Kreis Herford. Im Mai 2023 erfolgte der Spatenstich zu Umbau, Modernisierung und Erweiterung, jetzt ist sie fertig: Die Feuerwehrzentrale des Kreises Herford in Eilshausen wurde vor rund 180 geladenen Gästen aus Politik, Kreisverwaltung und Feuerwehren im Kreis sowie den Mitarbeitenden der Leitstelle eingeweiht. In der von Silke Vahrson-Hildebrand, Leiterin des Amtes für Bevölkerungsschutz, moderierten Feierstunde würdigten Kreisdirektor Markus Altenhöner, Landrat Jürgen Müller, Kreisbrandmeister Bernd Kröger und Hiddenhausens Bürgermeister Andreas Hüffmann die gemeinsamen Anstrengungen bei Planung und Realisierung des Umbaus. „Das im laufenden Betrieb zu machen, war eine große Herausforderung“, sagt Bernd Kröger und erinnerte daran, dass bei Arbeiten auf dem Hofplatz unter dem Pflaster auch ein altes Fahrrad zum Vorschein kam. 1500 Quadratmeter an zusätzlicher Fläche stehen zur Verfügung, verbaut wurden 6,7 Millionen Euro. Doch warum war eine Modernisierung und Erweiterung der Feuerwehrzentrale notwendig? Die Bausubstanz und die räumlichen Kapazitäten seien den Aufgaben und Anforderungen nicht mehr gerecht geworden. „Wir sind nun wesentlich größer, flexibler und umweltschonender geworden und haben im Zuge des Umbaus darüber hinaus einige Laufwege optimiert, um etwa den Ein- und Ausgang von Material effizienter zu gestalten“, sagt Kröger. Netzersatz-Anlage sichert Stromversorgung für 72 Stunden Unter anderem wurde die Wartungs- und Prüftechnik in der Atemschutz-Werkstatt auf modernste Standards gebracht und die Schlauchpflegeanlage an neue wirtschaftliche, umwelttechnische und ergonomische Anforderungen angepasst. So werden schädliche Rauchausdünstungen bei kontaminierten Schläuchen nun vor der Wartung abgesaugt, zudem spart die neue Schlauchpflegeanlage mehr als 60 Prozent Wasser. In den vergrößerten Garagen finden mehr und größere Fahrzeuge und ein zusätzliches Materiallager Platz. Zur Verfügung stehen zudem weitere Büros und Bereitschaftsräume für die neue Brandschutzdienststelle, das neue Personal im IT-Bereich und die im Schichtdienst tätigen Mitarbeiter der Leitstelle. Ein zentrales Element ist die neue Netzersatz-Anlage, die die Stromversorgung bei länger andauernden Stromausfällen aufrechterhält. Damit kann die Kreisfeuerwehrzentrale für mindestens 72 Stunden mit Strom versorgt werden. Prunkstück ist jedoch die neue Atemschutz-Übungsstrecke für die Überprüfung der körperlichen Leistungsfähigkeit der rund 800 Atemschutzgeräteträger im gesamten Kreisgebiet. Laut Bernd Kröger ist sie aktuell „einzigartig in Deutschland“. „Wir gehen mit der neuen Virtual-Reality (VR)-Ausbildungsplattform, die reale Trainingsräume (Übungswohnung) und haptische Elemente mit virtueller Realität kombiniert, in ein neues Zeitalter“, ergänzt Jürgen Müller, für den die Einweihung der neuen Zentrale seine letzte Amtshandlung als Landrat war. Feuerwehrleute können realitätsnah löschen Mit dem neuen Ausbildungssystem sollen sich der Ausbildungsstandard und die Vielzahl an Übungsszenarien fundamental ändern. Die (VR)-Technik bietet laut dem Kreis eine nahezu unbegrenzte Anzahl an programmierbaren Einsatzszenarien. Die Einsatzkräfte können verschiedene Übungsräume betreten, reale Gegenstände und Möbel anfassen und bewegen. Diese verändern sich in der virtuellen Welt entsprechend. So können die Feuerwehrleute mit einem Hohlstrahlrohr und einem echten Feuerwehrschlauch realitätsnah löschen. Im System sind verschiedene Einsatzszenarien und Räume programmierbar, zum Beispiel eine Zweizimmer-Wohnung, eine Kfz-Werkstatt oder ein Bio-Labor. Die VR-Ausbildungsplattform passe sich der Realität an, erläutert Bernd Kröger. „Löscht man ein simuliertes Feuer mit einem falsch eingestellten Strahlrohr, wird die Rauchintensität größer. Öffnet man taktisch schlau ein Fenster, zieht der Rauch ab und die Sicht wird besser. Macht man hier Fehler, zieht der Rauch in Bereiche, wo er noch mehr Schaden anrichtet“, so der Kreisbrandmeister. Das alles gefahrlos zu trainieren, Menschen zu retten und dabei Feuer und Rauch nicht aus den Augen zu lassen, seien für das taktische Verständnis von elementarer Bedeutung. „Gute Technik und Schutzkleidung sind das eine, aber ohne richtige Taktik wertlos.“ Mitte kommenden Jahres werden die ersten Atemschutzgeräteträger die Plattform durchlaufen. Bernd Kröger betont, dass die neuen Anlagen nicht die sogenannte „Heiß-Ausbildung“ ersetzten. Dafür miete der Kreis weiterhin jährlich einen „Heißausbildungs-Container“ an. Letzte Fahrt als Landrat in historischem Fahrzeug Für Jürgen Müller dürfte die Einweihung ein besonderer Abend gewesen sein. Viele Jahre hatte er als Landrat die Planungen für Modernisierung und Erweiterung der neuen Feuerwehrzentrale begleitet. Zum Abschied bekam er gleich mehrere Geschenke: Eine Ehrennadel der Feuerwehr und ein Fotobuch gab es von Bernd Kröger, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Amtes für Bevölkerungsschutz des Kreises Herford überreichten ihm einen von allen unterschriebenen, zehn Meter langen Feuerwehrschlauch. Nach Hause chauffiert wurde Müller schließlich in einem historischen Feuerwehrfahrzeug.