Blomberg. Erstmals geht ein AfD-Mitglied ins Rennen um das Bürgermeisteramt in Blomberg, parallel bewirbt sich Jakob Baidin um ein Ratsmandat. Die LZ wollte wissen, was seine Ziele sind. Das Treffen mit AfD-Bürgermeisterkandidaten Jakob Baidin findet unter freiem Himmel an der Cappeler Kirche, seinem Lieblingsort fürs LZ-Interview, statt. Glücklicherweise regnet es an diesem frühen Abend nicht. Herr Baidin, warum engagieren Sie sich in der Politik? Jakob Baidin: Weil ich sehe: Es gibt was zu tun. Wir müssen hier was verändern. Seit wann sind Sie in der Politik? Jakob Baidin: Ich habe mich schon als Schüler für Politik interessiert. Nach der Schule habe ich bei der CDU, später auch bei den Freien Wählern hereingeschnuppert, aber festgestellt, dass beides nicht meine Heimat ist. 2017 bin ich in die AfD eingetreten. Sie waren in Detmold Ratsmitglied, da waren Sie zu zweit in der AfD-Fraktion, bis sie auseinanderbrach. Jakob Baidin: Ich war mit Viktor Hübner in der Fraktion, bin dann aber aus der AfD-Fraktion ausgetreten. Ende ’24 bin ich ganz aus dem Rat ausgeschieden, weil ich nach Blomberg umgezogen bin. Warum sind Sie aus der AfD-Fraktion ausgetreten? Jakob Baidin: Wir hatten unterschiedliche politische Ansichten. Und dann habe ich gesagt, ich will das nicht mehr und bin da rausgegangen. Sie wollen nicht weiter ins Detail gehen? Jakob Baidin: Ich hab genug gesagt. Sind Sie ein religiöser Mensch? Jakob Baidin: Ich bin überzeugter Christ. Ich gehe auch, so oft es mir gelingt, in die Gemeinde, ich gehöre einer Freikirche an. Warum haben Sie sich die Cappeler Kirche für dieses Interview gewünscht? Jakob Baidin: Als Malermeister finde ich das Gebäude architektonisch sehr interessant. Und hier hat die lippische Reformation begonnen. Da ich für Blomberg ebenfalls eine politische Reformation anstrebe, habe ich diesen Ort gewählt. Was bedeutet der Glaube für Sie? Jakob Baidin: Mein Glaube ist mir sehr wichtig. Es gelingt nicht immer, aber ich versuche, meinen Glauben zu leben, ihn meinen Kindern weiterzugeben – und auch in die Politik mitzunehmen. Jesus ist mein Fundament. Was auch Nächstenliebe und Hilfe für Menschen in Not beinhaltet. Jakob Baidin: Ja, natürlich. Ich weiß, worauf Sie hinauswollen. Haben Sie die Bibel schon mal gelesen? Ja, und das ist für mich erst mal ein Widerspruch. Jakob Baidin: Okay, dann kennen Sie bestimmt die Stelle, wo Gott zu Paulus sagt, er solle in eine Stadt gehen. Dort wird Paulus nicht angenommen, und Gott sagt zu ihm: Geh aus der Stadt und klopf den Staub von Deinen Füßen. Das bedeutet: Tu, was Du kannst. Du kannst als Christ nicht alles machen. Liebe gehört dazu – ja – aber wenn es nicht funktioniert, dann überlass das Gericht Gott. Hören Sie mal Frau Weidel zu, das hat mit Nächstenliebe nicht immer was zu tun. Zugegebenermaßen gilt das auch für andere Politiker. Jakob Baidin: Im christlichen Glauben geht es nicht nur um Nächstenliebe. Was glauben Sie, was könnten Sie als Bürgermeister von Blomberg gestalten? Jakob Baidin: Blomberg ist eine sehr schöne Stadt. In vielem ist Blomberg besser als andere Städte. Ein paar Punkte möchte ich verändern. Blomberg war, soweit ich weiß, im letzten Jahr in derHaushaltssicherung. Das stimmt nicht. Haushaltssicherung bedeutet, dass von außen diktiert wird, was sie ausgeben darf. Das war in Blomberg nicht der Fall. Jakob Baidin: Ich weiß, was es bedeutet. Der Kämmerer hat eine Haushaltssperre erlassen, als klar war, dass 17 Millionen Euro Steuern bei den Einnahmen fehlen. Das ist keine Haushaltssicherung, das ist ein Unterschied. Jakob Baidin: Auf jeden Fall fehlt Geld – wie in jeder Stadt. Durch die Kreisumlage geht viel verloren. Da muss Blomberg wirtschaftlich denken. Ich als Unternehmer weiß, wie ein Unternehmen geführt wird. Die Stadt braucht Einnahmen. Das geht über Gewerbesteuer. Wir müssen mehr mittelständische und kleine Unternehmen nach Blomberg holen. Dann entstehen Arbeitsplätze, der Leerstand sinkt und die Steuereinnahmen steigen. Und wie wollen Sie das machen? Jakob Baidin: Indem wir die Gewerbesteuersteuer so behalten, wie sie ist, anstatt sie zu erhöhen. Sie ist in Blomberg auch nicht erhöht worden, schon seit Jahren. Jakob Baidin: Ja, aber Herr Dolle hat in seinem Interview gesagt, er kann das nicht mehr so beibehalten. Nein. Er hat gesagt, er wüsste nicht, wie das weitergeht. Das ist ein Unterschied. Jakob Baidin: Okay, ich habe es so verstanden. Aber es muss etwas getan werden. Neue Unternehmen brauchen Entlastung und Unterstützung. Ich bin selbst mit meiner Firma nach Blomberg gekommen – Hallen sind kaum zu finden, oft überteuert. Was hätte die Stadt denn machen sollen? Jakob Baidin: Besser ausschreiben. Wo gibt es Hallen? Was steht leer? Wir haben 18 Dörfer in Blomberg. Die Stadt hätte sagen können: „Da ist eine Halle – interessiert Sie das?“ Ich war bei der Stadt – mir wurde gesagt: „Wir haben nichts.“ Da muss die Informationslage besser werden. Aber das allein wird nicht reichen. Jakob Baidin: Man könnte Unternehmen auch finanziell entlasten, beispielsweise im ersten Jahr. In Cappel, wo ich wohne, gibt es keinen Lebensmittelmarkt, keinen Bäcker. Ein Arzt ist noch da, aber der ist schon älter. Da müssen wir etwas tun – Nahversorgung aufbauen wie etwa in der ehemaligen Detmolder Britensiedlung. Was noch? Jakob Baidin: Wir müssen mehr Touristen anlocken. Und wie? Jakob Baidin: Zum Beispiel durch bessere Verknüpfung mit der Region – Hermann, Externsteine. Es gibt schon Lippe Tourismus – aber das reicht nicht. Die Homepage zum Beispiel ist schwach – da fehlt einiges. Haben Sie noch mehr Ansatzpunkte? Jakob Baidin: Die Jugend stärken. In Blomberg wird schon einiges gemacht – aber es geht noch mehr. Die Jugend soll hier aufwachsen und bleiben. Dafür brauchen wir gute Arbeitsplätze, damit junge Familien hier leben können. Die Ortsteile sterben langsam aus – da muss man gegensteuern. Persönlich Jakob Baidin ist 1988 in Sibirien geboren und kam 1996 nach Deutschland, zunächst nach Dresden und vier Jahre später nach Detmold. Nach seiner Ausbildung als Kaufmann hat er noch eine Lehre als Maler und seinen Meister gemacht. Er ist als Malermeister selbstständig im eigenen Unternehmen, hat vier Kinder, das fünfte ist unterwegs. Von Detmold ist er 2025 nach Cappel gezogen.