Hille/Bielefeld. Der mutmaßliche Dreifach-Mörder von Hille, Jörg W., hatte offenbar einen Helfer. Wie die Polizei gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft Bielefeld mitgeteilt hat, wurde der 24-jährige Zeitsoldat Kevin R. in Schleswig-Holstein festgenommen. Der Deutsche soll an der Tötung des 64-jährigen Hilfsarbeiters Jochen K. beteiligt gewesen sein. Die Auswertung von SMS habe Hinweise geliefert, so die Ermittler.
Der 24-jährige mutmaßliche Komplize soll gemeinsam mit W. und dessen Ehefrau auf dem Hof in Neuenbaum in häuslicher Gemeinschaft gelebt haben. Laut Informationen dieser Zeitung war er ebenfalls ein Hilfsarbeiter wie Jochen K., arbeitete aber zusätzlich als Zeitsoldat in Husum.
Ermittler finden ein Messer mit DNA-Spuren des Opfers
Er und der mutmaßliche Täter sollen sich von früher kennen, sind aber nicht verwandt. Er wird als mittelgroßer, muskulöser Mann mit sehr kurzen Haaren beschrieben, der auch in der Freizeit oft in Bundeswehr-Kleidung unterwegs war. Bekannte bezeichnen ihn als einen Macher, der sehr freundlich, mitunter aber ein bisschen großspurig gewesen sein soll. Anders als W. integrierte sich Kevin R. stärker in die Dorfgemeinschaft, engagierte sich in der Freiwilligen Feuerwehr.
Im Herbst soll der 24-Jährige Bekannten erzählt haben, dass er in den Auslandseinsatz nach Mali gehe und seine Einheit danach verlassen wolle. Ob er tatsächlich in Afrika stationiert war, ist nicht bestätigt. R. wurde bereits dem Haftrichter vorgeführt und ist weder vorbestraft noch polizeilich in Erscheinung getreten. Gegenüber der Polizei machte er Angaben zu allen drei Morden und belastete den 51-jährigen Jörg W. schwer.
Der 24-Jährige gibt an, bei allen drei Tötungen dabei gewesen, will jedoch nicht aktiv beteiligt gewesen sein. Ermittler fanden in seinem Haus außerdem ein Messer, an dem sich die DNA des 64-jährigen Hilfsarbeiters Jochen K. befand. Ein Tatwerkzeug im Fall Gerd F. wurde bisher nicht entdeckt. Ebenso wenig stehen die Tatorte fest. Gegen die Ehefrau des mutmaßlichen Mörders wird nicht ermittelt.
Gegen W. wurde mittlerweile Haftbefehl wegen dreifachen Mordes erlassen. Er sitzt in der JVA Bielefeld-Ummeln. W. soll in der Woche vor dem 10. März den 30-jährigen Stadthäger Fadi S. mit einem Hammer erschlagen haben.
Kevin R. wollte nach Informationen dieser Zeitung mit Fadi S. in die Baubranche einsteigen. Einen entsprechenden Verdacht äußerte Samir Omeirat, der Anwalt der Familie des Getöteten. Der gelernte Maurer S. war offenbar Geschäftspartner des Zeitsoldaten und Jörg W. Sie wollten mit einem eigenen Unternehmen Altbauten sanieren und dann mit Gewinn auf dem Immobilienmarkt verkaufen.
Anwalt Omeirat hat Einsicht in die Ermittlungsakten beantragt. Derweil betrauert die Familie aus Stadthagen ihren Angehörigen. Nach dem Ritus der Kurden aus dem Libanon folgt 40 Tage nach dem Tod eines Angehörigen ein weiteres Fest.
Die Ermittler fanden später noch die Leichen des 71-jährigen Rentners Gerd F. und des Hilfsarbeiters Jochen K. vergraben auf einem Grundstück. Die Ermittler gehen davon aus, dass W. beide im August 2017 tötete. „Spätestens da sind wir zumindest sicher, dass sie nicht mehr am Leben waren", so Staatsanwalt Christopher York.
Es besteht laut Staatsanwaltschaft der dringende Tatverdacht, dass W. aus Habgier handelte. Die Polizei fand bei seiner Festnahme am 10. März in Bayern EC-Karten der Toten. Außerdem gibt es Bilder von Überwachungskameras, die ihn beim Abheben von den Konten zeigen.
Parallel zu den Ermittlungen in den drei Mordfällen nimmt die Mordkommission „Wilhelm" auch den Lebenslauf des 51-jährigen Ex-Fremdenlegionärs Jörg W. unter die Lupe. Zu diesem Zweck wurde die Anzahl der Ermittler um sieben auf jetzt 29 Beamte aufgestockt, die aus mehreren, nahegelegenen Kreispolizeibehörden entsandt wurden. Auch eine Anfrage bei der Fremdenlegion sei gestellt worden, bisher aber unbeantwortet geblieben, so York.
Die Fremdenlegion
Jörg W. hat einige Jahre bei der Fremdenlegion gedient. Auch dort haben die Ermittler jetzt eine Anfrage bezüglich seines Vorlebens gestellt.
Die Fremdenlegion (Légion étrangère), ist ein französischer militärischer Großverband, der aus Freiwilligen aus über 150 Nationen besteht.
Die französische Fremdenlegion wurde 1831 gegründet. Sie sollte bei der Kolonialisierung Algeriens zum Einsatz kommen. In der Legion sollen bis Ende der 1980er Jahre mehr als 600.000 Mann aus aller Welt gedient haben. Der Anteil der Deutschen liegt bei zwei bis drei Prozent.