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OWL

Wirtschaft in OWL besorgt über Welle rechter Gewalt

Bielefeld. Die fremdenfeindlichen Ausschreitungen in Chemnitz führen auch in Chefetagen der Wirtschaft zusehends zu Sorge. „Die Bilder, die aus Chemnitz um die Welt gehen, schaden Deutschland, sie schaden der Region, sie schaden unseren Betrieben und Beschäftigten", sagte etwa der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, Hans Peter Wollseifer. Unternehmer wie Siemens-Chef Joe Kaeser mahnte im Gespräch mit dieser Zeitung: „Wir tragen eine besondere Verantwortung wegen unserer Geschichte, das dürfen wir nicht vergessen."

Auch Unternehmensvertreter in OWL äußerten sich besorgt. Wolf D. Meier-Scheuven, Chef des Kompressorenherstellers Boge und neu gewählter Präsident der IHK Bielefeld, sagte vorsichtig zu den Aufmärschen, er könne „solche Positionen nicht nachvollziehen". Deutschland sei „eine Exportnation, dazu gehört Weltoffenheit, Toleranz und der Respekt vor dem anderen". Axel Martens, Hauptgeschäftsführer der IHK Lippe, bezeichnete die Vorfälle als „besorgniserregend. Das ist nicht gut für den Standort Deutschland".

Ausländische Fachkräfte "unverzichtbar"

Jens Prager, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer OWL, nannte es „unerträglich", dass der Tod eines jungen Menschen für „Naziparolen missbraucht" werde. Die Proteste von Rechts waren ausgelöst worden durch die tödliche Attacke mehrerer Asylbewerber auf den 35-Jährigen Daniel H.. Prager verurteilte die Aufmärsche „aufs Schärfste" und ergänzte, ausländische Fachkräfte seien für die Handwerkswirtschaft unverzichtbar und trügen „zum Wohlstand in Deutschland bei".

Wilhelm Böllhoff, geschäftsführender Gesellschafter des gleichnamigen Steckverbindungs-Spezialisten, forderte eine „Willkommenskultur für Flüchtlinge aus Ländern, die Menschenrechte mit Füßen treten". Deutschland brauche „systematische Migration", so Böllhoff. Sein eigenes Unternehmen „wäre ohne Mitarbeiter mit Migrationshintergründen viel ärmer". Vom Gütersloher Bertelsmann-Konzern hieß es eher allgemein: Das Unternehmen „distanziert sich von jeder Form von Gewalt und Diskriminierung und steht für einen starken Zusammenhalt in Europa".

Der Bünder Reinhard Göhner (CDU), früherer Chef des Arbeitgeberverbands BDA, forderte einen „Aufstand der Demokraten" gegen rechten – und linken – Extremismus. Unterdessen wurde bekannt, dass die Polizei im Fall Daniel H. nach einem weiteren Täter sucht. Zwei Verdächtige sitzen in Haft, nach einem weiteren Asylbewerber aus dem Irak (22) wird gefahndet.

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