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Wenn die Hochzeit zum Stresstest wird - ein Paar berichtet

Bielefeld. Immer größer und pompöser: Der „schönste Tag im Leben" darf alles werden – nur nicht gewöhnlich. Angeheizt wird dieser Trend nicht zuletzt durch soziale Medien. Hier teilen Bräute Tausende Bilder um die Wette: Vom schönsten Brautkleid über die tollste Location bis hin zur kreativsten Blumendeko. Was als netter Austausch unter Mit-Bräuten gedacht ist, kann Frauen im Vorbereitungsstress stark unter Druck setzen. Das Problem kennt auch Christin Suett aus Bielefeld. Sie will im September in Bad Salzuflen heiraten.

Fast jeden Abend sitzt Christin Suett mit ihrem Verlobten Marco auf dem Sofa. Zeit zum Kuscheln bleibt dem Paar nicht, denn für ihre Hochzeit muss gebastelt werden. Er stanzt Tonpapier, sie steckt Perlen und Blüten abwechselnd in die fertige Styroporkugel – am Ende kommen hübsche Blumenbälle dabei heraus. Die Inspiration hat sich die zweifache Mutter aus einer Hochzeitsgruppe bei Facebook geholt. „Ich fand die Idee toll, auch wenn ich zwischendurch gern mal alles hinschmeißen würde", sagt die 28-Jährige. Die Selbstbastelaktion raubt Zeit und Nerven.

Da viele Liebende für die Hochzeit nicht auf das Budget eines Königspaares zugreifen können, ist bei Braut und Bräutigam nun mal die eigene Kreativität gefragt. Es muss gespart und selbst mit angepackt werden. Für das Familienleben teils eine Belastungsprobe. „Die Hochzeitsvorbereitungen fressen so viel Zeit, dass das Paarsein etwas auf der Strecke bleibt", sagt Suett. Auch die Kinder hätten mehr Aufmerksamkeit verdient.

Die Hausfrau bekommt oft zu spüren, wie stark die Vorbereitungen die Nerven belastet. Und das nicht nur im Alltag. Auch in den sozialen Netzwerken entbrennt sich ein inoffizieller Wettstreit. „Ich hab ganz oft das Gefühl, meins ist nicht gut genug", gibt Suett zu. Hochzeitsplaner und TV-Moderator Froonck sieht den Ursprung des zunehmenden Druck darin, dass Brautpaare von den traditionellen Vorstellungen der vorherigen Generationen abrücken. „Es soll immer detaillierter, personalisierter werden und wird damit automatisch komplexer", sagt der Experte. Er rät dazu, sich erst einen eigenen Plan zu machen und dann im Netz Inspiration zu holen, sonst werde man „durch die Millionen-Möglichkeiten als Laie schnell überfordert."

Zwischen 5.000 und 15.000 Euro geben Paare in Deutschland laut Studien durchschnittlich für die Hochzeit aus. Die Bielefelder wollen mit weniger zurecht kommen. Darum hat das Paar die Trauung samt Feier nach Bad Salzuflen verlegt. „In der Provinz gibt es glücklicherweise auch provinzielle Preise", scherzt die Braut. Damit kehrt Suett für die Hochzeit in ihre Geburtsstadt zurück. Auch der Freundeskreis ist fest in die Planungen mit eingebunden – sei es für Fotos oder die Musik. Anders geht es nicht.

Über die Besessenheit mancher Bräute kann die Bielefelderin nur den Kopf schütteln. „Manche verlieren die Balance, dann wird selbst der zukünftige Ehemann auf einmal zum Accessoire." Schon öfter habe die 28-Jährige in der Gruppe von Bräuten gelesen, die kurz vor der Hochzeit stehen gelassen wurden. Einfach, weil es dem Bräutigam zu viel wurde. „Wenn man sieht, wie einige durchdrehen, wundert mich das nicht", sagt Suett. Dennoch gibt sie zu, wie schwer es ist, die Nerven zu behalten: „Die Hochzeit ist immer gegenwärtig." Froonck rät daher dazu, einen Tag pro Woche für die Planungen zu fixieren: „Die Regelmäßigkeit hilft", weiß der Hochzeitsplaner. Manchmal müsse eine Auszeit her.

Lange Durchatmen geht für die Bielefelderin jedoch nicht, denn der Hochzeitstermin im September rückt näher. Regelmäßig scannt Suett daher Bastelideen in den Hochzeitsgruppen oder lässt sich von Fernsehsendungen rund um die Braut inspirieren. Das Hochzeitsthema ist überall präsent – ob im TV oder beim Sonntagsessen mit den Schwiegereltern. Zwischendurch rücke die Freude fast in den Hintergrund. Doch sie will drauf achten, dass der Vorbereitungsstress nicht Überhand nimmt. Aus gutem Grund. „Die Hochzeit ist nach einem Tag vorbei. Unsere Ehe geht noch ein ganzes Leben."

Tipps vom Hochzeitsplaner und TV-Experten Froonck

  • „Bei sich bleiben! Seine Hochzeit feiern. Nach seinem Gusto, Stilempfinden, Budget und Freundeskreis. Authentizität ist der Schlüssel zum Erfolg, wie überall im Leben."
  • „Sich in den Tag fallen lassen", also abschalten und genießen.Nun ist es sowieso zu spät, um einzugreifen. Dafür eine Vertrauensperson bestimmen. Und zwei Tage vorher mit der Planung fertig sein, Urlaub nehmen und entspannen bei Wellness.
  • Die Gäste müssen bestens versorgt sein mit Essen, Trinken und Unterhaltung, nur dann kommt die richtige und gewünschte Festtagsstimmung auf.

Im Interview verrät Froonck noch weitere Tipps für Heiratswillige. 

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