Manager plaudern vor Schülern des Hermann-Vöchting-Gymnasiums Blomberg aus dem Nähkästchen

Sabine Hergemöller

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Große Runde: Elf Führungskräfte aus Unternehmen und Institutionen im Kreis Lippe stellen sich beim Expertencolloquium den Fragen der Oberstufenschüler am Blomberger Hermann-Vöchting-Gymnasium. - © Sabine Hergemöller
Große Runde: Elf Führungskräfte aus Unternehmen und Institutionen im Kreis Lippe stellen sich beim Expertencolloquium den Fragen der Oberstufenschüler am Blomberger Hermann-Vöchting-Gymnasium. (© Sabine Hergemöller)

Blomberg. „Abitur! Und was dann?" Um nicht erst mit dem Aushändigen des Hochschulreifezeugnisses vor dieser Frage zu stehen, haben Schüler des Hermann-Vöchting-Gymnasiums Blomberg ihre Chance beim 7. Expertencolloquium genutzt. Elf Führungskräfte aus lippischen Unternehmen und Institutionen stellten sich ihren Fragen und plauderten dabei aus dem beruflichen Nähkästchen.

Die Frage angesichts seiner zahlreichen Arbeitsstunden – „Hat man als Manager überhaupt noch ein Privatleben oder Freizeit?" –, brachte Markus Brentano, Manager Im Einkauf bei Phoenix Contact, zum Schmunzeln. „Und wie handeln Sie unter Druck?" Er verlasse dann einfach für eine Pause bewusst das Büro, mache einen Spaziergang, gern auch für ein lockeres Gespräch mit Kollegen, oder spiele Golf: „Wenn ich mir überlege, wie ich die kleine weiße Kugel 400 Meter weiter in das Loch bekomme, ist jeder Gedanke an Arbeit verschwunden."

Was man später eigentlich mit einem Studium in Biotechnologie anfangen könne, wurde Prof. Dr. Jürgen Rabenhorst, Dozent an der Hochschule OWL gefragt. Das Studium biete eine gute Basis für spätere Schwerpunkte in Pharmazie, Lebensmitteltechnik, Chemie oder auch im Umweltbereich, erläuterte er und staunte: „Ich war positiv überrascht über das fachspezifische Interesse der Schüler."

Soziale Arbeit, Marketing oder Psychologie standen ebenso auf der Berufs-Wunschliste der Gymnasiasten wie Medizin, Lehramt und Journalismus. Der sei gerade wichtiger denn je, betonte Jens-Olaf Buhrdorf, der leitende Redakteur des WDR-Studios in Detmold, „denn der ist verlässlich. Der sagt, was wahr ist und was nicht".

Gina Bellmann, Erziehungsleiterin im westfälischen Kinderdorf, freute sich über das wachsende Interesse am Erzieher-Beruf, gerade auch bei Gymnasiasten: „Der soziale Bereich ist so vielschichtig! Im Studiengang Sozialarbeit gibt es laufend Veränderungen".

Schülerin Lea Gödeke hätte gern noch mehr über den Studiengang erfahren. Das breite Angebot an Berufsfeldern dieser Expertenrunde fand sie toll, sagte sie gegenüber der LZ.

„Ich bin erst einmal mit ganz wenig Erwartungen an dieses Colloquium herangegangen", meinte der Oberstufenschüler Anes Hakalovic, „und ich bin sehr positiv überrascht gewesen, um wie vieles schmackhafter mir das Gespräch mit Herrn Nicholas den Beruf des Lehrers gemacht hat." Studiendirektor Hans Nicholas ist der stellvertretende Schulleiter des König-Wilhelm-Gymnasiums in Höxter.

Die junge Polizeikommissarin Katharina Gröhne mit ihrer altersmäßigen Nähe zu den Schülern, und ihr Kollege, Polizeihauptkommissar Klaus Engel mit seinen 40 Jahren Dienst-Erfahrung, ergänzten sich auch in den Augen der Elftklässler gut. Erwartungsgemäß lautete deren erste Frage: „Haben Sie schon mal geschossen?"

Engel freute sich, dass die Schüler wohl nach Ablauf der Dreiviertelstunde Gesprächszeit am liebsten noch sitzen geblieben wären, um sich weiter über den nach seinem Empfinden „geilsten Job der Welt" zu unterhalten. Energisches Murmeln und Raunen aus den Reihen der Experten zeigte, dass die reihum genau das auch für ihren eigenen Beruf reklamieren wollten.

Schüler Max Lödige bestätigte, dass sich einige Schüler noch mehr Gesprächszeit gewünscht hätten. Neele Henry Seifert gefielen die offenen Antworten der Fachleute, und Ole Fuchs ergänzte, dass sich teilweise erst durch die Gesprächen neue Fragen ergeben hätten. Die Experten versicherten, den Schülern, auch im Nachhinein mit Antworten zur Verfügung zu stehen.

Vorteil für Schüler und Firmen

Im Zuge des sich immer weiter verschärfenden Fachkräftemangels ist ein solches Expertencolloquium nicht nur eine wertvolle Erfahrung für die 105 Schüler der Jahrgangsstufe 11, die 2019 ihr Abitur machen werden. Auch Firmen haben die Möglichkeit, sich im Wettbewerb um den besten Azubi zu positionieren, erste Kontakte zu knüpfen oder Praktika anzubieten. Neben Einzelpersonen wie einer Ärztin und einer Psychologin waren das westfälische Kinderdorf, Phoenix Contact, der WDR, ein Höxteraner Gymnasium, die Hochschule OWL und die Polizei vor Ort , um Fragen zu beantworten.

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