Getötete Julia R.: 1. Prozesstag beschäftigt sich mit Vergangenheit des Täters

Gunter Held

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Großes Medieninteresse: Dieter O. sitzt zwischen seinem Verteidiger Carsten Ernst und dem Justizangestellten Reinhard Kleesiek. Fotografen und Kameramänner lichten den 22 Jahre alten Mann aus Oerlinghausen ab. - © Gunter Held
Großes Medieninteresse: Dieter O. sitzt zwischen seinem Verteidiger Carsten Ernst und dem Justizangestellten Reinhard Kleesiek. Fotografen und Kameramänner lichten den 22 Jahre alten Mann aus Oerlinghausen ab. (© Gunter Held)

Oerlinghausen / Detmold. Als Dieter O. (Name geändert) den Saal im Detmolder Landgericht betritt, klicken die Fotoapparate und es surren die Kameras. Das Medieninteresse an dem 22-Jährigen ist groß. Er hat bereits gestanden, seine zehn Jahre ältere Freundin Julia R. getötet zu haben. Auf deren Wunsch, wie der Oerlinghauser vor dem Prozess aussagte. Diesen Tod auf Verlangen glaubt ihm die Staatsanwaltschaft Detmold, vertreten durch Kristoffer Mergelmeyer, nicht.

O. macht einen in sich gekehrten Eindruck. Er stellt sich den Kameras, stiert vor sich hin. Sein schwarzes, mittellanges Haar trägt er in der Mitte gescheitelt, auf der Oberlippe sprießt ein spärliches Bärtchen. Es scheint fast so, als ob es ihn männlicher erscheinen lassen soll. Sein Verteidiger, Carsten Ernst aus Bielefeld, sagt, dass ihm sein Mandant vorkäme, als ob er nicht in der Lage sei, dem Prozess zu folgen. Der Vorsitzende Richter Karsten Niemeyer schlägt daraufhin vor, dass der Angeklagte sich zunächst zu seiner Person äußern solle. Dann könne man weitersehen.

Dieter O. berichtet von einer behüteten Kindheit in Oerlinghausen. Er habe noch vier ältere Geschwister. Von seinen Brüdern weiß er das Alter, 25 und 34 Jahre. Von den Schwestern „weiß ich das Geburtsdatum, aber nicht das Alter", sagt er. Er habe „ein harmonisches Leben" gehabt, habe zwar spät begonnen zu sprechen, dann aber nach einer Sprachförderung eine normale Schule besuchen können und sei schließlich zur Realschule in Schloß Holte-Stukenbrock gegangen. Die habe er auch abgeschlossen.

In der achten Klasse habe er angefangen, Drogen zu nehmen: Marihuana, Pilze, Ecstasy, später auch LSD. Regelmäßig habe er auch Alkohol getrunken. Bier und Whiskey. Dadurch sei ihm auf dem Berufskolleg „die Schule aus dem Fokus geraten". Er brach ab und bekam eine Ausbildungsstelle als Kfz-Mechatroniker in Asemissen. Darüber sei er froh gewesen und habe zunächst den Drogenkonsum reduziert.

Auch durch die Beziehung zu Julia R. „habe ich nicht mehr so viel gekifft". Doch die Drogen waren stärker. Er sei oft zu spät zur Arbeit gekommen. Schließlich wurde ihm fristlos gekündigt. O. erzählt das alles leise, stockend und mit großen Pausen. „Ich versuche, so wenig wie möglich an die Vergangenheit zu denken."

Zum Schluss seiner Ausführungen sagt Dieter O.: „Ich weiß, ich habe ein Menschenleben genommen. Ich möchte kein Mitleid." Dann wird die Verhandlung unterbrochen. In der Pause berichtet O. seinem Verteidiger, dass er nach einem LSD-Trip mit einem Freund Stimmen gehört habe. Der Herrscher eines Paralleluniversums habe ihm Befehle erteilt. Als dann seine Freundin zwei-, dreimal gesagt hatte, dass sie sterben möchte, habe er das für bare Münze genommen, erklärt Ernst auf Nachfrage.

Der psychologische Gutachter Bernd Roggenwallner stellt fest, dass der Angeklagte psychopathologisch nicht auffällig sei. Richter Niemeyer entscheidet, mit der Vernehmung der Zeugen weiterzumachen. So schildert Rechtsmediziner Bernd Karger aus Münster, dass es aufgrund der Verwesung unmöglich gewesen sei, an der Leiche eine Todesursache festzustellen. Die Verletzungen, die O. jedoch am linken Arm gehabt habe, könnten auf eine Gegenwehr des Opfers hindeuten.

Der Prozess wird Mittwoch ab 9 Uhr vor dem Landgericht fortgesetzt.

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