Deutsch-britisches Ministertreffen in der Augustdorfer Senne

Matthias Bungeroth

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Gut gelaunt im Sennesand: Die Verteidigungsminister Gavin Williamson (Großbritannien) und Ursula von der Leyen (Deutschland) unterzeichneten ein Kooperationsabkommen. - © Bernhard Preuß
Gut gelaunt im Sennesand: Die Verteidigungsminister Gavin Williamson (Großbritannien) und Ursula von der Leyen (Deutschland) unterzeichneten ein Kooperationsabkommen. (© Bernhard Preuß)

Augustdorf. Es ist ein strahlender Tag, als der Helikopter der Luftwaffe auf dem Gelände des Truppenübungsplatzes in der Senne landet. An Bord: die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und ihr britischer Amtskollege Gavin Williamson. Ob der guten Rahmenbedingungen nimmt es die oberste Dienstherrin der deutschen Streitkräfte auch mit Humor, dass ihre Schuhe beim Betreten des Bodens mehr Bekanntschaft mit dem Sennesand machen müssen, als die Organisatoren geplant hatten.

Der Helikopter hatte einige hundert Meter neben dem als Landeplatz vorgesehenen, mit Gras bewachsenen Areal aufgesetzt. Von der Leyen lässt sich davon nicht beirren. Steht doch ein Treffen unter befreundeten Nationen und NATO-Partnern an, von dem positive Signale ausgehen sollen.

Fotostrecke: Deutsch-britisches Ministertreffen - Ursula von der Leyen in Augustdorf

„Das ist ein ausgesprochen wichtiger Moment", sagt von der Leyen, nachdem sie und ihr Amtskollege ein Papier unterzeichnet haben, das die militärische Partnerschaft beider Länder für die nächsten Jahre festschreibt. Um zu zeigen, dass die Kooperation gegenwärtig bereits hervorragend funktioniert, haben Soldaten beider Streitkräfte zuvor gemeinsam eine Übung absolviert, bei der auch schwere Panzer zum Einsatz kommen.

»Das ist für uns ein großer, wichtiger Truppenübungsplatz«
„Schulter an Schulter haben britische und deutsche Soldaten diese Übung gemeistert", sagt von der Leyen danach anerkennend. Die Armeen beider Länder gewährleisteten den Schutz der Bevölkerung und verteidigten deren Freiheit. „Uns ist es wichtig, gerade in Zeiten des Brexit zu zeigen, dass die Zusammenarbeit unverändert weitergeht", sagt die Verteidigungsministerin.

Dies werde sich insbesondere auch auf dem Truppenübungsplatz in der Senne zeigen. „Das ist für uns ein großer, wichtiger Truppenübungsplatz und ein wichtiger Platz für NATO-Übungen allgemein", so von der Leyen. Sie betont, dass die Briten auch künftig „selbstverständlich das Hausrecht" auf dem Areal haben werden, sagt zugleich aber auch zu, Deutschland werde in den kommenden Jahren rund 46 Millionen Euro in diesen Standort investieren.

„Die Welt ist gefährlicher geworden", stellt von der Leyens Amtskollege Williamson fest. Deshalb müsse die Kooperation zwischen britischen und deutschen Militärs verbessert werden, so der konservative Politiker. „Großbritannien hat immer eine große Rolle in der Europäischen Sicherheit gespielt", sagt Williamson. Das werde man auch künftig so fortsetzen. „Unsere Absicht ist, das Training mit Deutschland zu vertiefen."

Großbritannien werde nach dem Abzug der Streitkräfte aus Deutschland eine Basis von 200 Militärs und darüber hinaus zivilen Kräften am Standort Sennelager unterhalten, bekräftigt der Verteidigungsminister Meldungen vom August. Zu Trainingszwecken sollen dann immer wieder Militärkontingente um die 2.000 Soldaten auf den Truppenübungsplatz Senne kommen.

Als zunehmend wichtiges Handlungsfeld machen von der Leyen und Williamson den Cyberbereich aus. „Unsere britischen Freunde sind exzellent in der Verteidigung des Cyberwesens", sagt von der Leyen. Fachleute beider Länder müssten auf diesem Gebiet eng zusammenarbeiten. „Wir sehen, dass Cybertechnik keine Grenzen hat", analysiert Williamson. Sie nehme immer mehr Einfluss auf traditionelle Einheiten des Militärs. „Geschützte Fahrzeuge sind rollende Software", nennt von der Leyen ein Beispiel. Es gehe darum, dass Militärs auch künftig gut verschlüsselt miteinander kommunizieren könnten, ohne dass ein Gegner mithören könne. „Das ist überlebenswichtig", sagt von der Leyen, bevor beide Minister die Senne wieder verlassen.

Die Senne braucht Stabilität

Kommentar von Matthias Bungeroth

Es war ein Treffen in politisch unruhigen Zeiten, das Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen und ihr britischer Amtskollege nach Minden und Augustdorf führte. Während von der Leyen Gegenwind wegen der Ausrüstungsmängel in der Bundeswehr und der Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien spürt, muss ihr Amtskollege Gavin Williamson den NATO-Partnern Signale des Vertrauens aussenden, die bis in die Zeit nach einem Brexit hineinwirken.

Das Gespräch unter Freunden war für beide eine fast erholsame Aufgabe. Der Truppenübungsplatz in der Senne bleibt militärisches Übungsgelände der NATO, ist ihre Botschaft. Den Militärs obliegt damit weiter hohe Verantwortung für den Erhalt dieses einmaligen Naturraums. Die Senne braucht Stabilität.

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