Augustdorf. Wenn Ute Krause über das Schulgelände geht, ist sie nicht lange allein. Kinder kommen auf sie zu, um mit ihr zu sprechen. Die Schulleiterin geht mit ihrer ruhig-freundlichen Art auf jeden ein. Für die Kinder hat sie sich in den vielen Jahren ihres Wirkens an der Grundschule In der Senne sehr eingesetzt. „Du wirst uns fehlen“, steht auf großen Lettern anlässlich ihrer Verabschiedung in den Ruhestand im Foyer. Sechs Kinder (und inzwischen sieben Enkel) hat Ute Krause und konnte sich aufgrund dessen zuerst keine Leitungsstelle vorstellen, die locker mit einer 50-Stunden-Woche verbunden ist. Aber es kam anders, und das sei auch gut so gewesen, resümiert die 64-Jährige. „Ich wollte immer gestalten, dafür ist ein Schulleitungsjob wichtig.“ Dennoch sei es damals nicht unumstritten gewesen, dass eine Frau mit so großer Familie arbeitet. Willkommenskultur Sie stieg zu einer Zeit in den Beruf ein, als viele Aussiedlerfamilien nach Augustdorf kamen. Entsprechend häufig gab es Förderunterricht in Deutsch. „Ich hatte damals schon das Gefühl, dass hier jeder willkommen ist.“ Bereits ihr Vorgänger Karl-Heinz Blandowski hatte ein großes Herz für Kinder, insbesondere für Benachteiligte. Bei Ute Krause ist das genauso. Schon als sie klein war, habe sie sich um Menschen mit besonderen Bedarfen gekümmert, erzählt die Pädagogin. An der Grundschule In der Senne ging es ihr auch darum, Kindern, die finanziell oder sprachlich schlechte Ausgangsbedingungen haben, zu unterstützen. Die Schulleiterin ist dankbar, dass sie dafür mit so einem tollen Lehrerkollegium zusammenarbeiten konnte. Viele Projekte setzte sie im Laufe der Jahre um. Wichtig war es ihr, Kindern, die mit Kultur keine Berührungspunkte hatten, damit in Kontakt zu bringen. Für Zirkus, Theater, Tanz, Lesungen und weitere Programme wurden Sponsoren und Mittel gefunden. Es kamen Musiker und gaben kleine Konzerte - das Angebot ist breit gefächert. Kultur und Sport fördern Immer schon habe die Schule mit dem Altenheim zusammengearbeitet - „das finde ich toll“. Eng ist auch der Draht zum Jugendzentrum Funkenflug. Nach einem Anstoß der Schule wurde das Quartiersprojekt mit Gemeinde und Caritas zur Integration der neu zugezogenen Süd- und Osteuropäer 2017 ins Leben gerufen. Im sportlichen Bereich konnten Schüler in diesem Jahr mit einigen sportlichen Erfolgen glänzen. „Wir sind seit 2014 Kinderrechte-Schule“, erzählt Ute Krause. „Es war uns wichtig, mit Kindern über ihre Rechte zu reden und mit den Eltern über Erziehungsfragen zu sprechen.“ Auch als „Schule mit Courage“ gibt es eine Auszeichnung; Ausgrenzung und Rassismus sind hier tabu. Neben der Förderung ihrer Fähigkeiten sollen die Kinder nach Ansicht der Schulleiterin auch ein Demokratieverständnis entwickeln. Sie lernen über Vielfalt und Mitbestimmung - eine gesellschaftliche Aufgabe. Ärgernis: Barrieren Die Bildungsstätte ist außerdem eine Schule des gemeinsamen Lernens, wodurch auch Kinder mit besonderem Förderbedarf hier unterrichtet werden. Allerdings nicht Kinder mit körperlichen Beeinträchtigungen. Dieses Thema treibt Ute Krause eine Zornesfalte auf die Stirn. „Seit 14 Jahren kämpfe ich nun um Barrierefreiheit. Da müsste sich wirklich etwas ändern. Es ist das Ziel der Schule, Kinder mit allen Unterstützungsbedarfen aufzunehmen“, ärgert sie sich. Schließlich gebe es auch Eltern, die gehandicapt seien, oder auch Mütter mit Kinderwagen, die nicht in die Schulklassen kommen könnten. Verstehen kann sie auch nicht, warum die Asphaltfläche auf dem Schulhof seit Jahren nicht erneuert wird. Häufiger stürzen Kinder und Erwachsene dort, beklagt die Leiterin. Dies wurde immer mit Hinweis auf kommende Bauprojekte verschoben. Seit Jahren ist Politik und Verwaltung zudem bekannt, dass die Schule mehr Platz braucht. Bislang ist nichts passiert. Sie habe an drei konkreten Bauplänen mitgearbeitet, berichtet Ute Krause. Jetzt gebe es Fördermittel für einen Anbau mit zwei OGS-Gruppenräumen, doch dauert auch das wieder. Die Mittel müssen bis 2029 verbaut sein. Auch das Lehrerzimmer ist seit Jahren viel zu klein für die 33 Lehr- und weitere pädagogische Kräfte. Förderräume fehlen Was würde Sie sich für die Schule wünschen? „Um innovativ arbeiten zu können, bräuchten wir sechs weitere Gruppenräume, für jede der 13 Klassen einen. Und Förderräume für Kinder, die Deutsch lernen und mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Die fehlen hier an der Schule“, sagt sie. Ab dem neuem Schuljahr gibt es erstmals fünf gebundene Ganztagsklassen, die bis zum Nachmittag bleiben. „Die brauchen einen Gruppenraum. Da muss sich zwingend etwas verändern.“ Eine Aufgabe, die sie zu ihrem Bedauern ihrem Nachfolger hinterlassen muss. Wer das wird, ist noch offen. Die Stelle ist ausgeschrieben. Konrektor Oliver Meierjohann wird die Leitung vorerst kommissarisch übernehmen. Ute Krause würde sich wünschen, dass jede Schule individuell nach ihren Bedürfnissen gefördert würde - und auch entsprechend ausgestattet wird. Sie möchte nun mit ihrem Mann vor allem außerhalb der Ferien reisen, gerne mal an den Atlantik und ans Nordkap. Aber auch sonst wird ihr sicherlich nicht langweilig. Sie ist ehrenamtlich engagiert als Vorsitzende der Fachstelle Schule im Lippischen Heimatbund, im Vorstand des Angehörigenkreises Psychisch Kranker und noch einiges mehr. „Dann will ich Zeit für mich und meine Familie haben“, sagt die Detmolderin. Ohne Termindruck leben und Theater, Lesungen und Konzerte ganz in Ruhe genießen. Persönlich Ute Krause wuchs in Detmold auf, wo sie noch wohnt. Sie studierte in Bielefeld und kam 1991 an die Grundschule In der Senne. Im Jahr 2000 wechselte sie an die Grundschule Auf der Insel, wo sie neun Jahre blieb und das Amt der Konrektorin übernahm. Wieder zurück an der Grundschule am Schlingweg übernahm sie den freigewordenen Leitungsposten für die Dauer von 14 Jahren.