Torunfall-Prozess: Urteil rechtskräftig - Staatsanwaltschaft verzichtet auf Revision

Volker Dierk von FC Augustdorf freut sich, dass die Detmolder Staatsanwalt den Freispruch akzeptiert

Erol Kamisli

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- © Archivfoto: Gerstendorf-Welle
Torunfall (© Archivfoto: Gerstendorf-Welle)

Kreis Lippe. „Schuldig", „schuldig", dann Revision und am Ende ein Freispruch – der fast vier Jahre dauernde Prozessmarathon zum „Augustdorfer Torunfall" hat für Volker Dierk, damaliger Jugendobmann des FC Augustdorf, nun ein glückliches Ende. Die Staatsanwaltschaft Detmold verzichtet auf eine erneute Revision und akzeptiert den Freispruch vom September – damit ist das Urteil rechtskräftig.

„Ich bin wirklich erleichtert, dass dieser Albtraum endlich ein Ende hat", sagt Dierk, der von dieser Zeitung über die Revisionsverzicht der Detmolder Staatsanwaltschaft erfuhr. „Der tragische Torunfall im Januar 2013 hat mich wirklich sehr viele Nerven gekostet" sagt der 45-Jährige. Er sei sich immer sicher gewesen, dass ihn keine Schuld treffe. „Ich habe ein reines Gewissen und hätte auch eine weitere Verhandlung, trotz der hoher Belastungen, durchgestanden."

Auch sein Verteidiger Jann Henrik Popkes aus Schlangen ist zufrieden: „Es freut mich, dass die Staatsanwaltschaft den Freispruch des Detmolder Landgerichts endlich akzeptiert. Mein Mandant musste in der Vergangenheit schwere Wochen und Monate durchstehen."

Freispruch ist rechtskräftig: Volker Dierk (rechts) mit seinem Anwalt Jann Henrik Popkes nach dem Urteil am Landgericht. - © Archiv: Dirk-Ulrich Brüggemann
Freispruch ist rechtskräftig: Volker Dierk (rechts) mit seinem Anwalt Jann Henrik Popkes nach dem Urteil am Landgericht. (© Archiv: Dirk-Ulrich Brüggemann)

Er glaube nicht, dass die Familie des verletzten Jungen nun zivilrechtliche Schritte gegen Volker Dierk einleite. „Aus meiner Sicht müsste sich die Familie des Jungen beim Thema Schmerzensgeld an die Kommune oder die Betreuer, die für die Mannschaft des Jungen verantwortlich waren, wenden", erklärt Rechtsanwalt Popkes. Doch jetzt freue er sich erst einmal über den rechtskräftigen Freispruch und die Einsicht der Detmolder Staatsanwaltschaft.

„Wir haben uns nach eingehender und intensiver Überprüfung der Urteils entschlossen, nicht weiter mit einer Revision am Oberlandesgericht in Hamm gegen den Freispruch vorzugehen", sagt Oberstaatsanwalt Ralf Vetter. Angesichts der lediglich im Raum stehenden Geldstrafe mit Bewährung sowie der Tatsache, dass der Unfall nunmehr bereits fast vier Jahre zurück liege, „erscheint eine Revision weiterer Rechtsmittel nicht mehr verhältnismäßig."

Das Landgericht Detmold hatte im September in einem Revisionsprozess Volker Dierk, vom Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung freigesprochen. Der 45-Jährige war zuvor vom Amts- und Landgericht schuldig gesprochen und zu einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu je 50 Euro mit Strafvorbehalt verurteilt worden.

In den vorangegangenen Prozessen war Dierk die Schuld für einen Unfall angelastet worden, bei dem im Januar 2013 ein damals elfjähriger D-Jugend-Fußballspieler durch ein umkippendes Tor schwer verletzt wurde. Noch heute leidet der mittlerweile 15-Jährige unter den Folgen dieses Unfalls.

Kommentar: "Schlussstrich nach vier Jahren"

von Martin Hostert

Die Staatsanwaltschaft tut gut daran, nicht gegen den Freispruch vorzugehen. Sie hatte damals gute Gründe, das Verfahren einzuleiten – und nun hat sie ebenso gute Gründe, es für beendet zu erklären.

Endlich zieht sie also einen Schlussstrich und verzichtet auf Revision. Nach fast vier Jahren ist der schlimme Unfall, wobei ein damals elfjähriger Junge in Augustdorf durch ein umkippendes Tor schwer verletzt worden war, strafrechtlich abgeschlossen.

Jugendbetreuer Volker Dierk hatte stets großes Mitgefühl mit dem Jungen gezeigt und sich gleichzeitig nie aus einer Verantwortung gestohlen. Er wollte aber wissen, wo diese denn hätte liegen können. Gerade deswegen, und auch, um einen Nachgeschmack durch Akzeptanz einer Geldauflage zu vermeiden, hatte der Augustdorfer immer auf ein Urteil gedrängt.

Er hatte sich im Januar 2014 nicht mit einer Einstellung des Verfahrens einverstanden erklärt, hatte Revision gegen einen Schuldspruch des Landgerichtes eingelegt und war im September freigesprochen worden. Jetzt, kurz vor Ablauf der Revisionsfrist, verschwindet endlich das letzte Fragezeichen hinter diesem Freispruch.

Volker Dierk kann tief durchatmen. Seine Beharrlichkeit verdient Anerkennung. Bleibt zu hoffen, dass die Erwartung der Staatsanwaltschaft, dass sich ähnliche Unfälle nicht wiederholen mögen, in Erfüllung geht.

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