Gefahr für Mensch und Tier:
Giftiges Jakobskreuzkraut breitet sich rasant aus

Landwirte bekämpfen die Pflanze – Tödliche Gefahr für Pferde, Kühe und Schafe

Heidi Stork

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Schön anzusehen, aber gefährlich: Das Jakobskreuzkraut breitet sich in Lippe immer weiter aus. Die Pflanze bildet sehr viele Samen, die durch den Wind verbreitet werden. - © Heidi Stork
Schön anzusehen, aber gefährlich: Das Jakobskreuzkraut breitet sich in Lippe immer weiter aus. Die Pflanze bildet sehr viele Samen, die durch den Wind verbreitet werden. (© Heidi Stork)

Kreis Lippe. Derzeit befindet sich das Jakobskreuzkraut in voller Blüte. Doch kaum ein Betrachter ahnt, dass die sonnengelbe Blütenpracht an zahlreichen Straßenrändern Lippes eine Gefahr für Mensch und Tier darstellt.

Die Pflanze enthält leberschädigende Substanzen, die bei Weidetieren wie Rindern, Pferden, Schafen und Ziegen sogar zum Tod führen können. Zwar meiden die Tiere auf der Weide das frische Jakobskreuzkraut wegen ihrer Bitterstoffe. Doch diese Bitterstoffe verflüchtigen sich im getrockneten Zustand, während das Gift im Heu enthalten bleibt, das von den Tieren aufgenommen wird.

Information
Pyrrolizidin-Alkaloide

Im Gegensatz zum Riesenbärenklau ist das Jakobskreuzkraut eine alte heimische Pflanze. Die Giftstoffe (Pyrrolizidin-Alkaloide) reichern sich in der Leber langsam an und führen später zu chronischen Krankheitsprozessen. Die tödliche Dosis bei einem Pferd liegt bei 40 bis 80 Gramm FG (Frischgewicht der Pflanze) pro Kilogramm Körpergewicht, das entspricht etwa 14 bis 20 Kilogramm FG bei einem 350 Kilogramm schweren Islandpferd oder zwei bis vier Kilogramm im getrockneten Zustand. Da die giftigen Stoffe nicht ausgeschieden, sondern im Körper angesammelt werden, führt auch die wiederholte Aufnahme kleinerer Mengen zu einer Vergiftung. Um das Jakobskreuzkraut wirksam zu bekämpfen, muss die gesamte Pflanze mit Wurzeln ausgerissen werden.

So werden die giftigen Substanzen (Pyrrolizidin-Alkaloide) im Körper verstoffwechselt und führen zu akuten oder chronischen Vergiftungen (Leberschäden). Da diese Stoffe nicht ausgeschieden werden, sondern sich im Körper ansammeln, führt auch die wiederholte Aufnahme von kleinen Mengen zu einer Vergiftung, die tödlich verlaufen kann, da es keine Heilungsmöglichkeiten gibt.

Die rasante Ausbreitung der Pflanze stellt die Viehalter vor eine echte Herausforderung. „Wir stechen alle Pflanzen von Hand aus, egal ob auf der Weide oder am Wegesrand“, erklärt Albrecht Meyer zu Hölsen von der Reitanlage Meyer zu Hölsen. Ähnlich verfährt Schafhalterin Dörte Güth, die zudem ihr Heu von einem Landwirt bezieht, der auf seinen Flächen ähnlich konsequent vorgeht.

Martin Nagel, Betriebsleiter des Meierhofs Eben-Ezer mäht die Weideflächen seiner Milchkühe und Rinder regelmäßig aus. „Die Pflanzen dürfen auf keinen Fall zum Blühen kommen“, beschreibt er die wichtigste Bekämpfungsmaßnahme, durch die die Samenbildung der Pflanze verhindert wird.

Extensiv genutzte Weiden, Stilllegungs- und Naturschutzflächen sowie Wegränder und Böschungen stellen das größte Problem dar. Hier können die Pflanzen während der Blütezeit ungehindert eine große Anzahl an flugfähigen und ausdauernden Samen bilden und sich somit rasant ausbreiten.

Doch nicht nur Weidetiere sind durch das Jakobskreuzkraut gefährdet, denn über die Bienen kann das Gift in den Honig und damit in die menschliche Nahrung gelangen. 2009 war ein Kreuzkraut der Art Senecio vulgaris im Rucolasalat gefunden worden – die Blätter der beiden Pflanzen sehen sich sehr ähnlich.

2010 starb im Oberallgäu ein Landwirt, nachdem er die Blüten des Jakobskreuzkrauts gegessen hatte, es wird vermutet, dass er die Pflanze mit der Färberkamille verwechselt haben könnte. Aber mittlerweile stehen nicht nur diese zufälligen Verwechslungen im Fokus. Es gibt den Verdacht, dass das Kraut auch über das Getreide in die Nahrungskette gelangen könnte. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) erforscht, ob Pyrrolizidin-Alkaloiden in Nahrungsmitteln zu finden sind.

Vor Panikmache in Bezug auf den Honig warnt jedoch Dr. Werner von der Ohe, Leiter des Laves-Instituts für Bienen in Celle. „Wenn durch die im Jakobskreuzkraut enthaltenen Pyrrolizidin-Alkaloiden der Verzehr von heimischem Honig gesundheitsschädlich wäre, hätte das Bundesinstitut für Risikobewertung längst einen Grenzwert festgelegt“, betont er.

Zudem seien Frühjahrs- und Sommerhonig um diese Jahreszeit längst geerntet. Der Bienenexperte sieht in dem kontrovers diskutierten Thema eher eine gesellschaftspolitische Diskussion um einen Interessenkonflikt zwischen Vertretern der Landwirtschaft und der Naturschutzverbände.

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