Vier Bad Meinberger über Stärken und Schwächen der Stadt

Erwartungen an den Masterplan: "Es wird nur gemeinsam vorangehen"

Von Martin Hostert

"Es liegt noch viel Arbeit vor uns:" Davon ist Constanze Jow, kaufmännische Leiterin der Mediclin Rose-Klinik, überzeugt.
"Es liegt noch viel Arbeit vor uns:" Davon ist Constanze Jow, kaufmännische Leiterin der Mediclin Rose-Klinik, überzeugt.

Horn-Bad Meinberg. Dies fordern Constanze Jow, Andrea Ostheide, Manfred Wiehenkamp und Volker Bretz. Die LZ hatte sie, stellvertretend für die vielen aktiven Bad Meinberger aus dem Gesundheits-, Hotel- und Geschäftsbereich, eingeladen und unter Moderation von Redakteurin Cordula Gröne gefragt: Wie sehen Sie die Zukunft des Bades? Was muss sich tun? Wo sind die Stärken? All dies versucht gerade "Projekt M" herauszufinden.

Manfred Wiehenkamp ist pragmatisch: "Bad Meinberg zählt so viele Einwohner wie Istrup. Und jetzt sehen Sie mal, was es dort gibt und was hier", sagt er und zählt auf: Fachgeschäfte und Edeka, Geldinstitute und Eisdiele, Parks und Badehaus… "Das müssen wir positiv transportieren", fordert er. Und zwar gebündelt. Denn: "Einzelinteressen zu verfolgen, das führt zu gar nichts", fügt Constanze Jow hinzu. Sie vermisst eine gemeinsame Marschrichtung aller: "Diese festzulegen ist ein erster Schritt." Jow lobt erste Aktivitäten und geplante Aktionen des Stadtmarketings, weiß aber, dass alle mitmachen müssen. "Da liegt viel Arbeit vor uns. Aber nur so kann es funktionieren, sonst wird das hier nichts mehr."

Setzt auf die Marke "Naturpark Teutoburger Wald": Manfred Wiehenkamp, Inhaber der Pension Havergoh und begeisterter Radler.
Setzt auf die Marke "Naturpark Teutoburger Wald": Manfred Wiehenkamp, Inhaber der Pension Havergoh und begeisterter Radler.

Bad Meinberg habe von allen Kurorten in OWL in den vergangenen Jahren die meisten Federn lassen müssen, nun müsse "das Krönchen" endlich neu gerichtet werden. Wie auch Wiehenkamp nimmt sie etwa die privaten Pensionen in die Pflicht, spricht von einer Ausstattung wie "anno Tuck" hier und da. Es müsse Geld in die Hand genommen werden, "Goldene Zeiten sind vorbei." Und die Stadt sei in der Pflicht: "Das Thema Bad muss hier viel deutlicher herausgearbeitet werden."
Wiehenkamp fordert einen Bewusstseinswandel: "Dass hier sonntags 600 Stückchen Kuchen verkauft worden sind, das ist endgültig Geschichte. Und dass man die Tourist-Info gebeten hat, doch bitte Gäste zu schicken, ebenfalls."

Information
Nennen Sie uns…
…drei Schlagworte, die Bad Meinberg beschreiben:

Constanze Jow: "Wohnen, leben, soziales Miteinander"

Manfred Wiehenkamp. "Klein, naturnah, verkehrsgünstig"

Volker Bretz: "Yoga, Moor, Externsteine"

Andrea Ostheide: "Kreativ leben und heilen"

Andrea Ostheide stellt immer wieder fest, dass die größten Kritiker aus Horn-Bad Meinberg selber kommen. "Wer hier lebt, meckert öfter". Gästen allerdings, ob es Reha-Patienten, Touristen oder Tagesbesucher seien, gefalle der Ort meistens. "Die Leute von außerhalb haben einen anderen Blick. Aber hier können sie einkaufen, bekommen Lebensmittel im Supermarkt und im Naturkostladen, Wolle und Bücher. Hier ist ja viel Positives passiert." Aber: "Auf der Straße tanzen zu wollen und gleichzeitig entspannt einzukaufen, ist eben schwierig zusammenzubringen."

Hört viel Lob der Besucher: Andrea Ostheide, Inhaberin des Handarbeitsgeschäfts "Andrea’s Glücksmasche" im Herzen Bad Meinbergs.
Hört viel Lob der Besucher: Andrea Ostheide, Inhaberin des Handarbeitsgeschäfts "Andrea’s Glücksmasche" im Herzen Bad Meinbergs.

Ostheides Beobachtung teilt auch Volker Bretz. "Unsere Gäste kommen gern in den Ort. Hier bekommen sie alles, veganes Eis etwa ist mittlerweile selbstverständlich." Vor allem aber sprächen die Zahlen für sich, betont er: Zehn Prozent der Bad Meinberger seien eng und dauerhaft mit dem Yoga-Zentrum verbunden, viele seien hierhin gezogen. "Und 250 Gäste täglich geben hier schon Geld aus, gehen essen, trinken, kaufen Bücher, zahlen Kurtaxe." Bad Meinberg komme in den Fragebögen der vier Yoga-Häuser (außerdem an der Nordsee sowie im Westerwald und Allgäu) am besten weg. Er bedauert, dass die Chance "Nationalpark" nicht genutzt worden sei. Die anderen stimmen ihm uneingeschränkt zu. Das hätte vielmehr eine massive Forderung aus Meinberg heraus sein müssen, meint Wiehenkamp. Jow: "Alles, was diese Gegend attraktiver macht, spielt eine Rolle. Ein Nationalpark wäre eine höchste Auszeichnung gewesen."

Zählt täglich 250 Gäste: Volker Bretz, Leiter des Yogazentrums Yoga Vidya, bedauert, dass aus dem Nationalpark nichts geworden ist. - © Fotos: Gerstendorf-Welle
Zählt täglich 250 Gäste: Volker Bretz, Leiter des Yogazentrums Yoga Vidya, bedauert, dass aus dem Nationalpark nichts geworden ist. (© Fotos: Gerstendorf-Welle)

Das ist Vergangenheit. Und zukünftig? Wiehenkamp setzt auf "Naturpark Teutoburger Wald" als Dachmarke, nicht so sehr auf "Bad Meinberg" allein. Denn Detmold ist nahe, Gäste der Hannover Messe suchten in Meinberg Zimmer. Also müsse die Suchfunktion im Netz entsprechend optimiert werden. Jow berichtet, dass ihre Klinik Schwerpunkte auf geronto-orthopädische Fälle und die Reha bei Hand-Krankheiten legen wird. Alle gemeinsam plädieren für ein besseres Miteinander, für frei kombinierbare Wochenendangebote rund um Handarbeiten/Yoga/Wellness/Radfahren/Wandern… Vor allem aber sind sie sich die Gesprächspartner einig: Es muss etwas Gemeinsames geschehen, es lohnt sich.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2017
Texte und Fotos von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.