Religionsgemeinschaften in Augustdorf (6): Die Evangeliums-Christen-Baptistengemeinde

Guntmar Wolff

Das Gotteshaus der Gemeinde am Imkerweg. - © Guntmar Wolff
Das Gotteshaus der Gemeinde am Imkerweg. (© Guntmar Wolff)

Augustdorf. Von außen sieht das Gemeindehaus der Evangeliums-Baptistengemeinde wie ein schmuckes Mehrfamilienhaus aus. Nur der Schriftzug „Bethaus" an der Vorderseite verrät, dass es sich um eine 
Kirche handelt. Bis zu 600 Personen finden hier Platz.

„Wir haben circa 230 Gemeindemitglieder und 200 Kinder. Der Gottesdienstbesuch liegt bei knapp 90 Prozent", sagt Rudolf Ens, ehemaliger Gemeindeleiter. Die Kinder zählen dabei nicht als Mitglieder, da die Gemeinde, die sich 1989 gründete, nur die Erwachsenentaufe kennt. In den Anfängen kam die Gemeinschaft in der katholischen Kirche unter, bis sie 1995 das eigene Gemeindehaus bezog.

Information

Kontakt

Das Bethaus der Evangeliums-Christen-Baptisten Gemeinde steht im Imkerweg 36a. Wer Interesse an der Gemeinde hat, kann sich an Rudolf Ens unter Tel. (05237) 89388 wenden.

Warum es eine zweite Baptistengemeinde in Augustdorf gibt, und was die beiden voneinander trennt, möchte Ens nicht sagen. Für Horst-Dieter Mellies, Beauftragter für Weltanschauungsfragen der lippischen Landeskirche, sind zwei Baptistengemeinden in einem Ort nicht verwunderlich.

„Baptisten leben häufig eine scharfe theologische Abgrenzung zu anderen und spalten sich auch mal", so Mellies, der auch erklärt, dass russlanddeutsche Baptisten häufig konservativer seien als andere Gemeinschaften. Etwas, was sich auch in der Augustdorfer Gemeinde widerspiegelt. So werden Mitglieder, die homosexuell sind oder Ehebruch begehen, von der Gemeinschaft ausgeschlossen.

„Wir nehmen die Bibel wörtlich", erklärt Ens dazu. Darum könne sich die Gemeinschaft eine Ökumene auch nur zu den Mennoniten vorstellen. Jeder Gemeinde steht in der Regel ein Ältester vor, der von einem sechsköpfigen Bruderrat unterstützt wird. In 
Augustdorf ist Johann Dirks der Gemeindeleiter. Der Gemeinde, die autonom und selbstständig ist, ist es wichtig, sich nicht selbst darzustellen. „Wir wollen Jesus an erste Stelle stellen, und nicht uns", so die Aussage. Das ist auch der erklärte Grund, warum keiner der Gemeindeleiter für ein LZ-Foto zur Verfügung stand.

Die Gemeinschaft praktiziert die so genannte Heilung durch Handauflegung. Wenn die erbetene Heilung nicht eintritt, gebe es dafür drei mögliche Gründe, erklärt der ehemalige Älteste Rudolf Ens. „Entweder hat Gott einen anderen Plan oder derjenige, der krank ist, glaubt nicht genug." Es könne aber auch an dem Ältesten liegen, der nicht die richtige Einstellung habe.

Eine Aussage, die Andreas Hahn, Beauftragter für Sekten und Weltanschauungsfragen der evangelischen Kirche Westfalen, für „seelsorgerisch schwierig" hält. „Dieses Verständnis ist nicht evangelisch", so Hahn. Nach der evangelischen Glaubenslehre lägen Entscheidungen allein in der Hand Gottes, erklärt er.

Rudolf Ens sieht seine Aufgabe und die seiner Mitbrüder darin, die Gemeinde in den eigenen Glaubensgrundsätzen zu stärken. Das geschieht durch zwei Gottesdienste am Sonntag, aber auch durch eine Vielzahl an täglichen Angeboten. So gibt es mehrere Chöre, einen Seniorenkreis und eine regelmäßig stattfindende Bibelstunde.

Für Hahn ist dies auch ein Beleg dafür, „dass junge Menschen ihre gesamte Sozialisation in der Glaubensgemeinschaft verbringen können". Das resultiere häufig auch darin, dass vor Versuchungen außerhalb der Gemeinschaft gewarnt werde. Lediglich durch die Gemeinschaft könne man diesen Gefahren widerstehen.

Eine Einschätzung, die Rudolf Ens teilt. Dabei steht die Gemeinschaft Gästen, die ihre Gottesdienste besuchen möchten, offen gegenüber. Und auch da gilt laut Ens: „Wir laden nicht zu uns ein, sondern zu Jesus."

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2017
Texte und Fotos von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.