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Meinung

Offene Haftbefehle wegen Mordes haben kaum Auswirkungen auf Sicherheitslage in NRW

Die Zahlen wirken auf den ersten Blick schockierend. Mehr als 300 Haftbefehle wegen Mordes, fast genau so viele weitere wegen Totschlags sind in NRW offen. Kapitalverbrechen, bei denen ein Mensch gestorben ist – oder aus Ermittlersicht zumindest eine Person sterben sollte. Auf den zweiten Blick müssen die Zahlen aber keinen Grund zur Sorge um die Sicherheit im Land geben.

Denn Haftbefehle werden dann von einem Richter ausgestellt, wenn die Ermittler genügend Beweise für eine Festnahme präsentieren können. Und das ist der Polizei offensichtlich in sehr vielen Fällen gelungen – die Verbrechen scheinen zumindest aus Ermittlersicht also gelöst, die Akten verstauben nicht als Cold Case in den Regalen.

Zum anderen ist den allermeisten Mordermittlern aus Erfahrung klar: Viele Verdächtige werden schon längst nicht mehr in Deutschland sein. Sie sind wahrscheinlich im Ausland untergetaucht. Beliebt sind dabei Länder, bei denen eine Auslieferung problematisch bis unmöglich ist. Ein Beispiel ist die Türkei. Die Polizei kommt in den meisten Fällen dann ohnehin nicht an die Verdächtigen, um sie hier in Deutschland vor Gericht zu bringen. Reisen sie irgendwann aber wieder ein, dann können sie ziemlich sicher sein: Lange auf freiem Fuß werden sie hier nicht bleiben, wie zig Beispiele in der Vergangenheit gezeigt haben.

Politik muss internationale Kooperation ausbauen

Die Zahl offener Haftbefehle sagt also kaum bis gar nichts über die Sicherheitslage in NRW aus. Ja, unter den gesuchten Personen – insgesamt sind in NRW mehr als 27.000 Haftbefehle offen – befinden sich auch Schwerverbrecher. Von mutmaßlichen Sexualstraftätern bis zu Mördern. Oft aber handelt es sich allerdings um Bürger, die eine Bußgeld oder eine Geldstrafe nicht gezahlt haben und nun ins Gefängnis müssen (unter anderem sogenannte Ersatzfreiheitsstrafen).

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Die Menschen müssen daher wenig an der Sicherheitslage zweifeln. Die Politik sollte sich aber bemühen, internationale Kooperationen auszubauen – damit Verdächtige für schwerste Straftaten doch ausgeliefert werden und hier ihre gerechte Strafe erhalten.

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