Blomberg. Bei schönstem Sonnenschein hat das LZ-Wahlmobil am Donnerstagnachmittag Station in Blomberg gemacht. Drei Kandidaten stehen hier zur Wahl für das Bürgermeisteramt: Amtsinhaber seit 2020 Christoph Dolle (SPD), 48 Jahre, gelernter Jurist, Andreas Silge (CDU), 60 Jahre, Fertigungsleiter eines Automobilzulieferers, und Jakob Baidin (AfD), 36 Jahre, Malermeister. Sie stellten sich vor knapp 60 Zuschauern vor dem Blomberger Marktkauf den Fragen von LZ-Redakteurin Marianne Schwarzer. Und an einer Stelle kochten die Emotionen hoch, wurde es laut am Stand. Fragen aus dem Publikum: Es wird laut Die eigentliche Diskussion war da eigentlich bereits zu Ende, das Publikum kam mit seinen Fragen zu Wort. Und gleich die erste hatte es in sich: An Christoph Dolle gewandt, sagte der Zuschauer, dass einer seiner Mitbewerber - gemeint war AfD-Mann Baidin - im Internet davon spreche, Blomberg sei in der Haushaltssicherung und insolvent. Was das heiße und ob das richtig sei, wollte er wissen. Dolle wurde ernst, auch er habe diese Aussagen der AfD gesehen. „Das ist eine Lüge, es ist falsch und eine Wählertäuschung, die Angst schürt." Blomberg sei noch nie in der Haushaltssicherung (das finanzielle Defizit kann nicht ausgeglichen werden, es muss ein gesetzlich angeordnetes Konzept zum Ausgleich erstellt werden, Anm. d. Red.) gewesen und schon gar nicht insolvent (zahlungsunfähig). Jakob Baidin wollte darauf antworten, wurde laut, zielte auf die Probleme ab, die die Kommunen aufgrund nicht ausreichender Finanzierung hätten. Silke Buhrmester, stellvertretende Chefredakteurin der LZ und Herrin über das Mikrofon, unterbrach ihn, als er von der Lokalpolitik abzuschweifen drohte. Richtig ist, wie Marianne Schwarzer den Anwesenden erklärte: Blomberg hat im Jahr 2023 eine Haushaltsperre erlassen, also nicht unbedingt notwendige oder vertraglich zugesagte Ausgaben kurzfristig gestoppt. Eine andere Frage bezog sich auf die Wahlplakate der AfD und der „Rettung des Abendlandes", wie das denn gemeint sei. Das sei ein Begriff aus der christlichen Kultur, „ist unser Fundament", sagte Baidin, sie seien nicht gegen andere Kulturen, aber für ein starkes Christentum. Andreas Silge nannte die Verwendung dieses Begriffs „ein No-Go", Christoph Dolle eine „Plattitüde, die Emotionen schüren soll und Menschen voneinander entfernen". Eine weitere Frage bezog sich auf konkrete lokale Maßnahmen, die die drei Kandidaten nach der Wahl zügig angehen wollen. Jakob Baidin sagte, er wolle die Dörfer wiederbeleben, Andreas Silge möchte das Leerstandsmanagement für die Innenstadt reaktivieren und sich um das Dorfgemeinschaftshaus Tintrup kümmern, Christoph Dolle das Wirtschaftswegekonzept fortführen, weiter Glasfaser und freies Internet in die Dorfgemeinschaftshäuser bringen, um die Dörfer zu beleben, und habe nicht nur das in Tintrup, sondern auch das in Reelkirchen auf der Agenda. Blomberg größte Baustelle Marianne Schwarzer hatte den drei Bewerbern zuvor Fragen gestellt. Wo Blombergs Probleme seien und Politik ran müsse, lautete eine davon. Silge sieht die in der wirtschaftlichen Entwicklung, es gebe zu viele Leerstände in der Innenstadt und auch die Schulentwicklung müsse vorangetrieben werden. Baidin kritisierte neben dem Leerstand und fehlender Infrastruktur auf den Dörfern und forderte mehr Geld für die Wirtschaft. Auch Dolle führte den Leerstand an, man müsse aber auch die Energiekrise in Bezug auf die Privaten ernst nehmen sowie eine stärkere interkommunale Zusammenarbeit suchen, um die Stadtfinanzen in den Griff zu kriegen. Lokale Wirtschaft ankurbeln Ob man sich in wirtschaftlicher Hinsicht zu sehr auf Phoenix Contact verlassen habe? Das verneinte Dolle, die Stadt sei mit dem Unternehmen in gutem Austausch, auch mit anderen sowie mit dem Handwerk, und versuche zu unterstützen. Städtische Aufträge aber müssten ausgeschrieben werden. Außerdem müssten weitere Flächen für Unternehmen bereitgestellt werden, „auch wenn der Regionalplan keine vorsieht". Die Steuern seien seit 2017 nicht erhöht worden, erklärte er. Das sieht auch Silge als gutes Zeichen, führte aber auch hier das Problem des Leerstands ins Feld. Zudem sei die Bildung ein Problem, zu viele Azubis würden durch die Prüfung fallen, erklärte er. „Wir müssen mehr Unternehmen nach Blomberg holen", betonte Baidin, man dürfe die Gewerbesteuer nicht erhöhen sondern eher senken, damit Familien zuzögen. Es fehlten Nachwuchs und Aufträge, Unternehmen müssten finanziell unterstützt werden. Ärztemangel bekämpfen Die Nelkenstadt hat 40.000 Euro für die Übernahme einer Praxis ausgelobt, sofern der Arzt fünf Jahre bleibt. Wer eine Praxis ganz neu eröffnet, soll weitere 50.000 Euro erhalten. Silge hält das für einen guten Weg, ein weiterer wichtiger Punkt sei aber die Telemedizin, die aufgebaut werden müsse. Dolle erklärte, man sei bereits mit dem vierten Mediziner in Gesprächen und er sei guter Dinge, dass da was bei rumkomme. Auch Telemedizin und Medizinische Versorgungszentren seien gute Ansätze - das dauere aber. Einen „Weg in die richtige Richtung" nannte es Baidin, zudem müsse die geforderte Durchschnittsnote fürs Abi abgesenkt werden, damit mehr junge Leute Medizin studierten - und die müsse man ermutigen, auf die Dörfer zu gehen. Verkehr Die Busverbindung aus Cappel, wo er wohnt, sei schlecht, mit Blick auf die Finanzierung könne man statt großer Busse kleinere einsetzen, damit auch die Busunternehmer etwas verdienen. Silge würde den On-Demand-Verkehr über die „Limo" weiter ausbauen, was auch Dolle vorschlug. Zudem setzt er auf Bürgerbusse, dabei müsse man die Ehrenamtlichen unterstützen. Nelkenpark Hier waren sich die drei einig: Weiteres Geld soll nicht in die Gestaltung des Areals unterhalb des Niederntores fließen. Arbeit im Rat Noch nie hat es so viele Auseinandersetzungen auch auf persönlicher Ebene im Bundestag gegeben wie derzeit. Wie wollen die Kandidaten trotz aller Unterschiede sachlich miteinander für Blomberg arbeiten, wollte Marianne Schwarzer wissen. „Das wichtigste: Auch bei unterschiedlichen Meinungen die Menschlichkeit und den Respekt behalten", betonte Andreas Silge. Es gehe um Demokratie, sagte Baidin, da dürfe es im Rat auch mal lauter zugehen, das gehöre dazu. Christoph Dolle will im Dialog mit allen Parteien bleiben, solange sie sich Diskussionen im demokratischen Rahmen bewegen. „Das ist meine Grenze."