Initiative für Sternenkinder und Frühchenwunder

David Schellenberg

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Es wird viel gebraucht: Nadine Boger (links) und Alexandra Müller von der Initiative „Sternenzauber und Frühchenwunder" organisieren für Ende Januar eine große Nähaktion in Höxter. Dafür werden noch Stoffspenden benötigt. - © David Schellenberg
Es wird viel gebraucht: Nadine Boger (links) und Alexandra Müller von der Initiative „Sternenzauber und Frühchenwunder" organisieren für Ende Januar eine große Nähaktion in Höxter. Dafür werden noch Stoffspenden benötigt. (© David Schellenberg)

Lügde/Höxter. Wenn das Herz des Ungeborenen im Bauch der Mutter aufhört zu schlagen, ist das für die werdenden Eltern ein kaum beschreibares, traumatisches Erlebnis. Hinzu kommt, dass ihnen kaum ein Andenken an das Kind bleibt, weil es – wenn überhaupt – nur Krankenhauskleidung an hatte. Dies will die Aktion „Sternenzauber und Frühchenwunder" ändern. Sie kümmert sich zugleich um Babys, die vor der 37. Schwangerschaftswoche geboren werden.

Obwohl nach Schätzungen rund 30.000 Kinder in Deutschland während der Schwangerschaft, Geburt oder kurz danach sterben, sei dies immer noch ein Tabuthema, sagt Alexandra Müller aus Hummersen, die in Höxter das Stofflädchen „Stoffträume" führt. Die Mutter weiß genau, wovon sie redet – sie hat es selbst erlebt. Gemeinsam mit Nadine Boger aus Rischenau, auch dreifache Mutter, die ebenfalls ein Kind in der Schwangerschaft verloren hat, engagiert sie sich in der Initiative „Sternenzauber und Frühchenwunder".

Beide Mamas haben zudem Frühchen zur Welt gebracht. Ihnen ist aufgefallen, dass es in dieser schwierigen Situation vor allem an Kleidung fehlt. Nichts, was es in Babyläden zu kaufen gebe, passt einem Kind, das kaum größer ist als Papas Hand. Zudem haben die Eltern in solchen Momenten weder Zeit noch Kraft, sich darum zu kümmern. Mit direkter Hilfe will die Initiative helfen, die zurzeit in Deutschland, Österreich und Luxemburg 581 Mitglieder hat.

„Wir nähen und stricken Babysachen in kleinen Größen, die wir an die Krankenhäuser und die betroffenen Eltern weitergeben", erklärt Alexandra Müller. Dazu zählen Strampler, Hosen, Jäckchen, Mützen und Schuhe im Miniformat. Auch farbenfrohe Decken für den Inkubator gehören dazu. Denn dank der heutigen medizinischen Technik können schon Babys mit einem Geburtsgewicht von 500 Gramm überleben – doch die Krankenhauskleidung ist meist schlicht weiß.

Die Initiative, die in Deutschland derzeit mit rund 170 Krankenhäusern, darunter auch der Frühchen-Station des St.-Ansgar-Krankenhauses Höxter zusammenarbeitet, will den Familien in dieser ungewissen Zeit helfen und das Leben ein klein wenig bunter machen.

Erst seit Mai 2013 gelten in Deutschland auch Kinder, die mit einem Gewicht von weniger als 500 Gramm geboren werden, als Menschen. Konkret bedeutet das, dass auch diese Kinder ins Familienstammbuch eingetragen werden können und damit auch offiziell einen Vornamen bekommen. Erst damit können Eltern ihre Babys auf Wunsch auch beerdigen.

Damit die ehrenamtliche Initiative so viele Krankenhäuser wie möglich erreicht, hat sie ihre Arbeit aufgeteilt. So sammelt Alexandra Müller in Höxter die Stoffreste, die Nadine Boger zuschneidet. Dann werden die Schnitte per Post an die freiwilligen Näherinnen in ganz Deutschland verschickt. Von dort aus gehen die Sachen in mehrere Zentrallager, wo sie auf Abruf den Krankenhäusern oder betroffenen Eltern binnen kürzester Zeit zur Verfügung gestellt werden. „Kostenlos", wie Müller ausdrücklich betont.

Eine wichtige Aufgabe sieht die Initiative auch darin, noch viele weitere Krankenhäuser mit ins Boot zu holen. Deshalb werden auch kleine, sogenannte Vorstellungspakete mit Sachen gepackt und an die Kliniken versandt. „Wir müssen noch viel Überzeugungsarbeit leisten", sagen Alexandra Müller und Nadine Boger, denen die Gruppe in der schwierigen Zeit sehr geholfen hat.

Große Nähaktion am Samstag in Höxter

Im Stofflädchen „Stoffträume" an der Westerbachstraße in Höxter findet am Samstag, 28. Januar, ab 13 Uhr eine große Nähaktion statt. Dafür reisen sogar Mitglieder der Initiative aus Hamburg und dem Rheinland an. Damit viele kleine Kleidungsstücke genäht und gestrickt werden können, hoffen Alexandra Müller und Nadine Boger auf viele Stoffspenden im Vorfeld.

„Selbst kleine Reste können wir verarbeiten", sagt Boger. Aber auch feine Stoffe wie gut erhaltene Hochzeitskleider sind gefragt. Die Braut erhält in diesem Fall eine Nachricht, was aus ihrem Kleid entstanden ist. Willkommen sind auch Wolle, Bastelmaterial für Karten, Knöpfe, Perlen und Bündchen. Wer gern näht oder strickt, kann sich ebenfalls an die Gruppe wenden.

Auch Geldspenden sind willkommen, denn zurzeit finanzieren die Mitglieder alle zusätzlichen Aufwendungen wie beispielsweise den Postversand selbst. Informationen gibt es unter www.facebook.com/sternchenundfruehchen und per E-Mail unter sternenzauber.fruehchenwunder@gmail.com.

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