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Bundesliga

Gladbach-Ärger um Friedrich: «In Verantwortung abzuliefern»

Heinz Büse, Carsten Lappe

Verständnis, aber auch Kritik und eine Aufforderung: Daniel Farke verzichtet nach den vieldiskutierten Interview-Aussagen von Marvin Friedrich auf eine Trainer-Strafe für den Abwehrspieler von Borussia Mönchengladbach. «Natürlich plane ich mit Marvin. Ich habe überhaupt kein Problem mit den Interview-Aussagen und empfinde sie auch nicht als respektlos», sagte der Coach vor dem Spiel des Fußball-Bundesligisten am Samstag (18.30 Uhr/Sky) bei Eintracht Frankfurt. Farke ergänzte: «Ich habe schon oft zum Ausdruck gebracht, dass ich ihn für einen richtig guten Fußball-Spieler und einen Topcharakter halte. Ich möchte, dass meine Spieler, die nicht in der Startelf stehen, unzufrieden sind.»

Farke verwies auf die hohen Einsatzzeiten des 27-Jährigen: «Er stand 26 Spieltage zur Verfügung, davon 26 Mal im Kader. Er hat zehn Mal von Anfang an gespielt und hatte 16 Einsätze. Das ist eine Bilanz von einem richtig wichtigen Spieler.»

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Gleichwohl hält der Coach die zwischenzeitliche Verbannung von Friedrich auf die Bank für nachvollziehbar und äußerte auch geschickt formulierte Kritik an den Ansprüchen des Profis: «Wir haben in zehn Spielen mit Marvin Friedrich in der Startformation 19 Gegentore bekommen. Das sind 1,9 Gegentore im Schnitt. In den Spielen, in denen er nicht gespielt hat, haben wir deutlich weniger Gegentore bekommen.» Farke sagte zudem: «Er hat jetzt seinen Punkt gesetzt, hat sich aus dem Fenster gelehnt. Jetzt ist er in der Verantwortung abzuliefern im Training und im Spiel.»

Der Coach äußerte nicht nur Verständnis für Friedrich, sondern auch für die Verärgerung der Clubführung. «Dass man das aus Vereinssicht kritischer sehen kann, ist auch ganz normal», sagte Farke. «Wir haben Marvin einen großen Vertrauensvorschuss gegeben und viel Geld für die Verpflichtung in die Hand genommen. Wenn jemand das Recht hat unzufrieden zu sein, dann eher der Verein.»

So hatte Mönchengladbachs Sportdirektor Roland Virkus den Abwehrspieler gerügt. «Solche Dinge sollten eigentlich intern besprochen werden», wurde Virkus am Donnerstag in einem Interview des Vereins zitiert. «Und wir als Verein werden uns an diese Abmachung halten und das Thema auch intern mit dem Spieler klären», fügte Gladbachs Sportchef hinzu. Berichte über eine mögliche Geldstrafe oder gar eine Abmahnung für Friedrich bestätigte der Club bislang nicht. «Das machen wir nicht in der Öffentlichkeit», kommentierte Farke.

Friedrich war vor gut einem Jahr vom damaligen Sportchef Max Eberl und dem damaligen Trainer Adi Hütter vom 1. FC Union Berlin verpflichtet worden. Unter Farke spielt der Innenverteidiger indes nicht die von ihm erhoffte Rolle als Stammkraft. Darüber hatte sich Friedrich in der «Sport Bild» (Mittwoch) massiv beklagt. «Ich bin absolut unzufrieden mit der Situation und spüre null Komma null Vertrauen», sagte Friedrich, der bei der Borussia noch einen Vertrag bis 2026 hat. «Für mich muss sich was ändern. So kann es nicht weitergehen.»

Farke verspürt aber wenig Lust, Friedrich nach Saisonende gehen zu lassen. «An seiner Zukunftsperspektive ändert das nichts. Er hat einen langfristigen Vertrag. Ich plane mit ihm bis zum Vertragsende», sagte der 46-Jährige.

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