Polizist versteht türkische Beleidigungen

Jost Wolf

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Bad Salzuflen/Bünde. Damit hatten sie nicht gerechnet: Vier Männern aus Bad Salzuflen kommen ihre Beleidigungen in türkischer 
Sprache teuer zu stehen.

Das Quartett hatte gegen 3.10 Uhr morgens in Bünde einen Einsatz wegen Ruhestörung ausgelöst. Als die Polizei kam und die Situation klären wollte, verhielten sich die Vier im Alter von 20 bis 27 Jahren so unkooperativ, dass die Beamten noch einen zweiten Streifenwagen anforderten, um mit den als aggressiv eingestuften Männern fertig zu werden. Diese machten ihrem Ärger mit derben Worten auf Türkisch Luft; jeweils quittiert mit einem zustimmenden Gelächter der anderen und in dem Glauben, nicht verstanden zu werden.

Überliefert im Polizeibericht sind aber folgende Worte aus dem Türkischen: „Diese Hurensöhne sollen mich in Ruhe lassen, ich f(...) die gleich alle", erklärte etwa der Fahrer des Wagens, der sich los riss, um eine Identitätsfeststellung zu verhindern. Auch seine Mitstreiter hatten eine starke Beziehung zum F-Wort. Ein weiterer Beteiligter erklärte: „Ich f (...) die alle, was denken die Bastarde, wer sie sind." Ähnliches kam es von einem Dritten.

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Hohe Strafen

Dass die Justiz bei Beleidigungen auch bei Prominenten wenig Gnade kennt, bekam 2003 der damalige Profi-Fußballer Stefan 
Effenberg zu spüren. Er bezeichnete einen Polizisten als „Arschloch" und wurde zu einer Strafe in Höhe von 10.000 Euro verdonnert. Auch indirekte Beleidigungen sind teuer: So wurden für den Satz „Am liebsten würde ich Arschloch zu dir sagen" in einem Fall 1.600 Euro fällig. Selbst das Duzen von Polizeibeamten kann mit bis zu 600 Euro Geldstrafe geahndet werden.

Bis dato hatten sich die Männer offenbar sehr sicher gefühlt und dachten, es den Beamten gezeigt zu haben. Dieses Gefühl änderte sich wohl schlagartig, als einer der Beamten den verdutzten Männern aus Bad Salzuflen auf Türkisch und auf Deutsch erklärte, dass nun unter anderem auch wegen Beleidigung ermittelt werde. Eine Beleidung kann auch vorliegen, wenn die negative Aussage über die Person nicht überprüfbar ist.

Das dürfte nicht billig werden: Je nach Art der 
Worte schwanken die Geldstrafen bei Beleidigung zwischen rund 500 und 4.000 Euro. Auch eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr ist möglich.

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