Detmold. Im Mai 1816 verbringt die 18-jährige Mary Shelley mit Bekannten einige Wochen am Genfersee - doch die Gruppe kann aufgrund schlechten Wetters die meiste Zeit über das Haus nicht verlassen. Um sich bei Laune zu halten, beschließen sie, Schauergeschichten zu schreiben und einander vorzutragen. Was dabei herauskam: der Grundstein für Shelleys berühmten Roman, der zwei Jahre später erscheinen würde: „Frankenstein oder: Der moderne Prometheus.“
Premiere im Grabbe-Haus
Die Geschichte ist längst in den Literaturkanon eingegangen, inspirierte eine Vielzahl an Adaptionen und ist aus der modernen Popkultur nicht mehr wegzudenken. In Detmold inszeniert Goldie Röll die Geschichte von „Frankenstein“ im Grabbe-Haus, Dramaturgie: Magdalena Brück. Premiere ist am Samstag, 17. Januar, um 19.30 Uhr. Die Ausstattung stammt von Naomi Kean.
Im Roman ist der junge Wissenschaftler Victor Frankenstein umtrieben von einer der größten Fragen seines Faches: Worin liegt das Geheimnis des Lebens? Besessen von der Idee, tote Materie zu beleben, setzt er aus verschiedenen Körperteilen einen neuen Menschen zusammen und versucht, diesen zum Leben zu erwecken. In einer stürmischen Nacht gelingt es ihm endlich - doch der Anblick des Wesens verstört und ängstigt den jungen Frankenstein, und er flieht vor seiner eigenen Schöpfung. Das Monster ist nun in dieser Welt, die es nicht kennt, ganz allein - und sucht in seiner Einsamkeit und Verzweiflung Rache
Monster oder sensibles Geschöpf?
Handelt es sich um ein dämonisches Monster, geschaffen durch Hybris und zwanghaften Forscherdrang? Oder ist dieses ohne eigenes Zutun in die Welt gesetzte Wesen nicht auch ein verletzliches, sich nach Liebe, Zuneigung und Freundschaft sehnendes Geschöpf?
Vom Prometheus-Mythos der Antike, über die alchemistischen Versuche des Mittelalters bis zu den nicht nur verheißungsvollen Möglichkeiten der Jetzt-Zeit, in der Gentechnik, Biotechnologie und Künstliche Intelligenz rasante Fortschritte machen: der Wunsch, einen künstlichen Menschen zu schaffen, zieht sich durch die Geschichte und ist heutzutage wohl brisanter denn je.
Der Erfolg des Romans ist nicht nur seiner blumigen Sprache und seinen gleichzeitig schaurigen Bildern zuzuschreiben, sondern vor allem der Allgemeingültigkeit seiner Themen von Macht, Gier, Verantwortung, Gemeinschaft, Isolation und Empathie: Über Jahrhunderte hinweg lässt die Geschichte von Frankenstein und seinem Monster sich immer und immer wieder neu erzählen.
Weitere Vorstellungen
Weitere Vorstellungen des Stücks mit Maja Grahnert, Leonard Lange, Alexandra Riemann, Sebastian Zumpe sind am Dienstag, 20., Samstag, 24., Sonntag, 25., Freitag, 30., Samstag 31. Januar, Sonntag, 8., und Samstag, 21. Februar, Sonntag, 1. März sowie Sonntag, 12. April, jeweils ab 19.30 Uhr. Als Zusatzveranstaltung rund um die Premiere findet „NachSpiel - das Publikumsgespräch“ am Sonntag, 25. Januar, statt.
Tickets gibt es unter Tel. (05231) 974-803 und auf www.landestheater-detmold.de