Heilpraktiker fordern Achtung von Schulmedizinern ein

Matthias Bungeroth

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Beliebte Kügelchen - Globuliset - © Foto: Franziska Gabbert/dpa-tmn
Für den Hausgebrauch kann man verschiedene Globuli in fertigen Sets kaufen. Die Apotheken verkaufen jährlich homöopathische Mittel im Wert von mehr als 500 Millionen Euro. (© Foto: Franziska Gabbert/dpa-tmn)

Bielefeld/Lemgo. Die Haltung einer 17-köpfigen Expertengruppe, die grundsätzliche Kritik an der Qualifikation der Heilpraktiker in Deutschland geübt und eine Auflösung dieses Berufsbildes ins Gespräch gebracht hatte, ist bei Vertretern der Naturheilkunde in Ostwestfalen-Lippe auf heftige Ablehnung gestoßen.

„Die Kritik entspricht nicht den Tatsachen", sagt etwa Markus Wilde, seit 2003 Heilpraktiker in Lemgo. „Ich mache amerikanische Chiropraktik und Osteopathie", berichtet er. Die Ausbildung habe er privat gemacht. „Wir werden von Ärzten geprüft. Da geht es um Schulmedizin", wehrt er sich gegen Vorwürfe mangelnder Qualifikation.

„Wir haben eine Durchfallquote von 80 Prozent", fügt er hinzu. Die Ausbildung sei auf jeden Fall schwieriger als bei einem Krankenpfleger oder Physiotherapeuten, was von den Münsteraner Experten bestritten werde.

„Es ist grundfalsch, unseren Beruf so darzustellen, als wenn wir da Kügelchen durcheinanderschmeißen oder eine Möhre auf den Kopf legen und damit Krebs heilen", unterstreicht Wilde. „Die Sorgfaltspflicht halte ich sehr hoch." Er habe im Übrigen auch keinerlei Probleme mit den Schulmedizinern in der Nachbarschaft. Die Kritik gehe hauptsächlich von „einer Handvoll Leute" aus, die Sprachrohr der Verbände seien.

An den Präsidenten der Ärztekammer Westfalen-Lippe Theodor Windhorst gerichtet, sagt Wilde: „Ich würde ihn gerne einmal in meine Praxis einladen, damit er sieht, wie das hier läuft." Auch Windhorst hatte Reformbedarf in der Ausbildung der Heilpraktiker angemeldet. Wilde gibt zu bedenken, dass es auch bei Vertretern der Schulmedizin Scharlatane gebe. Diese würden von Vertretern seines Berufsstandes genauso kritisch gesehen wie von der Ärzteschaft.

„Die Naturheilkunde hat sich etabliert und ist mittlerweile nicht mehr aus den Köpfen der Menschen wegzudenken", betont Alexa Förster aus Bielefeld, die sich selbst „Heilpraktikerin aus Berufung" nennt. „Die zunehmend gesundheitsbewussteren Menschen möchten sich nicht mehr bevormunden lassen, sondern die Verantwortung für ihre Gesundheit in die eigenen Hände nehmen", schreibt sie.

Daraus folgert Förster: „Eine Medizin auf Augenhöhe ist der Weg der Zukunft und sollte auch das Ziel der Ärzte und Heilpraktiker sein." Die Menschen suchten letztlich freiwillig die ganzheitlichen Praxen auf. „Dieser eigenverantwortliche Weg bringt selbstbestimmte Patienten hervor, die immer häufiger im althergebrachten Medizinwesen anecken." Dies sei aber „im klassisch hierarchischen System der Medizin unerwünscht" und an der Münsteraner Expertengruppe vorbeigerauscht, so Förster.

Die Bielefelderin fordert stattdessen „gegenseitige Achtung und Respekt vor dem jeweiligen Tätigkeitsfeld des anderen" ein. Nur so könne gemeinschaftlich zum Wohl des Patienten gearbeitet werden.

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