Der Schwaghof schließt Ende November

Katrin Kantelberg

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Haus mit langer Geschichte: Der Schwaghof wird Ende des Monats geschlossen. Laut Eigentümer laufen aber Gespräche mit einem Interessenten, der das Hotel kaufen oder pachten könnte. - © Katrin Kantelberg
Haus mit langer Geschichte: Der Schwaghof wird Ende des Monats geschlossen. Laut Eigentümer laufen aber Gespräche mit einem Interessenten, der das Hotel kaufen oder pachten könnte. (© Katrin Kantelberg)

Bad Salzuflen. Die Nachricht kam für die Mitarbeiter völlig überraschend. Der Schwaghof schließt zum 30. November. Damit verliert Bad Salzuflen eines seiner traditionsreichsten Häuser – soweit sich kein neuer Pächter oder Käufer findet.

Ende vergangener Woche lagen die Kündigungen vor. 19 feste Mitarbeiter und neun Aushilfen müssen sich neue Arbeitsplätze suchen. Auch Hoteldirektor Uwe Rettig hat die Entscheidung des Eigentümers Reinhard Baumhögger überrascht. „Wir hatten kurz zuvor noch Mail-Verkehr, haben Projekte angesprochen."

Rettig kann die Entscheidung nicht nachvollziehen. „Das Geschäft läuft gut, wir haben vor allem auch großen Zuspruch von holländischen Gästen." Viele Vorbestellungen hätten für November und Dezember vorgelegen. „Zur Custom Bike Anfang Dezember waren wir ausgebucht, auch das Weihnachts- und Silvestergeschäft war bereits gut verkauft." Jetzt habe man allen Kunden absagen müssen.

Doch auch Rettig sieht Probleme: So gebe es dringenden Renovierungsbedarf. Die Bäder sind aus den 70er-Jahren, die 86 Zimmer wurden zuletzt im Jahr 2000 Mal modernisiert. „Das Personal hat viel geleistet, die Halle in Eigenregie gestrichen, doch ansonsten ist in den vergangenen 16 Jahren in dieser Hinsicht wenig passiert."

Dennoch seien die meist langjährigen Mitarbeiter immer gerne gekommen, für sie sei der Schwaghof mehr Familie, denn Arbeitsplatz gewesen. Entsprechend gedrückt sei jetzt die Stimmung. Gemeinsam habe man sich auf den Weg zum Arbeitsamt gemacht.

Kathrin Heilmann, Justiziarin der Arcadia-Gruppe, zu der der Schwaghof zählt, bedauert die Entscheidung auf Anfrage. „Trotz der schönen Lage hat sich der Hotelbetrieb dort für uns leider nicht rentiert." Allerdings sei die Geschäftsführung in Gesprächen mit einem Interessenten, der das Dreisterne-Hotel gegebenenfalls pachten oder kaufen wolle. Der Investor wäre auch bereit, die Anlage kurzfristig zu übernehmen, so Heilmann und hofft, dass die Mitarbeiter dann übernommen werden könnten.

Das würden sich nicht nur die Mitarbeiter, sondern auch Kneipp-Verein und benachbarter Golfclub wünschen. „Die Entscheidung hat uns schockiert", sagt Kneipp-Vorsitzende Marie-Therese von Langenn. Der Verein betreibt im Schwaghof seit einigen Jahren ein Kneipp-Zentrum, hat dort in Wellness-Anlage, Heubett und weitere Installationen investiert. „Unsere Kurse und Angebote werden gut angenommen. Es gibt viele Tagesgäste, aber auch längere Arrangements", so von Langenn.

Auch Sandra Linnemann, Managerin des benachbarten Golfclubs Bad Salzuflen bedauert die Entscheidung. „Wir haben immer wieder gerne Gäste des Hotels bei uns auf dem Platz begrüßt."

Information
Ausflugslokal

Der Schwaghof galt viele Jahrzehnte als das Ausflugslokal der Kurstadt. Die schöne Lage inmitten der Natur zog Gäste aus Nah und Fern an. Der Betrieb boomte vor allem in der Nachkriegszeit, bis die Kurkrise in den 80er- Jahren ihre Spuren hinterließ.

Erstmalig erwähnt wurde die Anlage als Gut Suevedeshusen im 12. Jahrhundert. Der spätere Meierhof ging 1781 in lippische Hand über. Seit mindestens 1871 wird dort Gastwirtschaft betrieben. In den 1950er-/60er-Jahren wurden fast alle alten Gebäude abgerissen und das Hotel gebaut. Es war zunächst im Besitz des Lippisches Landesverbandes, der es 1999 an Reinhard Baumhögger, Besitzer der Arcadia-Hotelgruppe, verkaufte.

In den folgenden Jahren waren Franchise-Unternehmen beteiligt, so dass das Hotel unter Arcor oder auch Golden Tulip firmierte, bevor Arcadia 2010 wieder allein die Verantwortung für den Betrieb übernahm.

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