Bad Salzuflen. Eine Kette unglücklicher Umstände hat das Vordach einer Lagerhalle an der Daimlerstraße am Mittwochabend einbrechen lassen. Wie berichtet, war ein Großaufgebot von 60 Feuerwehrleuten vor Ort. Zum Glück stellte sich schnell heraus, dass sich keine Menschen unter dem völlig zertrümmerten Dach befanden. „Begraben" wurden unter anderem zwei Lkw-Sattelauflieger, die ohne Zugmaschine an der Laderampe parkten. Die Höhe des Sachschadens steht noch nicht fest. Durch den Abbruch des 60 Meter langen und fünf Meter tiefen Schleppdaches schien es zunächst so zu sein, dass auch die angrenzende Halle beschädigt wurde. „Die Holzbinder, die das Vordach abstützten und unter der Schneelast zusammenbrachen, reichen in das Dach der dahinter liegenden Halle herein und sind fest mit ihr verschraubt", berichtete Christian Kleene. Der Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks (THW) in Minden war von der Feuerwehr am Mittwochabend zu der Unglücksstelle gerufen worden, um die Einsatzkräfte zu beraten und vor möglichen weiteren Einsturzgefahren zu warnen. Kleene ist Baufachberater und schaute sich im Anschluss auch noch von einer ausgefahrenen Feuerwehrleiter aus die gesamte Halle aus der Vogelperspektive an. Er riet zunächst dazu, die Halle vorerst nicht zu betreten. Baustatiker gibt Entwarnung Entwarnung konnte gestern ein herbei gerufener Baustatiker geben. Dieser habe nach eingehender Untersuchung festgestellt, dass das Dach der Lagerhalle selbst keinen schweren Schaden davongetragen habe, sagte gestern Abend Dr. Bengt Maas, Technischer Direktor von Cayago. Das Unternehmen hat die Betriebsstätte des Modeunternehmens Alba Moda gekauft und stellt mit bis zu 80 Mitarbeitern Seabobs her – elektrisch betriebene Wasserschlitten, die sowohl mit bis zu 20 Stundenkilometern auf dem Wasser als auch in bis zu 40 Metern Tiefe von einem Sportler gefahren werden können. Die Halle mit dem beschädigten Vordach wird laut Maas allerdings nicht von Cayago betrieben, sie ist vermietet. Warum es am Mittwoch zum Zusammenbruch kam, erklärt THW-Experte Kleene mit der so genannten „Schneesackbildung". Demnach sei seit dem massiven Wintereinbruch in der Nacht zum Sonntag viel Pulverschnee vom Dach der Lagerhalle auf das rund 1,5 Meter tiefere Vordach geweht worden und hätte sich dort gestaut. Kleene rät Eigentümern von Flachdächern dazu, im Zweifel Schneelastmessungen vornehmen zu lassen. Das bieten unter anderem Dachdecker an. „Auf Verdacht" die Feuerwehr oder das THW zu rufen, sei nicht möglich. „Auf Privatgrundstücken räumen wir nicht zur Vorsorge", so Kleene. „Man stelle sich vor, zu wie vielen Dächern die Feuerwehr oder das THW sonst bei einer Wetterlage wie dieser ausrücken müssten. Das liegt eindeutig in der Verantwortung der Eigentümer." Angaben zu der Gewichtslast, die ein Flachdach maximal pro Quadratmeter tragen kann, finden sich laut dem THW-Baufachberater in der Regel in den Statikunterlagen für das Gebäude. Ob die Cayago AG das zertrümmerte Vordach wieder aufbauen wird, steht laut Bengt Maas noch nicht fest. „Auf alle Fälle werden wir die Fassade der Lagerhalle instandsetzen." Der Feuerwehreinsatz an der Daimlerstraße dauerte am Mittwochabend übrigens bis 23.30 Uhr und damit insgesamt sechs Stunden. Messezentrum muss auf 80.000 Quadratmeter Hallenfläche achten Bisher glimpflich ist der massive Wintereinbruch für das Messezentrum verlaufen. „Wir haben unsere Hallen durch Dachdecker prüfen lassen und mussten nur vereinzelt Schnee räumen", berichtet Geschäftsführer Andreas Reibchen. Der starke Wind am Sonntag und am Wochenanfang habe viel Pulverschnee wieder von den Flachdächern der großen Hallen an der B 239 geweht. Ansonsten kann starker Schneefall für das Messezentrum schnell zu einem Problem werden, beträgt doch die gesamte Dachfläche aller Hallen rund 80.000 Quadratmeter (oder etwa elf Fußballplätze). So habe Reibchen vor rund zehn Jahren, als es über einen längeren Zeitraum immer wieder mal schneite, beinahe einen Räum-Großeinsatz anordnen müssen. „Damals wurden die Lasten durch Eisregen immer größer", erinnert sich Reibchen. Doch gerade rechtzeitig habe es noch zu tauen begonnen. Aus der Erfahrung heraus hat das Messezentrum die neueren Hallen 20 bis 23 mit einem um drei Prozent geneigten Dach erstellen lassen. Das helfe aber nicht bei allen extremen Wetterlagen, so Reibchen. So lasse er bei viel Schnee die Last immer wieder messen. „Mehr als 30 bis 40 Kilo pro Quadratmeter sollten es nicht werden".