Landesarchiv: Kapitel jüdischer Geschichte wird digitalisiert

Guntmar Wolff

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Dr. Wolfgang Bockhorst (Gesellschaft für Genealogie und Familienforschung), Marie-Luise Cahl (Gesellschaft für Computergenealogie) und Dr. Frank Bischoff (Landesarchiv) (von links) unterzeichnen den Kooperationsvertrag.  - © Guntmar Wolff
Dr. Wolfgang Bockhorst (Gesellschaft für Genealogie und Familienforschung), Marie-Luise Cahl (Gesellschaft für Computergenealogie) und Dr. Frank Bischoff (Landesarchiv) (von links) unterzeichnen den Kooperationsvertrag.  (© Guntmar Wolff)

Detmold. Die Digitalisierung macht auch vor Archiven nicht Halt. Für die Nutzer ist das oft von Vorteil, wenn sie sich auf die Suche nach den eigenen Wurzeln machen oder wissenschaftliche Forschung betreiben wollen. Allerdings nur, wenn die Daten tatsächlich direkt zu nutzen sind. Das jüngste Projekt des Landesarchivs in Detmold will nun ein großes Kapitel jüdischer Geschichte erschließen und braucht dabei Hilfe.

21 Meter. Das ist die Fülle an Registern, die das Landesarchiv über Juden aus den Jahren zwischen 1809 und 1875 in seinem Besitz hat. „Dazu zählen Geburten, Heiraten und Sterbefälle", erläutert der Präsident des Landesarchivs Dr. Frank Bischoff. Der Quellenfundus sei in Deutschland einmalig. „Knapp 900 Register aus den Regierungsbezirken Detmold, Arnsberg und Münster stehen uns zur Verfügung", so Hirsch. Der Haken: Bis jetzt sind diese Quellen lediglich eingescannt, also online abrufbar.

Doch sind sie noch nicht zur Benutzung aufbereitet – die in den Registern genannten Personen müssen zunächst noch mit Hilfe einer speziellen Internetanwendung erfasst werden. Damit das passiert, startet das Landesarchiv nun eine einzigartige Kooperation mit dem Verein für Computergenealogie und der Westfälischen Gesellschaft für Genealogie und Familienforschung (WGGF) mit Sitz in Münster. Ersterer hat das entsprechende Computerprogramm geschrieben, während die WGGF möglichst viele ihrer Mitglieder für die Fleißarbeit mobilisieren will.

Die Partner hegen die Hoffnung, dass sich daran möglichst viele Interessierte aus der ganzen Welt beteiligen, erläuterte Dr. Volker Hirsch, Dezernatsleiter, anlässlich der Unterzeichnung des Kooperationsvertrages. Und das scheint zu funktionieren: Die Internetseite verzeichnet schon im dritten Quartal mehr als 240.000 Zugriffe. „Wir freuen uns, dass Detmold mit diesem Projekt die Nase vorne hat", kommentiert Bischoff die Anstrengungen schmunzelnd.

Crowdsourcing

Beim Projekt des Landesarchives geht es um die gemeinschaftliche Quellenerschließung im Internet. Damit wird ein riesiger Berg Fleißarbeit auf viele Schultern verteilt. Das Landesarchiv verspricht sich noch einen besonderen Mehrwert davon: Indem Heimat- und Familienforscher vor Ort ihre besondere Kenntnis der lokalen Verhältnisse einbringen, können alle Beteiligten profitieren.

Weitere Infos im Internet unter www.archive.nrw.de/lav/ service/
familienforschung/

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