Bad Salzuflen. Kann echte Musik und Kunst unter Zensur entstehen?, fragt sich das „Duo Pariser Flair" – wirkungsvoll unterstützt von Tenor Joseph Schnurr. Das Trio präsentierte am Samstagabend kunstgerecht Songs von Hans Albers bis Zarah Leander in der Konzerthalle. Alle Lieder entstanden in der Nazi-Zeit und waren damals äußerst populär. Aber sind sie deshalb korrumpiert und heute wertlos? Keineswegs, machte das Trio vor rund drei Dutzend Zuhörern deutlich. Die melodisch und harmonisch ausgeklügelten Songs formulierten geradezu ein Gegenbild zu Ideologie und Krieg. Und das war von den Nazis sogar erwünscht, um den Deutschen mit der „Ufa-Unterhaltungswelt" eine schöne Ablenkung vom hässlichen Alltag zu bieten. Tatsächlich brachten die damaligen Künstler sogar subversive Textzeilen unter, gegen die selbst Propaganda-Minister Joseph Goebbels angesichts der Beliebtheit der Lieder beim Volk nicht vorgehen konnte. Etwa wenn Hans Albers im Film „Große Freiheit" (1943) sein legendäres „La Paloma"-Lied präsentierte und folgende Textzeile formulierte: „Auf, Matrosen, ohé, einmal muss es vorbei sein." Das darin ausgedrückte Fernweh wurde subversiv verstanden und passte so gar nicht zum „totalen Krieg" und zur „Endsieg"-Parole der Nazis. "Spätgeborene" genießen Marie Giroux (Mezzosopran), Joseph Schnurr (Tenor) und Jenny Schäuffelen (Klavier) trugen Ohrwürmer und Evergreens von den Comedian Harmonists bis zu Marlene Dietrich hinreißend dem kleinen, aber feinen Publikum vor. Es machte sichtlich auch den „Spätgeborenen" Spaß, diesen hochmelodischen Liedern zuzuhören, diesem schönen Schmalz und Schmelz ohne Grenzen. Das Trio schaffte es, die Leute zum Mitsingen und Mitklatschen zu bewegen. Drei geforderte Zugaben sprechen eine deutliche Sprache bei der Beurteilung der Publikumsresonanz. Aber der ohne Zweifel gelungene Liedervortrag war beileibe nicht alles, was das Trio zu bieten hatte. Kenntnisreich schlossen die Musiker ihrem Publikum auch den bedrückenden historischen Hintergrund auf. Dass die ab den späten „Goldenen Zwanzigern" höchst populären „Comedian Harmonists" von der Bühne verschwanden, weil die Hälfte des Ensembles wegen jüdischer Herkunft Auftrittsverbot erhalten hatte; dass sich Heinz Rühmann von seiner jüdischen Frau scheiden ließ, um sie im Ausland in Sicherheit zu bringen; dass Marlene Dietrich nach dem Krieg geschmäht wurde („Marlene go home"), weil sie sich gegen die Nazi-Ideologie für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte entschieden hatte und ausgewandert war: Das alles und noch mehr erfuhr das Publikum.