Krisenmodus: Maschinenbau in OWL hat ein Viertel weniger Aufträge

Stefan Schelp

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Maschinen (© Symbolbild: Pixabay)

Bielefeld. Die gute Laune ist passé, die Maschinenbauer in Deutschland wechseln in den Krisenmodus. Im ersten Halbjahr ging der Umfang der Neubestellungen um rund neun Prozent zurück, meldet der Branchenverband VDMA. Sowohl im Inland als auch im Ausland hielten sich demnach die Kunden mit Aufträgen zurück.

Ostwestfalen-Lippe kann sich von dieser Tendenz nicht abkoppeln – obwohl es noch keine konkreten Zahlen gibt. „Die Aufträge gehen um 20 bis 25 Prozent zurück", sagt Hans-Dieter Tenhaef, Vorstandssprecher von OWL Maschinenbau.

Von 2018 profitieren

Das allerdings sei nur eine Schätzung, basierend auf den Branchen-Gesprächen in den vergangenen Wochen. Dabei hätten noch längst nicht alle gemerkt, dass die Krise näherkomme, sagt Tenhaef. Viele Unternehmen profitierten noch von den prall gefüllten Auftragsbüchern des vergangenen Jahres.

Gebeutelt seien insbesondere jene Unternehmen, die von der Automobilindustrie abhängen. Das liege nicht zuletzt an der Debatte um die Zukunft des Diesels. „Die Unsicherheit ist Gift, sagt Tenhaef. „Wer investiert in dieser Situation schon noch in neue Maschinen. Im Moment liegt alles auf Eis."

Neben der Dieseldebatte seien es die Unwägbarkeiten des Brexits und politische Konflikte mit dem Iran. Zudem sei der Handelsstreit zwischen den USA und China erneut eskaliert. Nur wenige Tage nach der Ankündigung neuer Strafzölle durch US-Präsident Donald Trump hatte China mit einer Abwertung seiner Währung gekontert.

Noch vor der Krise gefeit

Tenhaefs Unternehmen MIT in Vlotho, Spezialist für Systemarmaturen, hat es etwas besser als diejenigen, die an der Automobilindustrie hängen. MIT beliefert die Feuerschutz-Branche und die Lebensmittelindustrie. Die sind vor der Krise (noch) gefeit. Er schätzt, dass die MIT-Aufträge im Vergleich zum Vorjahr um erträgliche zehn Prozent zurückgegangen sind.

Ähnliches hatte auch OWLs größter Maschinenbauer, die DMG Mori AG, in der vergangenen Woche berichtet. Der Vorstandsvorsitzende Christian Thönes hatte zugleich darauf hingewiesen, dass bei anderen Unternehmen die Einbußen deutlich höher seien. Teilweise sei der Auftragseingang um bis zu 50 Prozent zurückgegangen.

Arbeitsplatz-Abbau

Auch beim Unternehmerverband der Metallindustrie Ostwestfalen Bielefeld-Herford-und Minden spürt man die Anzeichen einer heraufziehenden Krise. Der Beratungsbedarf bei den Mitglieder sei gestiegen, sagt der Hauptgeschäftsführer Dieter Kühnel. Es gebe mehr Nachfragen zum Thema sozialverträglicher Personalabbau, auch über die rechtlichen Rahmenbedingungen der Kurzarbeit würden Informationen eingeholt.

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