Staaten dagegen riecht es, nach vier Jahren soliden Wachstums unter Joe Biden, nach Rezession.
Wenn Trump Pech hat, wird man die sich gerade aufbauende Krise nach ihm benennen. Der Begriff „Trumpcession“ kursiert schon seit März.
Trump hat den Abwärtstrend in seinem Land eigenhändig in Gang gesetzt, indem er auf einem Tag auf den anderen mit dem kompletten Rest der Welt einen Handelskrieg anfing. Das nagt an seiner Autorität. Dass Trump inzwischen für fast jede Regel auch eine Ausnahme geschaffen hat, machte nichts besser.
Mobiltelefone und Laptops von Strafzöllen ausgenommen
Im Fall von China ging Trump erst besonders hart ran, mit Strafzöllen in dreistelliger Höhe. Doch dann nahm er ausgerechnet Mobiltelefone und Laptops davon wieder aus – aus Angst, US-Verbraucher würden sich über deren zollbedingte Teuerung empören. Dies alles tat der angebliche „Dealmaker“ wohlgemerkt aus eigener Flatterhaftigkeit, nicht weil er bei Verhandlungen jemandem gegenüber saß. Wen, bitte, soll eine solche Strategie beeindrucken?
Der Drache, mit dem Trump sich angelegt hat, bewegt sich anders. Langsamer zwar, aber eben auch planvoll. Das unterscheidet die beiden Mächte.
Was, wenn China einige seiner jüngst erfolgten Bewegungen zu endgültigen Bewegungen erklärt – und zum Beispiel entscheidet, strategisch bedeutsame Rohstoffe wie Dysprosium und Yttrium nie wieder mit dem Weltmarkt zu teilen? Schon ein kurzes Fauchen des Drachen hat, wie man sieht, eindrucksvolle Konsequenzen. So hat China mal eben ein Einfuhrverbot für den KI-Chip H 20 verhängt – macht 5,5 Milliarden Verlust für den eben noch gefeierten US-Konzern Nvidia. Boeing soll es als Nächsten treffen, 25 Maschinen wurden angeblich schon abbestellt. Dass Airbus und die EU bei dieser Weichenstellung die Gewinner sein werden, ist unvermeidlich. China braucht neue Maschinen.
Schlechte Ausgangslage für Trump
Staatschef Xi Jinping wahrt die Ruhe. Chinas Wirtschaft, sagte er dieser Tage lediglich, sei kein Teich, den ein Sturm mal eben wegfegen könne, sondern „ein Meer“. Viel mehr war von ihm nicht zu hören.
Trump tut so, als werde Xi (“ein guter Freund von mir“) ihn schon bald anrufen, dann werde man über alles reden. Was aber, wenn dieser Anruf unterbleibt? Trump kann da nichts erzwingen.
Wie ein Handelskrieg von solchem Format langfristig ausgeht, kann niemand vorhersagen. Die Welt nimmt jedoch sehr genau wahr, wie er begonnen hat. Ob der Drache schweigt oder faucht: Bislang sieht es schlecht aus für Trump.