100-köpfige Delegation des Landestheaters bricht in die Schweiz auf

Dort zeigen die Detmolder Bühnenkünstler vier Vorstellungen der Lortzing-Oper „Zar und Zimmermann“

Barbara Luetgebrune

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Gleich geht’s los: Sängerin Brigitte Bauma, die in „Zar und Zimmermann" die Witwe Browe gibt, verabschiedet sich von ihrem Mann Johannes Harten (Bühnentechnik), der nicht mit in die Schweiz reist. Links im Bild: Ballettdirektor und Choreograf Richard Lowe. - © Bernhard Preuß
Gleich geht’s los: Sängerin Brigitte Bauma, die in „Zar und Zimmermann" die Witwe Browe gibt, verabschiedet sich von ihrem Mann Johannes Harten (Bühnentechnik), der nicht mit in die Schweiz reist. Links im Bild: Ballettdirektor und Choreograf Richard Lowe. (© Bernhard Preuß)

Detmold. Auf den Fluren des Landestheaters geht es zurzeit sehr ruhig zu – leer ist es geworden im Haus. Der Grund: Das mehr als 100 Personen zählende Ensemble der Produktion „Zar und Zimmermann" ist am Mittwoch zu einer mehrtägigen Gastspielreise aufgebrochen. Im rund 700 Kilometer entfernten Theater Winterthur in der Schweiz stehen vier Vorstellungen der Lortzing-Oper auf dem Plan.

Abstecher sind am Landestheater Detmold, der größten Reisebühne Europas, an der Tagesordnung. Entfernung, Länge und der Aufwand, der mit einer Tour ins Ausland verbunden sind, machen die aktuelle Reise jedoch zu etwas Besonderem. „Der Zoll will alles wissen, was wir im Gepäck haben – vom Kleinstrequisit über Instrumente, die mit Elfenbein versehen sind, bis hin zum Haarspray", sagt Intendant Kay Metzger.

Warum nimmt das Landestheater den hohen Aufwand in Kauf? „Das Theater Winterthur ist die renommierteste Gastspielbühne in der Schweiz, die Leitung kauft viele Produktionen von sehr großen Häusern ein. Davon, dass wir dort spielen, profitiert unser Marktwert ganz entscheidend", sagt Metzger. Das stärke die Stellung des Landestheaters auf dem umkämpften Gastspielmarkt. „Wir merken das etwa, wenn wir auf den großen Messen darauf angesprochen werden, dass wir auch in Winterthur spielen."

Und das tun die Detmolder nun zum dritten Mal. 2015 waren sie mit der „Fledermaus" in der Schweiz, im Jahr davor mit „West Side Story". Wie ist der Kontakt ursprünglich entstanden? „Das war eine Empfehlung des Mühlheimer Dramaturgen Robert Ciulli", erzählt Metzger. „Er hat der Theaterleitung in Winterthur gesagt: ,Wenn Sie Musiktheater wollen, müssen Sie auf Detmold setzen. Das sind die Besten.‘"

Die Schweizer Theatermacher, die die gesamten Aufwendungen inklusive Nebenkosten wie Übernachtungen tragen, wählen jeweils aus dem Detmolder Spielplan aus, was sie ihrem Publikum präsentieren wollen. „Produktionen aus dem großen Opernrepertoire wie aktuell unsere ,Meistersinger‘ kommen eher nicht in Frage", sagt Metzger. „Das kann ich auch nachvollziehen: Zürich ist nicht weit entfernt, und das Haus dort setzt sehr stark auf diese große Literatur."

Mit drei Bussen sind Solisten, Chorsänger, Orchestermusiker, Tänzer und Statisten gestern in die Schweiz aufgebrochen. Auch das Regie-Team ist vertreten – und natürlich die Technik. Natürlich sei eine solche Tour anstrengend, so Metzger – „aber von der menschlichen Seite her ist es auch schön. In Winterthur sind alle unglaublich gastfreundlich, vom Solisten bis hin zum Bühnentechniker."

Der Intendant wird seinem Ensemble am Freitag nachreisen, um die Freitagsvorstellungen zu sehen. Und um Gespräche zu führen, damit die Abstecher nach Winterthur auch künftig auf dem Detmolder Spielplan stehen. Für 2017/18 ist das Landestheater bereits gebucht, dann reist das Ensemble mit der „Czárdásfürstin" in die Schweiz.

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