Detmold. In Sachen Gastronomie und Geschäftswelt bewegt sich in der Detmolder Innenstadt zum Start des neuen Jahres so einiges: Das Grabbe Café feiert seinen Neustart mit frischem Konzept, ein Modegeschäft schließt und macht Platz für ein Geschäft mit einem ganz besonderen Konzept. Auch weitere Ladenlokale warten auf neue Ideen. Nach längerer Pause (die LZ berichtete) legt das Grabbe Café in der Straße Unter der Wehme einen Neustart hin. Mit Kira Günner (27) und Maria Maiolo (22) haben zwei neue Betreiberinnen übernommen. „Wir hatten beide den gleichen Traum, irgendwann einmal ein eigenes Café zu haben“, sagt Günner. „Ich habe schon als Kind schon immer Kochshows aus dem Fernsehen nachgespielt, und meine Eltern hatten einen Getränkehandel. Da habe ich auch das ein oder andere mitbekommen.“ Nach Detmold sei sie vor einigen Jahren für ihr Innenarchitektur-Studium gekommen. „Als Nebenjob habe ich fünf Jahre lang im Café Cup gearbeitet. Als ich Maria kennengelernt habe, war schnell klar, dass wir den gleichen Plan hatten.“ Job gekündigt fürs Grabbe Café „Ich habe schon mein ganzes Leben nebenbei in der Gastronomie gearbeitet, meine ganze Familie hat in diesem Bereich zu tun“, sagt Maria Maiolo, die zuletzt als Laborantin arbeitete. Für das Grabbe Café habe sie ihren Job gekündigt. Künftig soll das Café mehrere Generationen vereinen. „Unser Ziel ist es, mit unserem Angebot die Stadt zu beleben.“ Beim Blick ins Innere wird das schon deutlich. Nur noch von außen erinnert das Grabbe Café an frühere Tage. Drinnen bietet sich dagegen ein anderes Bild: Statt rustikaler Eichenstühle und Torten-Theke im Eingangsbereich dominieren helle Farben und moderne Möbel. „Die Räume wurden von unserer Vermieterin komplett renoviert. Die Einrichtung haben wir übernommen“, sagt Günner. Nicht nur Kaffee und Kuchen gibt es nun im Grabbe Café, die neuen Inhaberinnen können unter anderem auch mit einem Loungebereich aufwarten und servieren Cocktails. Freitags und samstags hat das Café bis 22 Uhr geöffnet. „In Zukunft wollen wir hier auch immer mal wieder Events anbieten“, sagt Günner. Zur Eröffnung am vergangenen Samstag seien bereits etliche Gäste und interessierte Besucher gekommen. Maiolo: „Das war ein richtiger Ansturm. Am Sonntag hatten wir dann unseren ersten richtigen Tag mit Frühstück. Die Tische waren durchgehend besetzt.“ Das Grabbe Café hat an allen Tagen in der Woche geöffnet. Nur mittwochs ist Ruhetag. Weinhandel geschlossen: „Es war uns eine Freude“ Kulinarischen Zuwachs bekommt die Innenstadt zudem durch ein indisches Restaurant: Das „Ghumman Biryani House“ soll am Bruchberg eröffnen. Viel Bewegung gab und gibt es außerdem in der Krummen Straße: Ende Dezember schloss dort der Weinhandel In Vino Veritas seine Türen. Mit einem Aushang bedankt sich das Team um Inhaberin Margot Schrimper bei den Kunden: „Dieser Abschied fällt uns sehr schwer, aber persönliche Gründe haben zu dieser Entscheidung geführt.“ Und weiter: „Herzlichen Dank für Euer Vertrauen, Eure Treue, Eure Unterstützung, [...] es war uns eine Freude.“ Das Ladenlokal ist zu vermieten. Weiterhin schließt das Modegeschäft Dolce Vita Moda. Letzter Öffnungstag ist der 24. Januar, aktuell läuft der Räumungsverkauf. „Das Ladengeschäft haben wir neu vermietet“, berichtet Gebäudeeigentümer Lutz Diekjobst, dessen Frau Ute Remmert-Diekjobst das Modegeschäft betreibt und sich Ende Januar von ihren Kundinnen verabschiedet. In die Räume neben der Volkshochschule zieht künftig ein ’sFachl-Store ein. ’sFachl-Store folgt auf Modeladen Eröffnet wird das neue Geschäft am 6. März von Carina Jürgensmeyer, die mit dem Konzept regionale und überregionale Kleinproduzenten nach Detmold holen und im Geschäft handgemachte, nachhaltige Produkte in den Mittelpunkt rücken möchte. „Unter dem Leitgedanken von Hand und mit viel Herz gemacht entsteht in Detmold ein Ort für kreative Menschen und tolle Ideen“, beschreibt sie das Vorhaben. In kleinen Regalflächen sollen handgemachte Produkte von Genusswaren über Designprodukte bis zu Geschenkideen angeboten werden. „Mir ist dabei besonders wichtig, die Menschen hinter den Produkten sichtbar zu machen und regionale Wertschöpfung zu stärken.“ Das ’sFachl-Konzept stammt ursprünglich aus Österreich. Es bietet Menschen mit geringem Risiko und wenig finanziellem Aufwand Verkaufsflächen, auf denen sie ihre kreativen und selbst erstellten Waren anbieten können. Mittlerweile gibt es über 30 Stores in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Jürgensmeyer ist überzeugt, dass das Konzept auch in Detmold gut ankommen wird: „Detmold ist für mich mehr als ein Standort – es ist meine Heimat. Ich bin hier verwurzelt und schätze die Mischung aus Kultur, Kreativität und starkem lokalem Miteinander. Viele Menschen interessieren sich hier für handgemachte, regionale Produkte und persönliche Geschichten.“ Genau dafür biete Detmold den richtigen Rahmen. Jürgensmeyer ist gebürtige Lipperin und war fast 20 Jahre in der Kreativbranche tätig. Der Wunsch nach beruflicher Veränderung habe sich bei ihr schrittweise entwickelt. Im Oktober 2023 besuchte sie erstmals selbst einen ’sFachl-Store. Das Konzept überzeugte sie. „Der Laden soll kein perfekter Raum sein, sondern ein authentischer Ort für Austausch, Entwicklung und Produkte mit Geschichte.“ Auch ohne klassische Erfahrungen im Einzelhandel fühle sie sich gut vorbereitet. „Die klare Struktur, der Austausch im Netzwerk und die gleichzeitige Eigenverantwortung vor Ort geben mir Sicherheit und Gestaltungsfreiheit für den Standort Detmold.“ Vier förderfähige Leerstände Nur unweit davon wird auch dem Standort des früheren Bekleidungsgeschäfts DUX neues Leben eingehaucht. Dort zieht im März erneut ein Modeladen ein. Unter dem Namen Kleidsam will Inhaberin Mara Rudolph dort Damenmode, Schmuck und auch Wohnaccessoires anbieten. In Paderborn und Warburg gibt es bereits „Kleidsam“-Geschäfte. In Detmold hatte Rudolph ihr Konzept dank einer Kooperation mit der Firma Weidmüller jüngst bereits in Form eines Pop-up-Stores in der Langen Straße erproben können. „Das Angebot kam bei den Menschen sehr gut an“, sagt Rudolph. „Ich habe selbst Familie in Detmold und war seit längerer Zeit mal wieder dort. Ich muss sagen, die Stadt hat sich echt positiv entwickelt.“ Mitte März soll Kleidsam eröffnen. Begleitet werden viele der Entwicklungen in der Fußgängerzone und den Nebenstraßen vom Team „Zukunft Innenstadt Detmold“, das Leerstände an Gründerinnen und Gründer vermittelt. Aktuell gibt es vier freie Objekte, die noch über das Landesprogramm „Zukunft Innenstadt Nordrhein-Westfalen“ gefördert werden können, teilt Ann-Christin Lüersen von „Zukunft Innenstadt Detmold“ mit. „Weitere vier Ladenlokale stehen ebenfalls zur Vermittlung, allerdings ohne Fördermöglichkeit.“ Die Landesförderung kann pro Ladenlokal nur einmal genutzt werden. Weitere leer stehende Ladenlokale, die aufgrund von Erbschaftsangelegenheiten oder aus anderen Gründen zurzeit nicht vermietet werden, sind darin nicht enthalten.