Beinahe-Kollision zweier Flugzeuge nahe Paderborn-Lippstadt

Matthias Bungeroth

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Symbolbild. - © Pixabay
Symbolbild. (© Pixabay)

Büren. Zwei Flugzeuge kamen sich im Luftraum von Meschede am 18. Juli 2018 gefährlich nahe. "Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) hat nun ihren Bericht veröffentlicht und stuft den Vorfall als schwere Störung ein", so die Pilotenvereinigung Cockpit.

Beteiligt an dem Zwischenfall war ein Passagierflugzeug vom Typ Embraer ERJ 190-100 LR, das sich am Tag im Landeanflug auf den Flughafen Paderborn/Lippstadt befand, sowie ein Segelflugzeug vom Typ ASK 21 der Firma Schleicher.

24 Menschen waren an Bord der Embraer

In dem Passagierflugzeug befanden sich dem BFU-Bericht zufolge eine vierköpfige Besatzung sowie 20 Passagiere, in dem Segelflugzeug ein Pilot und ein Fluggast. Das Passagierflugzeug hatte dem Bericht zufolge vom Fluglotsen um 17.11 Uhr die Erlaubnis für den Sinkflug erhalten. Das Flugzeug kam aus Frankfurt.

Der Copilot, der zu diesem Zeitpunkt das Passagierflugzeug gesteuert habe, habe "plötzlich und eher zufällig" ein in Flugrichtung kreisendes Segelflugzeug wahrgenommen. "Ein aggressives Ausweichmanöver nach Sicht sei sofort nötig gewesen", heißt es im BFU-Bericht, der dieser Zeitung vorliegt.

Die Zeit zwischen dem ersten Sichtkontakt und der Einleitung des Ausweichmanövers habe etwa "drei bis vier Sekunden betragen", wie es heißt. Der Copilot habe den Autopiloten deaktiviert "die Flugzeugnase nach oben gezogen und gleichzeitig beide Triebwerke auf vollen Schub gesetzt", so der Bericht.

Diese Schilderung des Copiloten bestätigten die Daten der Flugschreiber. "Der Abstand habe circa 20 Meter vertikal und 50 Meter horizontal betragen", listet der BFU-Bericht weiter auf. Die Passagiermaschine sei von einer Flughöhe von 6.025 Fuß auf 7.888 Fuß gestiegen, bevor sie wieder sank.

Das Segelflugzeug war für den Fluglotsen nicht zu sehen

Das Segelflugzeug sei zur fraglichen Zeit nach Sichtflugregeln gesteuert worden. Es sei nach dem Zwischenfall in Brilon gelandet, die Passagiermaschine auf dem Flughafen Paderborn/Lippstadt. Unter dem Segelflugzeug ASK 21 seien noch zwei weitere Segelflugzeuge gefolgen.

Keine der Maschinen sei auf dem Sichtgerät des verantwortlichen Fluglotsen in Langen zu sehen gewesen. Bei dem Zwischenfall gab es weder Personen- noch Sachschäden. Das BFU rät dem Bundesministerium für Verkehr, den Verzicht auf eine Transponerabstrahlung für Segelflugzeuge in den fraglichen Lufthöhen aufzuheben.

Flugzeuge ab 5,7 Tonnen Gewicht mit mehr als 19 Sitzplätzen sollten zudem nur in "Lufträumen erfolgen, in denen die Flugverkehrskontrolle jederzeit in der Lage ist, Verkehrsinformationen und Ausweichempfehlungen bezüglich aller sonstigen im selben Luftraum operierenden Luftfahrzeuge zu erteilen." Zudem sollten Kollissionsschutzsysteme an Bord der Maschinen "vor drohenden Kollisionen warnen können", wie die BFU feststellt.

Kritik am verkleinerten geschützten Luftraum über Paderborn

Die Pilotenvereinigung Cockpit kritisiert, dass das Bundesverkehrsministerium den geschützten Luftraum über Paderborn jüngst verkleinert habe. Das Ministerium ergreife damit Maßnahmen, "die der öffentlichen Sicherheit nicht zuträglich sind", so Cockpit. "Verkehrsflugzeuge sollen dort, wo sie fliegen müssen, sicher gegenüber anderen Flugzeugen gestaffelt werden", fordert die Pilotenvereinigung. 

Unter anderem auch in den Lufträumen über den Flughäfen Dortmund und Münster/Osnabrück sind laut Cockpit die Vorschriften für den Luftverkehr jüngst entschärft worden.

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