Zum Jubiläumsjahr: Salzufler Schützen knüpfen das Band der Sympathie

Stefan Backe

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Es muss nicht immer eine Uniform sein: Vorsitzender Thomas Riepe (rechts) und Bataillonskommandeur Detlef Bollhöfer zeigen das Band der Sympathie. Das sollen sich nach ihrem Wunsch viele Salzufler in diesem Jahr anheften, um auch in Zivil ihre Zuneigung zum Verein zu demonstrieren. - © Stefan Backe
Es muss nicht immer eine Uniform sein: Vorsitzender Thomas Riepe (rechts) und Bataillonskommandeur Detlef Bollhöfer zeigen das Band der Sympathie. Das sollen sich nach ihrem Wunsch viele Salzufler in diesem Jahr anheften, um auch in Zivil ihre Zuneigung zum Verein zu demonstrieren. (© Stefan Backe)

Bad Salzuflen. Mit einem Festakt für geladene Gäste startet die Schützengesellschaft Bad Salzuflen am Sonntag offiziell die Feierlichkeiten zum 450. Geburtstag. Anschließend will sich der Verein über das Jahr verteilt durch verschiedene Veranstaltungen in der Stadt präsentieren. So soll ein weiterer Schritt gemacht werden, um den massiven Mitgliederverlust der vergangenen Jahrzehnte auszugleichen.

Die LZ sprach mit dem Vereinsvorsitzenden Thomas Riepe und Bataillonskommandeur Detlef Bollhöfer über alte Zeiten mit rauschenden Festen auf dem Obernberg, den Stellenwert des Schützenwesens in Salzuflen und eine Fusion mit den Schötmaranern.

Sie haben für das Jubiläumsjahr das Band der Sympathie kreiert, das sich auch Zivilisten anstecken sollen. Was macht die Schützen denn sympathisch?

Detlef Bollhöfer: Wir sind absolut bodenständig, menschlich, handwerklich, kameradschaftlich...

Thomas Riepe: Wir wollen uns auch verstärkt für die Interessen der Jugend einsetzen. Da können wir Tradition und Zukunft zusammenbringen. Wir wollen die jungen Menschen für den Schießsport und den Bogensport begeistern und Werte wie Kameradschaft oder Ausdauer vermitteln.

Information

Persönlich

Thomas Riepe (57) ist erst seit November 2016 Vorsitzender der Schützengesellschaft Bad Salzuflen. Aktives Mitglied ist der Elektromeister allerdings schon seit 39 Jahren – unter anderem als Kompaniechef oder Platzmajor. Detlef Bollhöfer (53) ist sogar schon seit 40 Jahren Mitglied. Der Straßenbauer ist als Oberst der Salzufler Bataillonskommandeur. Zuvor war er unter anderem Kompaniechef der „Fünften". Höhepunkte des Jubiläumsjahres sind unter anderem ein Galaball am 29. April im Hotel Maritim, ein Umzug aller lippischen Schützen am 20. Mai und ein ganztägiges Konzert im Kurpark am 3. September.

In der jüngeren Vergangenheit scheinen die Salzufler Schützen aber weniger attraktiv gewesen zu sein. Die Mitgliederzahlen sind von 1500 auf 400 abgesackt. Woran liegt das?

Riepe: Wenn wir das wüssten, wären wir schlau. Wir leiden auf jeden Fall unter dem Klischee, dass Schützen nur vor der Theke stehen und Bier trinken. Das stimmt überhaupt nicht. Aber sicherlich feiern wir gerne und sind gesellig – wie andere Vereine auch.

Bollhöfer: Ich sehe stattdessen den großen Vorteil, dass ich in einem Verein wie unserem einen großen Freundes- und Bekanntenkreis habe. Das kann auch als soziale Brücke dienen, wenn ich mal Hilfe oder Kontakte brauche, weil ich zum Beispiel einen neuen Job suche.

Aber sind es nicht gerade diese Netzwerke, die gelitten haben? Früher war es selbstverständlich, dass ein Chef am Schützenfest-Montag mit seinen Mitarbeitern zum Obernberg gegangen ist...

Riepe: Das stimmt. Wir sehen es als unsere Aufgabe, diese Kontakte langfristig wieder herzustellen. Heute gibt es aber auch viele Filialen und weniger inhabergeführte Geschäfte in der Innenstadt. In der Langen Straße sind heute die wenigsten Geschäftsleute Mitglied in der Schützengesellschaft; früher waren es fast alle.

Bollhöfer: Wenn ich einen Handwerker brauche, weiß ich, wo ich hingehe. Oder wenn ich einen Koffer kaufen will. Einer unterstützt den anderen. Dieses Prinzip hat früher funktioniert und es würde auch heute funktionieren. Wir wollen das Wir-Gefühl in der Stadt stärken.
Riepe: Wir haben uns zum Beispiel sehr gefreut, dass zum Empfang am Sonntag neben den anderen Fraktionen auch die Grünen kommen – obwohl wir uns in der Vergangenheit nicht immer ganz grün waren.

Wie steht es denn mit Uniformen und Schießen? Das ist heute auch nicht unbedingt in Mode, oder?

Bollhöfer: Eine Uniform hat für mich etwas mit Brauchtumspflege und nicht mit Militarismus zu tun. Und beim Biathlon jubeln Tausende den Sportlern zu – die schießen mit den gleichen Waffen wie wir.

Riepe: Schießen schult die Ausdauer, Konzentration und Ruhe. Das trifft auch auf den Bogensport zu, der dank der tollen Arbeit von Hans Wolfs stark im Kommen ist. Hier haben wir innerhalb von fünf Jahren 100 Mitglieder gewonnen.

Die aber beim letzten Schützenfest nicht mitmarschiert sind...

Bollhöfer: Daran arbeiten wir, denn sie sind ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft. Sie können auch jederzeit in ihrer Sportkleidung mitmarschieren – es muss keine Uniform sein.

Eine obligatorische Frage sei noch gestattet: Wie steht es um eine Fusion der beiden größten Schützenvereine im Stadtgebiet?

Riepe: Die werden wir wahrscheinlich nicht mehr erleben. Dann könnten wir es auch gleich vergessen. Wie es jetzt läuft, ist es sehr gut. Wir feiern gemeinsam und im Wechsel unsere Feste. Dazu spornen die kleinen Frotzeleien ungemein an und beleben das Geschäft.

Kommentar: Neuer Nährboden ist vorhanden

von Stefan Backe

Warum sind die Schützen in Lemgo oder Oerlinghausen noch immer eine gesellschaftliche Institution mit vierstelligen Mitgliederzahlen, während andere Vereine wie in Salzuflen scheinbar ins Bodenlose gestürzt sind?

Sicher liegt es auch daran, dass in der Badestadt eine unglückliche Kettenreaktion in Gang geraten ist. Die Schützenfeste auf dem Obernberg waren legendär – bis den Besuchern bei einem allgemein geänderten Freizeitverhalten der Weg dorthin zu weit wurde.

Weniger Attraktionen, weniger Mitglieder, weniger Bedeutung, weniger Nachwuchs – der Niedergang nahm seinen Lauf und wurde sicher nicht früh genug bekämpft. Jetzt ist es schwer, dem Verein erneut den alten Stellenwert zu verleihen. Aber die Verantwortlichen haben in der jüngeren Vergangenheit vieles richtig gemacht.

Die Zusammenlegung der Kompanien war ein erster Schritt, die Bogenabteilung und der Schießsport können zum Nährboden werden – wenn es gelingt, dem Nachwuchs auch die Traditionspflege zu vermitteln. Apropos: Wenn das Klischee von den betrunkenen Schützen nicht stimmt, könnte man doch nach und nach den Alkoholanteil der Veranstaltungen reduzieren. Schaden würde das garantiert nicht.

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