Johanneskirche steht vor dem Ende

Thomas Dohna

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Die St. Johanneskirche in Leopoldshöhe hat erhebliche Mängel, die während des Baus des Gebäudes durch Fehlplanungen und mangelhafte Ausführung entstanden sind. Seit zwei Jahren ist das Gebäude aus Sicherheitsgründen geschlossen. - © Thomas Dohna
Die St. Johanneskirche in Leopoldshöhe hat erhebliche Mängel, die während des Baus des Gebäudes durch Fehlplanungen und mangelhafte Ausführung entstanden sind. Seit zwei Jahren ist das Gebäude aus Sicherheitsgründen geschlossen. (© Thomas Dohna)

Leopoldshöhe. Beim Bau der katholischen Johanneskirche an der Herforder Straße sind erhebliche Fehler gemacht worden. Zu diesem Schluss kommt nun ein Gutachten, das der katholischen Kirchengemeinde und ihrem Architekten vorliegt. Die Sanierungskosten betragen mehrere hunderttausend Euro. Ein Betrag, der die finanzielle Leistungsfähigkeit der Gemeinde deutlich übersteigt.

Die seit Ende 2014 geschlossene Johanneskirche, ein ehemaliges architektonische Schmuckstück in Leopoldshöhe, stellt ein stilisiertes Schiff dar. Doch das Dach dieses Schiffes ist undicht und nicht fachgerecht gebaut worden, hält das Gutachten fest. „Kalte Luft strömt durch Leckagen in die Decke ein", sagen Pfarrer Michael Karsten und Hans-Joachim Prüssner, Architekt der Gemeinde. Dabei scheint das Wort „Leckagen" fast eine Beschönigung zu sein.

Fotos zeigen mehr als faustgroße Löcher, durch die im Winter kalte Luft ungehindert in den Raum zwischen dem eigentlichen Dach und der abgehängten Decke strömt. In Verbindung mit der von unten aufsteigenden warmen Luft bildet sich Kondenswasser. Und diese Feuchtigkeit ließ großflächig Schimmel wachsen – einer der Gründe, warum die Kirche Ende 2014 geschlossen werden musste.

Die offenbar während des Baus der Kirche offengelassenen Löcher sind nicht der einzige Mangel. Die Oberlichtverglasung sei zu gering geneigt. Deren Einfassung sei nicht UV-beständig, so dass Wasser in die Oberlichter eindringt. „Wir schützen sie zurzeit mit einer Folie, die jährlich ausgetauscht werden muss", sagt Pfarrer Karsten.

Das Dach selbst ist ebenfalls zu gering geneigt. „Auch das ist, wie vieles andere, nicht regelgerecht", sagt Karsten. Die Falze des Zinkblechs liegen quer zur Fließrichtung des Wassers, das sich dann an den Falzen staut. Das Blech ist direkt auf die Dachpappe moniert. Die Folge: Zinkkorrosion – die Bleche lösen sich auf. Eine genaue Untersuchung steht noch aus.

Des Weiteren ist die Wetterseite der Fassade von Pilzen und Algen befallen. „Das ist ein Schönheitsmangel", sagt Pfarrer Karsten. Und Folge eines weiteren Pfuschs: Die auf den Mauerkronen liegenden Bleche haben einen zu geringen Dachüberstand, stellt der Gutachter fest. Sie müssten 2,5 Zentimeter über die Wand ragen, tun sie aber nicht. Architekt und Pfarrer sind sich einig: Die Arbeiten beim Bau der Kirche seien offenbar nicht ausreichend überwacht worden.

Die katholische Kirchengemeinde steht nun vor einem Problem: Der bisherige Kostenrahmen von 360.000 Euro für die Sanierung der Kirche werde nicht ausreichen, sagt Pfarrer Karsten.

Das Paderborner Bistum habe zwar eine Förderung von 70 Prozent der Kosten für die Sanierung der Kirche und 40 Prozent für die Sanierung des Gemeindehauses zugesagt, die Gemeinde könne allerdings nur den Eigenanteil für einen ersten Bauabschnitt aufbringen, der zwischen 150.000 und 200.000 Euro an Kosten liegen werde. Mehr ginge nicht.

Der Kirchenvorstand habe deswegen Ende 2014 beschlossen, die Kirche aufzugeben. Nach einem Gespräch mit dem Generalvikariat ruhe der Beschluss, bis der Prozess zur Bildung des zukünftigen Pastoralen Raums abgeschlossen und der Bedarf an Kirchengebäuden ermittelt worden ist.

Es sei jedoch auch die Zeit gekommen, über eine Nachnutzung der Kirche nachzudenken, sagt Pfarrer Karsten: „Ideal wäre es, wenn eine andere christliche Gemeinde Kirche und Pfarrheim kaufen würde."

Chronik

1943/44

Es beginnen die ersten katholischen Gottesdienste in der Privatwohnung von Familie Zumbach. Vor Kriegsende gibt es nur drei katholische Familien in 
Leopoldshöhe.

1946
Die ev.-ref. Kirchengemeinde gewährt in ihrer Kirche einen katholischen Gottesdienst am Sonntagnachmittag. Der Wunsch nach eigenen Räumen wird laut.

1949
Das Gasthaus an der Hauptsraße 6 wird erworben. Der Umbau zur „Notkirche" kostet 17.347 Mark.

1987
Ein Feuer durch Brandstiftung verursacht erheblichen Schaden. Eine vollständige Renovierung ist nicht möglich. Ein Bauplatz wird gekauft

1996
Der Entwurf des Architekten Prof. Baumewerd aus Münster gewinnt den Ideenwettbewerb.

1. März 2000
Der Neubau der Kirche beginnt

30. Juni 2002
Das Kirchengebäude wird feierlich eingeweiht.

Oktober 2014
Die St. Johanneskirche wird wegen Baufälligkeit geschlossen.

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