Staatsschutz ermittelt wegen "Irminsul"-Symbol auf den Externsteinen

Landesverband distanziert sich von einem „Missbrauch durch rechte Positionen“

Marianne Schwarzer

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Mittelalterliches Vorbild: Auf dem Kreuzabnahmerelief an den Externsteinen wird rechts neben dem Kreuz etwas dargestellt, das nationalsozialistische Kreise als gebeugte Irminsul interpretieren. Kunsthistoriker folgen dieser Interpretation ausdrücklich nicht. Doch seit den 1920-er Jahren steht das Symbol auf dem Relief in rechtradikalen, aber auch in esoterischen Kreisen Pate für die Irminsul. - © Jähne
Mittelalterliches Vorbild: Auf dem Kreuzabnahmerelief an den Externsteinen wird rechts neben dem Kreuz etwas dargestellt, das nationalsozialistische Kreise als gebeugte Irminsul interpretieren. Kunsthistoriker folgen dieser Interpretation ausdrücklich nicht. Doch seit den 1920-er Jahren steht das Symbol auf dem Relief in rechtradikalen, aber auch in esoterischen Kreisen Pate für die Irminsul. (© Jähne)

Horn-Bad Meinberg. Mit der weiß-rot-schwarzen Holzsäule, die am Sonntag von Unbekannten auf Fels II der Externsteine gepflanzt worden ist, beschäftigt sich jetzt der Staatsschutz in Bielefeld. Der Landesverband Lippe hat Strafanzeige gestellt, weil man hier eindeutig einen rechtsradikalen Hintergrund sieht.

Das Holzgebilde sollte offenbar eine „Irminsul" darstellen, ein heidnisches Symbol, das Karl der Große zerstört haben soll. Wie dieses Sinnbild tatsächlich ausgesehen hat, ist nicht überliefert. Aber 1929 behauptete Wilhelm Teudt in seinem Buch „Germanische Heiligtümer", das Kreuzabnahmerelief an den Externsteinen zeige mit dem gebogenen Gegenstand am Fuß des Kreuzes die Kultsäule der Sachsen. Als Symbol für den Sieg des Christentums über das Heidentum sei sie dort allerdings gebeugt dargestellt.

„Seither wird die aufgerichtete „Irminsul" sowohl in nationalsozialistischen als auch in esoterischen Veröffentlichungen immer nach diesem Vorbild gezeichnet", sagt Historiker Roland Linde. Auch die Erschaffer des Corpus Delicti aus Holz haben sich offensichtlich danach gerichtet und besonders den geschwungenen Querbalken nachgeahmt.

Für Frederic Clasmeier von der mobilen Beratung gegen Rechts hat die „Irminsul", vor allem in Verbindung mit den Farben des Deutschen Reiches, glasklar einen nationalsozialistischen Hintergrund. „Nicht von ungefähr taucht die „Irminsul" immer auf den Titelseiten der ,Nordischen Zeitung‘ auf. Das ist das Blatt der rassistischen und antisemitischen Artgemeinschaft – germanistische Glaubensgemeinschaft." In dieser pseudoreligiösen Vereinigung engagierten sich auch lippische Neo-Nazi-Größen wie Gerd Ulrich.

„Wir distanzieren uns von der Aktion und dem Objekt und verurteilen den mutmaßlichen Missbrauch des Naturdenkmals Externsteine für den Transport rechten Gedankenguts. Wir haben deshalb die Polizei eingeschaltet", sagt Anke Peithmann, Vorsteherin des Landesverbandes.

„Der Landesverband Lippe hat immer wieder eindeutig Stellung bezogen – zum einen gegen den Missbrauch der Externsteine für rechte, reaktionäre Positionen, zum anderen auch gegen wissenschaftlich nicht belegbare Deutungen der Externsteine, etwa als heidnische oder germanische Kultstätte. "

Die Benutzung des „Irminsul"-Symbols an sich ist – im Gegensatz zum Hakenkreuz – nicht strafbar, allerdings in der Kombination mit den Farben unter Umständen schon, sagt der Pressesprecher der Polizei in Bielefeld, Achim Ridder. Hier ermittele der Staatsschutz. „Hinzu kommen auch noch andere Delikte wie Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung, denen wir nachgehen."

Die Holzsäule hat Lippes Polizei sichergestellt. „Mit der Spurensuche vor Ort wird es schwierig", sagt der Polizeipressesprecher Uwe Bauer: „Der frisch gefallene Schnee macht eventuelle Versuche zunichte."

Information
Frevel Mitte der 50er Jahre

Im Jahr 1955 strichen Unbekannte das gesamte Kreuzrelief schwarz an. Lediglich das Symbol am Fuß des Kreuzes, das Nationalsozialisten als gebeugte Irminsul interpretieren, wurde silberfarben angemalt. Daneben stand „Deutschland erwache". Der Vorfall fand sich am 13. Januar 1955 in der Lippischen Landes-Zeitung wieder. Allerdings erfuhr der Leser nur eine extrem gekürzte Version der Tat, deren vermeintliche Hintergründe gleich mitgeliefert wurden: „Schändlicher Bubenstreich. In der Nacht zum Mittwoch wurde das Kreuzabnahme-Relief an den Externsteinen von Bubenhänden mit schwarzer Farbe beschmiert." Peggy Pfaff, Pressesprecherin beim Landesverband, hat von dem Frevel gehört. „Aufgeklärt wurde das aber wohl nie."

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