Kirchen in OWL bremsen Austrittswelle

Matthias Bungeroth

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Leere Plätze: Die Marktkirche in Hannover. - © dpa
Leere Plätze: Die Marktkirche in Hannover. (© dpa)

Bielefeld/Paderborn/Detmold. Die Mitgliederzahlen der beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland sind im vergangenen Jahr weiter gesunken, wenn auch mit geringerem Tempo. Ein ähnliches Bild gibt es auch in Ostwestfalen-Lippe.

„Die Zahl der Kirchenaustritte sinkt zum Glück wieder", sagt der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker auf Anfrage.

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Rekord bei Steuereinnahmen

Die Kirchen vermelden, 2016 so viel Kirchensteuern erhalten zu haben wie noch nie, nämlich insgesamt knapp 11,6 Milliarden Euro (2015: 11,46).
Davon erhielt die katholische Kirche 6,146 und die evangelische 5,454 Milliarden.

Aus der katholischen Kirche traten im Vorjahr 162.093 Menschen aus. Das sind nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) 19.832 Menschen und rund elf Prozent weniger als 2015 (181.925). Es gab zum Jahreswechsel 23,58 Millionen Katholikinnen und Katholiken in Deutschland.

„Natürlich schmerzt jeder Weggang, der nicht unbedingt eine Absage an den christlichen Glauben bedeutet", so Erzbischof Becker. Das Erzbistum Paderborn zählte im Vorjahr 1.538.240 Katholiken in 688 Pfarreien. Es gab 7.408 Kirchenaustritte, 161 Eintritte und 296 Wiederaufnahmen. „Seit nunmehr sieben Jahren ist die Zahl der Taufen mit circa 10.000 erfreulich hoch", so Becker.

Die katholische Kirchenvolksbewegung „Wir sind Kirche" bezeichnete die Zahlen der Kirchenaustritte indes als „immer noch erschreckend hoch und nicht nur durch demografische Faktoren zu erklären".

Die Zahl der Protestanten lag nach Angaben der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) Ende 2016 bei 21,9 Millionen. Ihre Zahl ging um 190.000 zurück. Das sind zehn Prozent weniger als im Vorjahr, in dem die Verluste bei 210.000 Personen lagen.

EKD-Vizepräsident Thies Gundlach sagte, die evangelische Kirche werde auch in Zukunft nicht um Strukturdebatten herumkommen. Er brachte zugleich die Sorge zum Ausdruck, dass die Kirche nicht mehr die jüngeren Generationen erreiche. Dies sei „sehr traurig und ein existenzielles Problem für unsere Kirche und den Glauben".

In der Evangelischen Kirche von Westfalen ging die Zahl der Mitglieder um 1,6 Prozent auf rund 2,28 Millionen zurück. Die Zahl der Austritte sank um 12,2 Prozent auf 13.831. Allerdings traten auch 3,1 Prozent weniger in die Kirche ein (2.185).

Rund 163.000 Menschen gehörten Ende 2016 der Lippischen Landeskirche an.

Dennoch sei der Rückgang der Mitgliederzahl spürbar, heißt es in einer Mitteilung. Ein Jahr zuvor zählte die Lippische Landeskirche noch rund 166.000 Mitglieder – ein Rückgang von etwa zwei Prozent. 1.125 Menschen traten aus. Es gab 162 Wiedereintritte und Aufnahmen sowie 1.210 Taufen.

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