Blomberg/Hameln. Ein schrottreifer Transporter ist vor wenigen Tagen in Hameln durch die Polizei stillgelegt worden. Das Auto hat eine besondere Vorgeschichte. Und die führt nach Blomberg. Der blaue Transporter hatte kaputte, abgeklebte Seitenfenster, keine Kennzeichen und blockierte mehrere Tage lang eine Bushaltestelle an der B217 bei Groß Hilligsfeld. Verkehrstüchtig sah er nicht aus. Auch der Fahrer, der zuvor mit dem Transporter unterwegs war, war für den Straßenverkehr nicht geeignet, wie aus einer Antwort der Polizei zu den Hintergründen hervorgeht. Ohne Kennzeichen, Versicherung, Licht und Scheiben Ein Bürger habe spätabends beobachtet und der Polizei gemeldet, dass der Transporter aus Hameln kommend ohne Beleuchtung am Heck in Richtung Hilligsfeld unterwegs war, berichtet Polizeisprecherin Stefanie Ockenfeld. Beamte hätten Fahrer und Fahrzeug kontrolliert und dabei festgestellt, dass keine Kennzeichen angebracht sind, keine Zulassung vorliegt, dass nicht nur die Leuchten, sondern auch alle Seitenscheiben kaputt sind. „Das Fahrzeug war in einem sehr schlechten Allgemeinzustand. Außerdem war es nicht versichert“, berichtet Ockenfeld. Die Kontrolle des Fahrers habe ergeben, dass der 33-Jährige aus dem Raum Hannover keinen Führerschein besitzt und zudem unter Drogeneinfluss stand. Dem Mann sei eine Blutprobe entnommen worden. Er müsse sich nun wegen Fahren ohne Fahrerlaubnis und unter Drogeneinfluss, eines Zulassungsverstoßes und Verstoßes gegen das Pflichtversicherungsgesetz verantworten, hieß es. Ob es sich um den Halter des Fahrzeugs handelte, konnte die Sprecherin nicht sagen. Doch Fahrer und Halter scheinen nicht dieselbe Person zu sein - denn der Halter hat seine Adresse in Bulgarien, weiß die Stadt Blomberg. Die hiesige Verwaltung hielt das Auto mehr als ein halbes Jahr auf Trab. Der Transporter geisterte monatelang durch die Nelkenstadt, bis er an jenem 20. Juli in einer Nacht-und-Nebelaktion fortgeschafft werden sollte. Erstmalig, so berichtet Bürgermeister Christoph Dolle, auf Nachfrage der LZ, sei das blaue Auto im Wohngebiet „Gergerloh“ aufgefallen: „Es stand dort einige Zeit, und ein Reifen hatte etwas an Luft verloren. Das Fahrzeug schien seinerzeit sonst jedoch fahrtüchtig, hatte Kennzeichen und war somit kein Schrottfahrzeug.“ Ölschale soll Auslaufen verhindern Ende Januar sei es dann an der Detmolder Straße in Istrup aufgetaucht. „Es schien einen leichten Ölverlust zu haben“, sagt Dolle. Zwei Verwarngelder waren zu jenem Zeitpunkt bereits an den Halter in Bulgarien versandt worden - ohne Erfolg. Weil auf dem Baubetriebshofgelände angeblich kein Platz gewesen sei, habe ein Abschleppdienst das ungeliebte Vehikel in der Industriestraße abgeladen. Und der Ölverlust? „Der Bauhof hat das Auslaufen von Öl durch das Unterstellen einer Ölschale verhindert.“ Doch Anliegern in der Industriestraße war der leckende Dauerparker ebenfalls ein Dorn im Auge. Aus Umweltgründen, und weil der Wagen ein Verkehrshindernis darstellte: „Der Platz wird gebraucht - als Rangierfläche für Lastwagen und als Parkraum, zum Beispiel für Mitglieder der benachbarten Kirchengemeinde“, ärgerte sich ein Anlieger, der immer wieder bei der Verwaltung in der Angelegenheit nachhakte. Doch passiert sei nichts, im Gegenteil: Mitte März seien die Kennzeichen abmontiert und die Scheiben eingeschlagen gewesen. Das Auto aber wurde nicht bewegt. Halter im Knast Bürgermeister Dolle betont, dass die Stadtverwaltung sehr wohl aktiv geworden sei - so habe man dem Halter eine Frist gesetzt, das Auto zu entfernen. Denn ohne Zulassung darf ein Fahrzeug nicht im öffentlichen Raum stehen. Von dem Mann sei keine Reaktion gekommen - möglicherweise, weil ihn die behördlichen Schreiben gar nicht erreichten, denn nach LZ-Recherchen saß er in seiner Heimat im Gefängnis. Dolle bestätigt, dass es auch in seiner Behörde zu Verzögerungen gekommen sei - wegen eines krankheitsbedingten Wechsels in der Zuständigkeit. Eine letztmalige Aufforderung, das Auto zu entfernen, habe es dann aber am 4. Juni schließlich doch gegeben. Gerade noch rechtzeitig hat der Halter den Schrott auf vier Rädern abholen lassen. Wohin der 33-Jährige das Gefährt bringen wollte, als er in Niedersachsen gefasst wurde, ist unbekannt. Inzwischen, versichert Dolle, habe die Stadt Blomberg die Hamelner Behörde mit Informationen zum Halter und zum Verfahren versorgt. Das Schrottauto-Problem ist sie damit los. In der Blomberger Industriestraße zeugen nur noch ein Ölfleck und Reste von zersplitterten Autoscheiben von dem monatelangen Ärgernis.