Schweizer Comic-Zeichner setzt Reihe um den Cherusker Hermann fort

Anke Groenewold

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Im dichten Wald: Hermanns Späher beobachtet Varus’ Legionen. „Es ist an der Zeit, den riesigen Kopf der römischen Schlange abzuschlagen und unsere Freiheit wiederzugewinnen", spornt der Cherusker seine Mannen zum Kampf an. - © Enrico Marini/Carlsen
Im dichten Wald: Hermanns Späher beobachtet Varus’ Legionen. „Es ist an der Zeit, den riesigen Kopf der römischen Schlange abzuschlagen und unsere Freiheit wiederzugewinnen", spornt der Cherusker seine Mannen zum Kampf an. (© Enrico Marini/Carlsen)

Bielefeld. Hermann ist groß, muskulös und trägt die Uniform römischer Legionäre. Kleine Zöpfe bändigen das halblange, blonde Haare. Ein akkurat gestutzter Kinnbart ziert das kantige Gesicht.

„Ich sehe eine riesige Schlange, die auf unser Gebiet vorstößt, um den Tod zu säen", sagt der Cherusker, der in Rom zu Arminius wurde, und blickt grimmig von einer Anhöhe auf das riesige römische Heer und erklärt seine Taktik.

Information
Enrico Marini: „Die Adler Roms, Buch V", 64 S., Carlsen Comics, 12 Euro.

„Sie hat keine Angst und glaubt sich unbesiegbar. Doch sie kennt unsere Wälder nicht. Das macht sie schwach. Diese unersättliche Schlange wird wachsen und länger werden auf ihrem Weg. So lang, dass wir sie in Stücke schneiden können, bevor sie dessen gewahr wird. Am Ende ist es ein Kinderspiel, ihr den Kopf abzutrennen."

Ein Kinderspiel ist dieser Comic nicht, der Carlsen Verlag empfiehlt ihn ab 14 Jahren. Im fünften Band seiner 2009 und damit 2.000 Jahre nach dem Sieg des Cheruskers Hermann/Arminius über die Legionen des Varus gestarteten Comic-Reihe „Die Adler Roms" ist der Schweizer Zeichner und Texter Enrico Marini jetzt bei der entscheidenden Schlacht angekommen.

Im Mittelpunkt stehen Hermann, der als Geisel nach Rom gekommen war, militärisch ausgebildet wurde und den Römer Marcus als Freund gewann. Eine Blutsbrüderschaft, die in Feindschaft umschlägt. In Band 5 weiß Marcus längst, dass Arminius den Aufstand der germanischen Stämme gegen die Römer anführt. Er versucht, Varus zu warnen, doch der ist überzeugt, dass es ein Leichtes sein wird, „die feigen Barbaren abzuschlachten".

Die Textblasen sind rustikal („Bewegt eure Ärsche, ihr Memmen"), deftig, mitunter gestelzt („Vala, mein Freund, warum hast du mich verlassen?"). Zeichnerisch ist „Die Adlers Roms" beeindruckend. Die Panels sind dynamisch und atmosphärisch, die Gesichter expressiv. Das noch recht sommerlich wirkende „grüne Labyrinth", in das Hermann die Römer lockt, ist in kühlen Blau-, Grün- und Brauntönen gehalten.

»Ich bin stolz 
auf dich,
Hermann«

Aus Nebelschwaden brechen halbnackte Kämpfer mit Tierschädeln und Wolfsköpfen auf den Häuptern hervor, „eine Bande von schlecht organisierten Barbaren", wie ein römischer Legat abfällig über die Germanen und ihren „überschätzen" Anführer Arminius herzieht.

Die römische Vorhut, zu der auch Arminius’ Blutsbruder Marcus gehört, bekommt als erste einen Geschmack von der germanischen Guerillataktik. Die Attacke hält der Zeichner in blau, braun und rot. Rot sind die Umhänge der Römer, vor allem aber ihr Blut, das Marini reichlich über die 64 Seiten fließen und spritzen lässt. Der 47-Jährige, der Grafik an der Kunsthochschule Basel studiert hat, ist weder zimperlich noch sparsam mit Gewaltdarstellungen und schwelgt in grausigen Details.

Die üppigen Action-Szenen sind dynamisch und detailreich gezeichnet. Höhepunkt ist ein zweiseitiges, kleinteiliges Panorama aus der Vogelperspektive – ein großes Schlachtengemälde.

Zwei Frauen sind dekorative Randfiguren in diesem auf ein männliches Lesepublikum zugeschnittenen Comic. Hermann hat die blonde, leicht bekleidete Thusnelda an seiner Seite. Sie sagt wenig („Ich bin stolz auf dich, Hermann") und zeigt unter ihrer regennassen Tunika alles. „Nimm mich, Geliebter", haucht sie bei Blitz und Donner, und der Hüne gehorcht.

Ängstlich und schutzbedürftig erscheint Marcus’ Geliebte Priscilla, die im Tross mitreist. Sie ist mit dem fiesen Lepidus verheiratet, der noch fieser wird, als er erfährt, dass sein vermeintlicher Sohn von Marcus gezeugt wurde.

Das Schlussbild dieser saftig-brutalen Varusschlacht-Darstellung zeigt in eisigem Blau eine römische Adlerstandarte, die im Wasser versinkt, während ein Mann den schwer verletzten Römer Marcus davonträgt. Kommt Zeit, kommt Fortsetzung.

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