Nach Großbrand in Herford: Vermisste offenbar tot im Brandhaus entdeckt

Die Straßen rund um den Einsatzort sind großräumig abgesperrt. Zwei Drehleitern sind im Einsatz. - © Frank-Michael Kiel-Steinkamp
Die Straßen rund um den Einsatzort sind großräumig abgesperrt. Zwei Drehleitern sind im Einsatz. (© Frank-Michael Kiel-Steinkamp)

Herford. Seit Donnerstagmorgen ist der Brand im Wohn- und Geschäftshaus am Lübbertor gelöscht. Nachdem noch am Mittwochabend immer wieder Flammen auf dem Dach aufgelodert waren, hatte der Dachstuhl in der Nacht zu Donnerstag noch einmal großflächig gebrannt. Durch den Fahrstuhlschacht erhielt das Feuer immer wieder frische Luft. Aufgrund des Gewitters hatten die Retter die Drehleitern zum Schutz vor Blitzeinschlägen eingefahren. Gegen 10 Uhr am Morgen kam dann die erlösende Nachricht: Feuer aus.

Auch das Schicksal der 72-jährigen Frau aus der Brandwohnung hat sich wahrscheinlich geklärt und bestätigt die schlimmen Befürchtungen vom ersten Brandtag. Am Donnerstagabend entdeckten Feuerwehrmänner und ein Brandermittler der Polizei eine weibliche Leiche in dem Hochhaus. Ob es sich definitiv um die vermisste 72-Jährige handelt, müssen jetzt die Ermittlungen und Gerichtsmediziner klären.

Feuerwehr zieht Reste von Textilien und Teile des Dachs aus der Wohnung

Die bisherigen Ermittlungen und die Aufräumarbeiten der Feuerwehr sowie die Suche nach der Frau gestalteten sich überaus schwierig. Denn bei den vier Wänden, die die 72-Jährige bewohnte, handelt es sich um eine Messie-Wohnung.

Die Feuerwehr hatte bereits am Abend des ersten Brandtages betont, dass die Räume bis über die Fensterbank voll mit Kleidung waren. Feuerwehrmänner mühen sich nun, mit Dunghaken und Abrisshaken die Textilien aber auch Teile des eingestürzten Holzdachs aus der Wohnung der Frau im fünften Stock zu ziehen. Weil die Gefahr bestand, dass die Baukonstruktion wegen des Gewichts der mit Wasser vollgesogenen Kleidung nachgeben könnte, entrümpelten die Männer in eine von einem Spezialkran vor die Fenster gehobene Absetzmulde hinein.

Von der problematischen Wohnsituation der Frau habe man gewusst und deshalb auch Kontakt mit der Stadt aufgenommen, um ihr Hilfe zukommen zu lassen, erklärt Birgit Lehmann, Geschäftsführerin des Seniorendomizils aus Löhne. Doch die Möglichkeiten seien beschränkt – das sagen auch Experten für Mietrecht.

Spekulationen 
über den Zustand 
des Hauses

Aktuelles Ziel sei es, in enger Zusammenarbeit mit der Stadt allen durch den Brand betroffenen Bewohnern wieder eine Wohnung zu Verfügung stellen zu können. „Wichtig sind deshalb zunächst Wohnungen", sagt Lehmann. Deshalb seien auch Spendenaufrufe im Internet, Möbel und Hausrat zur Verfügung zu stellen, nicht zielführend. „Da soll bitte niemand böse sein, aber wir können keine Spenden annehmen." Die Feuerwehr hat bereits Wertgegenstände, Dokumente und wichtige Medikamente aus den Wohnungen gerettet.

Über den Zustand des Gebäudes gibt es bisher nur Spekulationen. So könnte etwa Löschwasser in großen Mengen in die Geschossdecken gelaufen sein. Entscheidend wird sein, ob eine Sanierung wirtschaftlich Sinn macht, hieß es.

Der Brand sorgte auch am Donnerstag wieder für Verkehrsprobleme. Am Morgen kam es zeitweise wieder zu Staus und dichtem Verkehr in der Innenstadt. Inzwischen wurden auf der Berliner Straße wieder beide Fahrspuren freigegeben. Die Fahrtrichtung der Mindener Straße/Lübberstraße zur Innenstadt wurde gestern am späten Nachmittag wieder freigegeben.

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