Barntrup. Ist die Situation an der Mittelstraße beklagenswert – oder hat sich schon etwas verbessert? Und wie geht es dort weiter? Um diese Frage drehte sich die Diskussion der beiden Bürgermeisterkandidaten im Barntruper Schlosshof immer wieder, und teils ging es hoch her. Ihre Position zu dieser Frage haben Amtsinhaber Borris Ortmeier und Herausforderer Oliver Humke am Mittwochabend deutlich gemacht. Und auch viele andere Themen kamen unter Moderation der LZ-Redakteurinnen Lorraine Brinkmann und Nadine Uphoff zur Sprache. Organisiert hatten die Runde im Vorfeld der Wahlen am 14. September Schlossherr Dr. Dedo von Kerssenbrock-Krosigk und seine Mutter Isi – zum zweiten Mal nach dem Auftakt vor fünf Jahren. Dedo von Kerssenbrock-Krosigk versteht die Veranstaltung als Beitrag zur demokratischen Meinungsbildung, wie er sagte. Etwa 150 Barntruper verfolgten die Debatte unter den alten Bäumen vor dem Schloss. Humke zeigte sich angriffslustig, etwa bei der Umgestaltung der Mittelstraße: „Mein Gefühl ist: Da hat sich nichts getan“, sagte der SPD-Kandidat. Es seien fünf Jahre Zeit gewesen, ein Konzept vorzulegen. Er habe von holländischen Campingplatz-Gästen gehört, dass sie einen schlechten Eindruck von der Mittelstraße hätten, manche gar erschrocken seien in Hinblick auf Optik und Leerstände. Es müsse wieder mehr Leben in der Mittelstraße geben, deshalb werde er sich für einen Nahversorger starkmachen. Denkbar sei auch ein rollender Supermarkt für den Wochenmarkt. „30er-Zone wird ausgeweitet“ „Mein Eindruck ist komplett anders“, widersprach Ortmeier, der als Einzelkandidat antritt und von CDU, FDP und UWB unterstützt wird. Ehrenamtliche bepflanzten Beete, zeigten viel „Optik-Engagement“: „Ich finde es abenteuerlich, so zu tun, als wenn man die Hände über dem Kopf zusammenschlagen müsste, wenn man aus Holland hierherkommt“, sagte Ortmeier und appellierte: „Wir sollten nicht schlechtreden, was wir haben.“ Die Ausweitung der 30er-Zone sei gerade genehmigt worden. Leerstände gebe es ohne Frage, „und der Magowsky-Leerstand tut uns weh“, aber die Zahl der leeren Immobilien habe abgenommen. Er werde sich weiter dafür einsetzen, dass die Stadt ihr Vorkaufsrecht nutze, um Zugriff auf Problemimmobilien wie den „Lippischen Hof“ und den „Schwan“ zu bekommen. Ortmeier kritisierte die von Humke angesprochene Unterschriftensammlung der SPD für einen Nahversorger in der Mittelstraße als Wahlkampfmanöver. „Wir müssen uns ehrlich machen“, sagte er. Er habe mit Nahversorgern und Eigentümern gesprochen, alle hätten abgewunken. Einen Supermarkt in der Mittelstraße anzusiedeln, ist für ihn nicht realistisch. Auch aus dem Publikum wurde das Thema Fragerunde am Ende aufgegriffen. So bemängelte eine Eigentümerin genauso wie Zentrums-Manager Björn Strohmeier, dass Humke mit ihnen noch nicht gesprochen habe. Zugleich werde bei der Kritik an der Innenstadt das ehrenamtliche Engagement zu wenig gewürdigt und ein zu schlechtes Bild gezeichnet. Aus dem Publikum kamen Appelle, die Läden am Ort und vor allem in den Ortsteilen zu nutzen. Genug Miteinander? Ortmeier betonte, in seiner Amtszeit sei es gelungen, wieder ein „echtes Miteinander in Barntrup hinzukriegen“. Es seien lange aufgeschobene Dinge umgesetzt, 18 Millionen in die Infrastruktur investiert worden. Dagegen bemängelte Humke, der Bürgermeister kümmere sich nicht darum, die SPD mitzunehmen. Auch die Bürger würden nicht ausreichend informiert: „Ich habe den Eindruck, es gibt immer dann Informationsveranstaltungen, wenn es um etwas Positives geht.“ Humke nannte die Windräder am Windmühlenstumpf und die Grundschule Alverdissen. Ortmeier räumte ein: „Wir hätten eher den Dialog suchen können“, aber das hätte beim Thema Windenergie am Ergebnis nichts geändert, denn die Stadt habe keinen Einfluss auf die Standorte der Anlagen. Im Übrigen habe die SPD seine Angebote, sie zu informieren, gar nicht angenommen. ÖPNV und Attraktivität Auch im weiteren Verlauf verteilten die beiden Kandidaten Spitzen. Auf die Frage nach den Verbesserungsmöglichkeiten beim öffentlichen Nahverkehr betonte Humke, ÖPNV sei auch Klimaschutz. „Ohne den ÖPNV verlieren wir an Einwohnern und an Attraktivität“, betonte der SPD-Kandidat und nannte die Monocabs als weiteres wichtiges Thema. Er habe überdies Gespräche über die Buslinie nach Hameln geführt. Ortmeier verwies dagegen auf die geringe Auslastung dieser Linie über Jahre hinweg. „Wir müssen uns des Themas annehmen, aber nicht nur im Wahlkampfjahr“, sagte der amtierende Bürgermeister – es habe seit langem dazu keine politische Initiative gegeben. „Was soll mir das sagen?“ Aus dem Publikum wurde Humke gefragt, warum er im Wahlkampf betone, aus Barntrup zu stammen. „Was soll mir als Zugezogener das sagen?“, so eine Zuschauerin. Dies sei eine Spitze gegen den Kalletaler Ortmeier, antwortete Humke. Als Barntruper habe er zu vielen Dingen eine „andere Nähe“. Ortmeier entgegnete: „Wir leben in einer globalisierten Welt, wir reden über Fachkräfteintegration, und dann geht es darum, ob wir fünf Kilometer aus der einen oder anderen Richtung kommen?“ Weitgehenden Konsens gab es hingegen bei der Frage, ob die Kandidaten Steuererhöhungen ausschließen können. Beide wollen keine höheren Steuern, wollen sich aber nicht festlegen, weil sie nicht in die Zukunft schauen könnten. Eines war am Ende sicher: Die Zuschauer gingen mit „Informationen aus erster Hand“ nach Hause, wie Dr. Dedo von Kerssenbrock-Krosigk es am Anfang versprochen hatte.