Blomberg-Donop. Kann Kunststoff umweltfreundlich eingesetzt werden? Sicherlich. Gerade in der Luftfahrt und der Elektromobilität dürfte der Werkstoff eine glänzende Zukunft haben. Doch das Image von Kunststoff ist angesichts der weltweiten Umweltprobleme „im Keller". Einer, der nicht nur diese Herausforderung annehmen will und muss, ist Sebastian Schierk. Er arbeitet als technischer Geschäftsführer bei OL (Oskar Lehmann GmbH) in Donop und weiß: „Junge Leute haben gerade weniger Interesse, beruflich in der Branche Fuß zu fassen. Sei es als Student oder als Auszubildender." Doch in der Industrie gehe nichts ohne Kunststoff. Schierk erinnert sich dennoch an seine Eindrücke auf der Messe „K" in Düsseldorf, wenn er formuliert: „Jeder in der Branche spielt natürlich die Themen Recycling oder zirkuläre Kreislaufwirtschaft." Andererseits gebe es Firmen, die gerne auf recycelte Kunststoffe setzen, aber kaum genügend Rohstoffe am Markt kaufen könnten. „Das Sortieren und der Umstand, dass sehr viele verschiedene Kunststoffe am Markt unterwegs sind, machen es schwierig, sortenreine Produkte zu bekommen", sagt der Wahl-Lipper. Die Ansprüche an UV-Stabilität, Hitzebeständigkeit oder Farbechtheit seien hoch, Recycling-Material könne dieses Niveau nicht in jedem Fall garantieren. Offiziell heißt es in der Branche: Es mangelt an der Prozessstabilität. Recyclingmaterial sei gerade in der Medizintechnik, Automobilindustrie oder Luftfahrt angesichts der Anforderungen (Brandschutz, Festigkeit, Oberfläche) selten der geeignete Werkstoff. Ein Füllhorn an Herausforderungen Schierk: „Der Kunde verlangt quasi ein Material, das immer gleich aussieht und immer die gleichen Eigenschaften hat." Das fange bei der Handcremebeständigkeit im Innenraum eines Autos an und ende bei einem technischen Bauteil im OP-Saal. „Bei einfachen Produkten wie einem Stopfen für einen Stuhlbein spielt das sicher nicht die Rolle", so der OL-Geschäftsführer, und blickt ein wenig auf die „Wurzeln" von OL zurück. Das Unternehmen ist mit Gleitern und Kabelmanagement-Komponenten unter und in Schreibtischen „groß geworden". Den Wechsel von Augsburg nach Donop hat der 43-Jährige als Herausforderung gesehen. „Hier passt alles, ich wollte zurück in ein Familienunternehmen, die Gespräche mit Melanie und Oskar Lehmann waren gut, die Aufgabe reizt mich sehr", so der Fahrzeugtechnikingenieur, der unter anderem viele Jahre für Audi in Ingolstadt gearbeitet hat und natürlich in Donop die neuen Produktentwicklungen im Bereich der Elektromobilität gut einschätzen kann. Dass die Fahrzeughersteller im Zeitalter extremer Konkurrenz bei Parametern wie Optik oder Haptik kaum zu Zugeständnissen bereit sind, weiß er. „Wir sprechen bei diesen Produkten über eine Null-Fehler-Kultur", spitzt er zu. Regelungen in Verträgen und Normen seien über Jahre ein gnadenloser Teil der Kultur in der Zuliefererindustrie geworden. Schierk: „Im Grunde können Sie sich bei 50.000 Teilen gerade mal ein fehlerhaftes erlauben." Und genau da liege die andere große Herausforderung der Kunststoffbranche. „Wir haben die Aufgabe, die Firma in den kommenden zwei Jahren auf ein anderes Niveau zu heben. Die Mitarbeiter wie den Maschinenpark." OL in Donop beschäftigt rund 230 Mitarbeiter. Obwohl das Areal schon gut bebaut ist, wäre noch Bedarf an einem Logistikzentrum.