Vom Pflegefall zum Globetrotter

Sven Marx reist um die Welt

Jana Beckmann

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Sven Marx mit seinem Fahrrad, dass er "Donkey" (englisch für Esel) getauft hat und mit dem er schon auf der Route 66 untergwegs war.
Sven Marx mit seinem Fahrrad, dass er "Donkey" (englisch für Esel) getauft hat und mit dem er schon auf der Route 66 untergwegs war.

Detmold. Ein inoperabler Tumor im Hirnstamm und die Diagnose Hautkrebs bremsen Sven Marx nicht aus. Er fährt mit dem Fahrrad durch aller Herren Länder. Am Dienstagabend hat er in der Volkshochschule Detmold-Lemgo gestoppt, wo er seine bewegende Geschichte erzählte.

„Jammern hilft ja nicht“, sagt Marx recht unbekümmert. Die Diagnose „Hirntumor“ habe sein früheres Leben vor vier Jahren von heute auf morgen beendet. Damals lebte er mit seiner Familie als Tauchlehrer in Ägypten – erfolgreich, gesund und glücklich. Die Rückkehr in die Heimat war als Urlaub gedacht, doch er blieb in Deutschland, weil er musste.

„Ich hatte Schwierigkeiten mit dem Gleichgewicht“, erinnert sich der Berliner, der sich während dieser Zeit in einer Klinik in der Hauptstadt untersuchen ließ. Die Ärzte stellten einen Tumor im Hirnstamm fest, operierten diesen umgehend, konnten jedoch nur die Hälfte entfernen.

Der Rest blieb in seinem Kopf und schränkt seine optische Wahrnehmungsfähigkeit ein: Marx sieht alles doppelt, kann die Mimik seines jeweiligen Gegenübers kaum erkennen, hat die Fähigkeit des räumlichen Sehens verloren.

Unmittelbar nach der Operation führte eine Einblutung im Gehirn zur halbseitigen Lähmung, nach Einschätzung der Ärzte war aus dem lebenslustigen Profitaucher innerhalb weniger Tage ein medizinischer Pflegefall auf Lebenszeit geworden. Dieser Diagnose setzte Marx seinen unbändigen Willen entgegen: Er lernte erst Sitzen, dann Schwimmen, später Fahrradfahren.

Das Fahrrad, sagt er, sei für ihn ein „Krückstock“, denn mit dem Laufen habe er noch heute Schwierigkeiten. Mit diesem „Krückstock“ hat er in den vergangenen Jahren die halbe Welt bereist. Von Helsinki nach Rumänien führte eine der Touren. Für das Jahr 2017 ist eine Weltumrundung geplant.

„Ich möchte den Menschen mit meiner Geschichte Mut machen“, sagt er und erklärt damit, warum seine Berichte von faszinierenden Begegnungen und atemberaubenden Landschaften handeln und seine Krankheiten – 2011 wurde ihm Hautkrebs diagnostiziert – zur Randnotiz verkommt. Allen Zweiflern, die ihn an die tödliche Gefahr in seinem Kopf erinnern, hält er eine Frage entgegen: „Können Sie mir denn sagen, wann Sie sterben werden?“

Die einzelnen Reiseberichte von Sven Marx können in seinem Blog unter sven-globetrotter.com nachgelesen werden.

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