Barntrup-Alverdissen. Wer ein besonders schmuckvolles, neues Zuhause sucht, der könnte möglicherweise in Alverdissen fündig werden. Denn dort steht das wohl imposanteste Gebäude des Ortes erneut zum Verkauf. Für 2,9 Millionen Euro bietet die Sotheby’s International Realty Niedersachsen nämlich das Schloss Alverdissen zum Verkauf. Es ist nicht das erste Mal, dass Besitzer Rainer Terschluesen versucht, das prunkvolle und geschichtsträchtige Objekt zu verkaufen. Terschluesen selbst hatte das Schloss 2008 gekauft und aufwendig saniert. Jetzt sucht es erneut einen neuen Besitzer. Und wenn es nach dem inzwischen 70-Jährigen geht, dann sollte das jemand sein, der Zeit und Lust mitbringt, die „Tradition des Hauses fortzusetzen“. Besonders stolz ist Rainer Terschluesen nämlich unter anderem auf den alten Baumbestand auf dem Außengelände, den er gerne erhalten wissen möchte. Er selbst hatte das Schloss im Weserrenaissance-Stil zunächst als Sommersitz genutzt. Inzwischen ist er in Rente und lebt mit seiner Familie ganzjährig in Alverdissen. Arbeit das ganze Jahr über Knapp 1100 Quadratmeter umfasst allein die Wohnfläche, hinzu kommt das riesige Grundstück mit Parkfläche, auf dem „immer Arbeit anfällt“, wie es Rainer Terschluesen auf den Punkt bringt. Darüber müssten sich Interessenten im Klaren sein. In der Vergangenheit habe es die zwar immer wieder gegeben, mit dem Verkauf habe es allerdings bisher nicht geklappt. Vor gut drei Monaten habe er sich dann an die Sotheby’s Real Estate gewandt, die sich auf Luxusimmobilien spezialisiert hat. Die geht in der Anzeige auch auf die lange Geschichte des Schlosses ein. Das 1662 auf vorhandenen Burgfundamenten als „bescheidene höfische Residenz“ errichtete Gebäude gelte nämlich als Ursprungssitz des heutigen Fürstenhauses zu Schaumburg-Lippe. Seine Wurzeln reichen sogar bis ins Jahr 1396 zurück, als eine Burg der Grafen von Sternberg erstmals urkundlich erwähnt worden sei. Über Generationen habe das inzwischen denkmalgeschützte Anwesen als Residenz der lippischen Grafen und Verwaltungssitz unter Fürstin Pauline zu Lippe gedient. Später beherbergte es das Amtsgericht und wurde als Außenstelle des Staatsarchivs von Nordrhein-Westfalen genutzt, schreibt die Sothaby’s Real Estate. Nach dem Kauf durch Rainer Terschluesen sei das Schloss zu einem „außergewöhnlich stilvollen Wohn- und Geschäftshaus“ geworden. Heute verbinde das Schloss Alverdissen historische Substanz und Klasse mit modernen Nutzungsmöglichkeiten. „Ein lebendiges Baudenkmal mit kultureller Strahlkraft weit über die Region hinaus.“ Ein Fahrstuhl verbindet alle Geschosse Im Erdgeschoss befindet sich ein imposanter Saal, der lange auch als Außenstelle des Standesamtes genutzt wurde. In der angrenzenden Küche sei sogar ein Event-Catering möglich. Außerdem liegen hier einige Büroeinheiten. Das Obergeschoss wird von Rainer Terschluesen als Wohnbereich genutzt. Allein das Wohnzimmer mit Kamin und angrenzender, offener Küche umfasst 110 Quadratmeter. Hinzu kommen zwei Schlafzimmer und die dazugehörigen Bäder. Im Dachgeschoss wurden zwei separate Appartements mit eigenen Bädern eingerichtet, die zum Beispiel für Gäste genutzt werden können. Ein Aufzug erschließt alle Ebenen vom historischen Gewölbekeller bis zum Dachgeschoss, schreibt das Maklerbüro weiter. Baulich beeindrucke das Schlossgebäude mit massiven Außenwänden mit bis zu einem Meter Stärke, hochwertigen Sandstein- und Natursteinböden, restaurierten Massivholz-Brandschutztüren und klassischen Fensterformen. Der Gewölbekeller eigne sich als stilvolle Vinothek, Lager oder Ausbaureserve. „Wer das Außergewöhnliche sucht – mit Substanz, Geschichte und Gestaltungspotenzial – wird mit Schloss Alverdissen eine Immobilie finden, die in dieser Form kaum ein zweites Mal am Markt verfügbar ist“, wird Makler Markus Burgdorf zitiert. Kein Zugang für die Öffentlichkeit Zugänglich für die Öffentlichkeit sind übrigens auch die Außenanlagen - anders als beim Schloss Barntrup - nicht. Der parkähnliche Garten ist durch die vielen alten Bäume und Rhododendren vor Blicken geschützt. Eine Kameraüberwachung des Tores sorgt für Sicherheit. „Immer mal wieder halten vor den Toren aber Busse“, erzählt Rainer Terschluesen. Dann würden Fotos gemacht. Einen Blick ins Innere gibt es derzeit nicht zu erhaschen. Das könnte sich mit einem neuen Besitzer möglicherweise ändern. Denn während Rainer Terschluesen und seine Familie sich Anfang des Jahres entschlossen hatten, die Außenstelle des Standesamtes nicht wieder in Betrieb zu nehmen, so hofft er doch, dass ein neuer Eigentümer diese Nutzung irgendwann fortführen wird. Ihm seien Betrieb und Unterhaltung des riesigen Schlosses inzwischen altersbedingt zu viel geworden, sagt Terschluesen. Er selbst wolle mit seiner Familie nach einem Verkauf die Region verlassen. Bis es so weit ist, muss sich aber zunächst jemand finden, der das prunkvolle Gebäude und seine Geschichte ebenso zu schätzen weiß. Und der das nötige Geld dafür aufbringen kann.